Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank

SNB berichtet

Keine Flucht ins Bargeld trotz Negativzinsen

//
Das Bankensystem komme mit den negativen Zinsen gut zurecht, sagte Jordan; für die Versicherer stellten sie allerdings eine größere Herausforderung dar.

Vor einem Jahr senkte die SNB angesichts der Aussicht auf quantitative Lockerung im Euroraum ihren Zinssatz für Sichtguthaben von Banken auf ein Rekordtief von minus 0,75 Prozent. Sie hat seither wiederholt ihre Bereitschaft betont, an den Devisenmärkten zu intervenieren. Wie andere Währungshüter betonte auch Jordan am Dienstag, dass Zinsen nicht beliebig tief in den negativen Bereich gesenkt werden können, weil sonst irgendwann eine Flucht ins Bargeld einsetzen werde.

Jordan machte deutlich, dass die SNB im Unterschied zur Europäischen Zentralbank nicht daran denkt, die Banknote mit dem höchsten Nennwert abzuschaffen. Es bestünden in der Schweiz keine Pläne, das Bargeld abzuschaffen oder Änderungen bei den im Umlauf befindlichen Banknoten vorzunehmen.

Sollte die Europäische Zentralbank auf ihrer Ratssitzung am 10. März die Geldpolitik weiter lockern, so werde die SNB es möglicherweise für notwendig halten, zu reagieren, sagte Jordan. „Was die europäische Geldpolitik entscheidet, ist für uns von größtem Interesse, weil es stark auf die Schweiz und die Nationalbank zurückwirkt.“

Wie die nächsten Schritte der SNB aussehen könnten, hängt nach Auffassung der Teilnehmer einer am 15. Februar veröffentlichten Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten in erster Linie von der Kursentwicklung des Franken ab. „Der Franken bleibt gegenüber dem Euro real weiterhin deutlich überbewertet“, sagte Jordan am Dienstag in Frankfurt.

Mehr zum Thema
Gutleutviertel in FrankfurtKein Bargeld in der Bankenmetropole Streit um 500-Euro-Banknote„Direkter Angriff auf die Freiheit der Bürger“