Frank Thelen hat seine Fondsboutique neu aufgestellt und seinen kritisierten 10xDNA-Flagship-Fonds überarbeitet. Seine Prognose für 2025? Endlich positiv!
Frank Thelen: „Als technologiefokussiertes Team viel gelernt“| Bildquelle: Imago Images / STAR-MEDIA
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Nach dem schwierigen Start seines Vorzeigefonds Disruptive Technologies zeigt sich Tech-Investor Frank Thelen heute zuversichtlich. Der Fonds, der im September 2021 mit großen Ambitionen gestartet war und der zunächst vor allem Verluste verzeichnete, durchläuft seit 2023 eine beachtliche Aufholjagd: Year-to-date liegt die Retail-Variante mit 39 Prozent im Plus.
Über den glücklosen Start sagt Thelen im Gespräch mit DAS INVESTMENT: „Wir haben nicht vorausgesehen, dass wir in eine historisch starke Zinswende kommen." Dem Fonds sei das Marktumfeld in die Parade gefahren: Lieferkettenprobleme durch die Pandemie, gestiegene Produktionskosten, Inflation, Ukrainekrieg, Energiekrise.
Frank Thelen: Team hat „viel gelernt“
Die Startschwierigkeiten führt Thelen allerdings auch auf das sehr optimistische Herangehen seines Teams bei der Unternehmensbewertung zurück. „Rückblickend haben wir zu hohe Multiples akzeptiert.“ Diese seien zur damaligen Zeit zwar „nicht marktunüblich“ gewesen. Sein Team habe auch gute Unternehmen gefunden. Das heute vorsichtigere und flexiblere Vorgehen habe man jedoch erst entwickeln müssen. „Da haben wir als Technologie-fokussiertes Team viel gelernt“, räumt Thelen ein.
Mittlerweile lässt man lieber ein paar Prozentpunkte liegen, um im Gegenzug ruhig schlafen zu können, lässt Thelen im Gespräch durchblicken. Heute setzt sich sein Investmentunternehmen genaue Zielpreise. „Wir aktualisieren unsere Modelle laufend auf Basis neuer qualitativer und quantitativer Informationen“, erläutert Geschäftsführer und Fondsberater Marcel Vogler.
„Der Markt zeigt sich so volatil, dass wir aktiv traden müssen“, meint Thelen – und nennt als Beispiel die Portfolioposition Hims and Hers, wo dieser Ansatz „herausragend funktioniert“ habe. Obwohl ihm ein ruhiges Buy-and-Hold-Investment über einen längeren Zeitraum durchaus lieber wäre.
Investment in Palantir
Profitiert hat der Fonds in den vergangenen Monaten auch von Palantir. Die Aktie des Software- und Datendienstleisters aus den USA hatte in den vergangenen Monaten einen Lauf. Allerdings hat das Thelen-Team die Rally der jüngsten Wochen verpasst, von den letzten Anteilen trennte es sich im Oktober. „Palantir haben wir sicherlich ein bisschen zu früh verkauft“, sagt Geschäftsführer Vogler in der Rückschau. Dennoch: „Für uns ist es wichtig, dass sich unsere Discounted-Cashflow-Modelle rechnen. Und bei Palantir ist die Rechnung irgendwann gebrochen.“ Vogler verweist auf die selbst auferlegte Disziplin: „Wir müssen im Guten wie im Schlechten an unsere Modelle glauben.“
Immerhin: mit dem Ergebnis des Umbaus zeigt sich Thelen sehr zufrieden: „In den Jahren 2023 und 2024 hat man gesehen, dass wir nicht nur lernwillig, sondern auch lernfähig sind. Es läuft richtig gut.“
Der Eindruck drängt sich auf: Der Venture-Capital-Investor Frank Thelen ist als Fondsmanager erwachsener geworden. Auch wenn er weiterhin gerne in Superlativen spricht: „Wir haben ein herausragendes Team aufgebaut und herausragende Unternehmen ausgewählt“, sagt er etwa im Gespräch.
Auch an seinem anfänglichen Versprechen, das Geld der Investoren in vier bis fünf Jahren zu verdreifachen, will er auf Nachfrage festhalten. „Das ist das, was ich von meinen Investments erwarte“, beharrt Thelen. Auch wenn die Anleger, die von Anfang an im Disruptive Technologies dabei waren, sich wohl etwas länger gedulden müssen. Der Fonds liegt seit seiner Auflegung weiterhin im Minus.
Mittlerweile hat das Thelen-Team weitere Fonds aufgelegt. Vom Disruptive Technologies gibt es eine Variante, die die Kryptowerte (aktuell: Bitcoin-Zertifikate) weglässt und eine weitere, die speziell auf kleinere Firmen setzt. Ein anderer Fonds deckt Nachhaltigkeitstechnologien ab.
Das in Bonn ansässige Unternehmen hat auch einen neuen Namen: Aus „10xDNA“ wurde „Teq Capital“. „Bei unserem alten Namen ‚10xDNA‘ dachten einige Menschen, dass sie das Zehnfache ihres investierten Geldes verdienen“, berichtet Thelen. Auch mit der Aussprache hätten sich viele schwer getan. Mittlerweile tragen nur noch die Fonds die Formel im Namen. Sie geht auf Thelens Buch „10xDNA: Das Mindset der Zukunft“ zurück.
Neben Privatkunden will Teq Capital nun auch verstärkt Großanleger ins Visier nehmen. „Aktuell fokussieren wir uns auf semi-institutionelle Investoren wie Banken, Family Offices, unabhängige Vermögensverwalter, Vermittler sowie Selbstentscheider“, verrät Vogler.
Die Performance des 10xDNA Disruptive Technologies
Der Ursprungsfonds Disruptive Technologies (ISIN: DE000DNA10X3), aufgelegt als Ucits-Fonds, liegt YTD rund 39 Prozent im Plus (alle Daten Stand 13. Dezember). Damit bleibt er immer noch 17 Prozent unter seinem Ausgabekurs von September 2021. Für institutionelle Anleger ist auch eine AIF-Version erhältlich – die „Sportversion“, nennt es Thelen. Dort fällt das Ergebnis aufgrund lockererer Anlagegrenzen anders, unter Umständen besser, aus.
Fairerweise sollte erwähnt werden: Gegenüber Wettbewerbern wie dem Ark Innovation Ucits ETF von US-Starinvestorin Cathie Wood (IE000GA3D489) oder dem Baillie Gifford Worldwide Global Alpha Fund (IE00B88CSH68), die einen ähnlichen Anlageansatz verfolgen, macht der 10xDNA - Disruptive Technologieseine gute Figur.
Der im Februar 2023 gestartete 10XDNA – Small & Mid Cap Technologies (DE000DNA10M6) überschneidet sich in Vielem mit dem Ursprungsfonds. Er lässt allerdings die Unternehmensriesen weg und setzt stattdessen auf kleinere Titel. YTD steht er bei 20 Prozent, seit Auflegung bei 15 Prozent plus. Anfang März dieses Jahres startete außerdem der 10XDNA – Clean Technologies (DE000DNA10C7), der speziell in Themen wie alternative Energien, nachhaltige Landwirtschaft und Wasser investiert. Er hat seitdem um 12 Prozent zugelegt. Für das kommende Jahr peile man weitere Produktprojekte an.
„Bis auf den Disruptive Technologies sind wir mit allen unseren Fonds wieder über dem Ausgabepreis“, betont Thelen im Gespräch. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass im nächsten Jahr auch unser Flaggschiff-Fonds deutlich über dem Ausgabekurs stehen wird.“
Frank Thelen will vorerst in Deutschland bleiben
In einem Interview mit „Focus online“ ließ Thelen kürzlich durchblicken, dass er darüber nachdenke, aus Deutschland auszuwandern: Hierzulande herrsche „wenig Begeisterung für Pioniergeist und Macher“, begründete er das. Was dann mit den Fonds geschehen würde, die immerhin eng mit seinem Namen verknüpft sind? Thelen verweist auf das „hybride Set-up“ und die digitalisierten Prozesse in seinem Unternehmen. „Sollte ich meinen Lebensmittelpunkt ändern, hat es keinen Einfluss auf die operative Arbeit von Teq Capital.“ Entsprechende Pläne sind offenbar auch nicht akut: „Für die nächsten Jahre ist davon aber nicht auszugehen – meine Frau liebt das Rheinland zu sehr“, versichert Thelen.
Iris Bülow ist Redakteurin Print und Online bei DAS INVESTMENT und dem private banking magazin. Dort beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit Fonds, Finanzberatung und Regulierung. Vorher war sie mit Schwerpunkt Wirtschaft und Steuern für einen Hamburger Fachverlag tätig gewesen. Redaktionelle Erfahrung hat sie außerdem bei einem wissenschaftlichen Institut für internationale Schulbuchforschung gesammelt. Bülow hat Geschichte, Slavistik und Osteuropawissenschaft (VWL) an der Universität Hamburg studiert.
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