Guido vom Schemm (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Vermögensverwalter Guido vom Schemm So können sich Anleger an Infrastruktur beteiligen

Zug und Gleise am Kölner Hauptbahnhof
Zug und Gleise am Kölner Hauptbahnhof: Infrastruktur wird oft vom Staat finanziert. | Foto: imago images/ Future Image

Eines der zentralen Themen von US-Präsident Joe Biden im letzten Wahlkampf gegen Donald Trump war ein gigantisches Infrastrukturpaket im Umfang von hunderten Milliarden US-Dollar. Amerikas Infrastruktur wie Flughäfen, Bahnhöfe, Straßen, Brücken und Schienenverbindungen sollten größtenteils grundlegend saniert werden. Der US-Senat hat es im August geschafft, mit den Stimmen aller Demokraten und vieler Republikaner ein sehr großes Infrastrukturpaket zu verabschieden Doch nicht nur in Amerika, sondern weltweit werden die Investitionen in Infrastrukturprojekte signifikant ansteigen. Diese Chance sollten sich Privatanleger nicht entgehen lassen.

Infrastruktur im Wandel

Im täglichen Leben merken wir, dass sich die Infrastruktur ständig verbessert. So werden Transportwerge besser, Kommunikation und Internet schneller, Wasseraufbereitung und Abfallentsorgung effizienter und das Bildungsangebot steigt. Trotzdem fällt auf, dass zahlreiche Brücken, Straßen oder Schulen marode sind. Nicht nur in den USA, auch in Europa. Es bleibt noch viel zu tun. Weltweit betrachtet sind enorme Investitionen in Infrastruktur dringend notwendig.  

Erneuerbare Energien benötigen andere Infrastruktur

Die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien erfordert enorme Investition in Infrastruktur. Neue Windparks, PV-Anlagen oder Ladeterminals für Elektroautos müssen gebaut werden. Eine Einschätzung des anerkannten McKinsey Global Institutes zufolge, müssten jährlich weltweit insgesamt 3,3 Billionen Dollar investiert werden, um die Wachstumsprognosen bis ins Jahr 2030 zu erreicht. In die Kategorien Transport, Energie, Wasser und Telekommunikation würden zurzeit aber lediglich 2,5 Billionen Dollar pro Jahr investiert. Die geschätzte Infrastrukturinvestitionslücke beläuft sich somit auf rund 800 Milliarden Dollar jährlich, Tendenz steigend. Der Bedarf ist daher enorm.

Staaten knapp bei Kasse

Es gibt jedoch ein großes Problem. Investitionen in die Infrastruktur eines Landes werden in der Regel durch den Staat finanziert. Wie das aktuelle Infrastrukturprogramm von Biden in Amerika. Das Gesetz sieht Staatsausgaben in Höhe von rund 550 Milliarden US-Dollar für Verkehrswege, Internet und Projekte zur Bewältigung der Klimakrise vor. Insgesamt umfasst das Paket 1,2 Billionen US-Dollar. Ein Großteil des Geldes wird aus anderen Haushaltsposten umgewidmet. Der US-Schuldenberg wächst damit im Rekordtempo. Alle großen Industrienationen sind stark verschuldet und haben deshalb zu wenig Geld, um dringend benötigte Investitionen in Straßen, Flughäfen, die Kanalisation oder der Versorgung zu tätigen.

Es sein denn, alles wird auf Pump finanziert wird.  In der Bunderepublik Deutschland kommt es zu einem Investitionsstau in Höhe von über 100 Milliarden Euro. Diese Prognose stammt aus der Zeit vor der letzten Hochwasser-Katastrophe. Der Aufbau dieser Flutschäden dürfte nochmals Milliarden an Steuergeldern verschlingen. Aufgrund dieses immensen Investitionsbedarfs sind zunehmend private Geldgeber gefragt und auch immer mehr Anleger entdecken dieses Investmentthema für sich. Die Vorteile von Infrastrukturinvestments sind deutlich. Geringe Ausfallraten und den sicheren Cashflow durch die Nutzungsgebühren. Zudem bieten Infrastrukturinvestments einen gewissen Inflationsschutz, da die Nutzungsgebühren bei einer höheren Inflation wohl auch steigen wird.

Zahlreiche Infrastrukturfonds werden jedoch überwiegend als geschlossene Fonds aufgelegt oder stehen nur institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen offen. Aufgrund des Niedrigzinsumfeldes haben diese Versicherungen und Stiftungen großes Interesse am stetigen und berechenbaren Cashflow dieser Investments. Es gibt am Markt inzwischen jedoch einige infrastrukturbezogene Investmentfonds, die offen und täglich handelbar sind und sich an ein breites Anlegerpublikum richten. Infrastrukturfonds können sicherlich eine interessante Alternative im Depot sein, da diese einen berechenbaren Cashflow generieren und konjunkturunabhängig sind.

Über den Autor: 

Guido vom Schemm ist geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung GVS Financial Solutions aus dem hessischen Dreieich. 

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