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Analyse von Reinhard Pfingsten So schützen sich Anleger vor höheren Inflationsraten

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Portfolio für Zeiten höherer Inflation

Wie würde man also ein solches ausgewogenes diversifiziertes Portfolio zusammenstellen? Demnach sollten Anleger nicht komplett auf das Edelmetall im Depot verzichten. Denn nach wie vor sprechen zwei Gründe für Gold. Erstens führen die negativen Realzinsen dazu, dass bei dem Edelmetall aus den sonst üblichen Opportunitätskosten für entgangene Zinsen entsprechende Opportunitätsgewinne geworden sind. Und zweitens sorgen die gestiegenen Inflationsraten für ein höheres Maß an Unsicherheit. Gold gilt immer noch als einer der sichersten Häfen. Bei den Rohstoffen sollte ein weiterer Fokus auf Öl liegen, das meistens direkt von Inflationsschüben profitiert.

Am einfachsten lässt sich der Rohstoffbereich durch den CRB abbilden: Der Rohstoffindex umfasst neben Gold und Öl auch Industriemetalle, die von den konjunkturellen Überhitzungstendenzen profitieren. Bei einem gut diversifizierten Depot, das vor Inflation schützen soll, kann der Anteil an Rohstoffen durchaus bis zu 20 Prozent betragen.

Differenziertes Vorgehen bei Aktien

Gleichzeitig sollten Anleger weiter in Aktien investiert sein – die Zielgröße liegt hier bei rund 60 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass vor allem im Tech-Bereich viele Unternehmen erst in Zukunft nennenswerte Gewinne erzielen werden. Eine höhere Inflation schmälert aber deren Gegenwartswert, sodass diese Aktien als deutlich zu hoch bewertet gelten. Anleger sollten vielmehr solche Unternehmen bevorzugen, die über eine starke Preissetzungsmacht verfügen, wodurch sie Inflationseffekte ausgleichen können.

In der Vergangenheit lieferte der Energiesektor in einem inflatorischen Umfeld meistens positive, reale Renditen. Vergleichsweise robust zeigen sich bislang außerdem defensive Sektoren wie nicht-zyklischer Konsum, Versorger und Gesundheit. Schließlich könnten die Finanzwerte zu den Inflationsgewinnern zählen, wenn die Zinsstrukturkurve steiler wird. Die restlichen rund 20 Prozent der Mittel sollten Anleger in Anleihen und Cash halten.

Natürlich stößt auch ein Portfolio zum Inflationsschutz an seine Grenzen. Die vorgeschlagene Allokation beruht auf historischen Daten, aber die Welt hat sich zwischenzeitlich deutlich gewandelt. Die Stichworte lauten hier: Digitalisierung, Globalisierung und der Aufstieg Chinas. Außerdem ist nicht klar, ob, wie schnell und wie heftig die Zentralbanken eingreifen werden. Dies kann das Bild schnell verändern. Anleger müssen also permanent das Big Picture im Auge behalten und zeitnah sowie flexibel auf Änderungen der Rahmendaten reagieren.

Über den Autor: Reinhard Pfingsten arbeitet bei der Bethmann Bank als Chief Investment Officer und ist Mitglied im Management Team des globalen Investment Centers der ABN Amro Gruppe.

 

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