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Europa-Chef von Vanguard So sieht die Zukunft des Asset Managements aus

Europäische Zentralbank in Frankfurt
Europäische Zentralbank in Frankfurt: Die Ersparnisse von Privatpersonen sind so hoch wie nie zuvor. | Foto: Imago Images / Imagebroker

Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Ersparnisse der privaten Haushalte in der Europäischen Union (EU) als Reaktion auf das Coronavirus ein noch nie da gewesenes Niveau erreicht. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf einzelne Sparer haben deutlich gemacht, dass eine Politik möglich ist, die die langfristige finanzielle Nachhaltigkeit der Kapitalanlagen der EU-Bürger fördert. Einlagen bei Banken allein werden nicht ausreichen, um diesen Bedarf zu decken – Verbraucher aller Wohlstandsgruppen müssen Zugang zu hochwertigen, kostengünstigen und breit gestreuten langfristigen Anlagemöglichkeiten haben, um ihr finanzielles Wohlergehen zu sichern. 

In Europa gibt es eine solide Sparkultur, auf die man aufbauen kann. Allerdings sind Bareinlagen aufgrund der erodierenden Wirkung der Inflation auf lange Sicht in der Regel wenig effektiv. Geld, das heute zur Seite gelegt wird, ist in der Zukunft weniger wert. Daher besteht die Herausforderung für die Politik und die Branche darin, den Sparern beim Übergang zu langfristigen Investitionen zu helfen, die eine positive langfristige reale Rendite versprechen.

Tatsächlich bietet die Anlegerorientierung der EU-Kapitalmarktunion eine einmalige Gelegenheit, eine langfristige Investitionskultur in Europa zu schaffen. Es gibt jedoch drei grundlegende Schritte, die unternommen werden müssen, um die Beteiligung von Privatanlegern an den Märkten zu fördern.

Erstens muss mehr getan werden, um die Menschen zu ermutigen, für ihre langfristige Zukunft vorzusorgen. Eine Kernkomponente ist dabei die finanzielle Allgemeinbildung; sie hilft den Bürgern, besser informierte Entscheidungen zu treffen. In diesem Zusammenhang könnte sich der Aktionsplan der Europäischen Kommission zur Kapitalmarktunion als sehr wertvoll erweisen.

Er beinhaltet die Absicht, mit den Mitgliedstaaten zusammenzuarbeiten, um die finanzielle Bildung zu fördern, sowie einen Plan zur Entwicklung einer EU-weiten Informationsplattform, auf der Einzelpersonen an einem zentralen Ort eine Übersicht über alle ihre bestehenden Altersvorsorgevereinbarungen finden können. Auch automatische Beitrittsregelungen sind ein sehr wirksames Mittel, um das Rentensparen von jüngeren Arbeitnehmern und solchen mit niedrigen bis mittleren Gehältern zu fördern.

Zweitens gilt es, die europäischen Bürgerinnen und Bürger zu stärken, indem Investment-Barrieren und -Hindernisse abgebaut werden und sichergestellt wird, dass die Vorschriften in der gesamten EU einheitlich sind. Dazu gehören die grenzüberschreitende Verfügbarkeit von Anlageprodukten sowie eine Harmonisierung der Anforderungen an das Marketingmaterial. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Beseitigung potenzieller Interessenkonflikte, die durch provisionsbasierte Vertriebsmodelle entstehen können. Insgesamt erscheint ein Verbot aller Provisionszahlungen von Produktanbietern an Anlagevermittler, ähnlich wie in den Niederlanden und im Vereinigten Königreich, wünschenswert.

Drittens ist ein faires Angebot für alle von wesentlicher Bedeutung. Es muss sichergestellt werden, dass jeder EU-Bürger Zugang zu angemessenen und kosteneffizienten langfristigen Anlageprodukten hat. Es bedarf geeigneter Instrumente und Beratungsangebote, um die Sparer bei ihren Anlageentscheidungen zu unterstützen und ihnen den Vergleich verschiedener Produkte zu ermöglichen. Es sollten Online-Tools entwickelt werden, die den EU-Bürgern helfen, geeignete und kostengünstige Anlageprodukte für Privatanleger auf den Kapitalmärkten der EU zu finden. Insgesamt müssen sie in die Lage versetzt werden, eine angemessene Finanzberatung, Orientierung und Anlageprodukte zu finden, ohne dass ihnen unangemessene Gebühren berechnet werden. 

Die makroökonomischen Veränderungen und die Maßnahmen der Kommission haben das Potenzial, die langfristige finanzielle Zukunft der europäischen Bürger und ihre Beziehung zu den Vermögensverwaltern zu verbessern. Gleichzeitig gibt es weitere Veränderungen, die die Zukunft der Finanzdienstleistungsbranche prägen werden.