Sowohl Immobilien-Spezialfonds für institutionelle Anleger als auch offene Immobilienfonds für Privatanleger haben zuletzt gelitten: In der ersten Jahreshälfte 2023 fuhren die Fonds ihr schlechtestes Ergebnis nach Zuflüssen seit 2014 ein. Das hat das Beratungs- und Anlaysehaus Barkow Consulting gemessen.

Laut dessen Analyse flossen nach Abzug der Abflüsse den Fonds netto gerade einmal 5,2 Milliarden zu – 44 Prozent weniger als im Halbjahr zuvor und ganze 52 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Dabei waren Immobilienfonds vor Kurzem noch mit Anlegergeld geradezu überschüttet worden. So liegt das Allzeithoch nach Zuflüssen in Immobilien-Spezialfonds gar nicht weit zurück: Noch im ersten Halbjahr 2022 hatte diese Fondskategorie dort einen neuen Rekord verzeichnet.

Immobilienfonds hatten viele Jahre lang von der Niedrigzinsära profitiert: Mit Zinsinvestments gab es kaum etwas zu holen, daher schwenkten Anleger in der Breite auf Investitionen in Sachwerte um. Immobilien galten nicht nur als wertstabil, sondern zudem als besonders renditeträchtig. Ein langjähriger Immobilien-Bullenmarkt sorgte ab 2011 für eine quasi ungebremste Preisrally.

Mit den wieder steigenden Zinsen im vergangenen Jahr drehte sich der Wind.  

Grafik: Schwere Zeiten für Immobilienfonds 

Nettozuflüsse in offene Immobilienfonds (blau) und Immibilien-Spezialfonds (orange) seit den 1980er Jahren in Milliarden Euro 

Zuflüsse in offene Immobilienfonds und Immobilien-Spezialfonds
Zuflüsse in offene Immobilienfonds und Immobilien-Spezialfonds © Barkow Consulting

Ganz so schlimm, wie es bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen mag, ist die Situation der Immobilienfonds allerdings nicht: Das jüngste maue Ergebnis ist immer noch weit entfernt von den massiven Abflüssen, die Fonds dieser Kategorie in den Jahren 2005/06 und 2008 erleiden mussten, heißt es von Barkow.

Flaute am Immobilienmarkt

Immobilienfonds haben in jüngerer Zeit an der angespannten Lage auf dem Immobilienmarkt zu knabbern. Sowohl Wohnobjekte als – in noch größerem Umfang – Gewerbeimmobilien sind davon betroffen: Wohneigentum ist durch teurere Kredite infolge höherer Zinsen für viele potenzielle Interessenten schwer erreichbar bis unerschwinglich geworden. Zusätzlich halten neue Energiestandards, die teureres Bauen beziehungsweise Nachrüsten erforderlich machen,  potenzielle Käufer fern. 

Im Ergebnis haben die Immobilienpreise hierzulande in der Breite nachgegeben. Im ersten Quartal 2023 verbilligten sich Wohnimmobilien nach Angaben des Statistischen Bundesamts um durchschnittlich 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. In einigen Regionen registrieren Marktbeobachter indessen bereits einen erneuten leichten Anstieg: Es könnte bereits ein Boden bei den Durchschnittspreisen am Markt für Wohnhäuser und Eigentumswohnungen in Sicht sein. 

Gewerbeimmobilien wiederum leiden neben den höheren Zinsen und neuen Anforderungen an Energieeffizienz zusätzlich unter dem Trend zum Homeoffice: Arbeitgeber benötigen weniger Büroflächen.

An der Börse lässt sich das Malheur der Immobilienfonds ebenfalls ablesen. Hier werden seit einigen Monaten Abschläge von 15 Prozent und mehr auf Anteile an offenen Immobilienfonds – gegenüber den Anteilspreisen bei den Fondsanbietern – eingepreist.