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DZ Bank So steht es um die Altersvorsorge in Deutschland

Rentnerin
Rentnerin: Viele Zukunftsfragen sind noch offen bei der Altersvorsorge. | Foto: Pexels / Ivan Babydov

„Im Bundestagswahlkampf spielt die Finanzierung der Rente bislang nicht die zentrale Rolle, die ihr angesichts der ökonomischen Brisanz in den kommenden Jahren eigentlich zukommen sollte.“ Dies schreiben Michael Holstein und Michael Stappel in ihrer aktuellen Analyse für die DZ Bank.

Sie verweisen auf die Fakten: Heute leben in Deutschland mehr als 21 Millionen Rentner und damit so viele wie nie zuvor. Und sie geben zu bedenken, dass zwischen 2025 und 2035 die Zahl der Beschäftigten jährlich um mehrere Hunderttausend Personen abnimmt. Gleichzeitig steigt die Zahl der Rentner kräftig an. Genau für dieses Szenario allerdings sei das gegenwärtige System der Altersvorsorge nicht ausreichend gerüstet.

Bereits in der aktuellen Legislaturperiode hätten die Parteien es versäumt, eine Antwort auf den demografischen Wandel zu finden, sagen Holstein und Stappel. Nötig wäre es gewesen, ein System zu errichten, das künftig zumindest ein ausreichendes gesetzliches Rentenniveau und tragbare Beitragssätzen ermöglicht.

Auch die private kapitalgedeckte Altersvorsorge sehen die beiden Ökonomen kritisch. Schließlich betrieben viele Menschen zum einen immer noch keine oder nicht ausreichend private Altersvorsorge. Und zum anderen sei der kapitalgedeckten Altersvorsorge durch die anhaltende Niedrigzinsphase ein wichtiges Standbein des Vermögensaufbaus weggebrochen.

Die Autoren befürworten eine sogenannte doppelte Haltelinie für Rentenniveau und Beitragssatz. Mit dieser könne die Last des demografischen Wandels gerecht verteilt werden. Doch dies sei auch nur ein erster Schritt. Eine wirklich gerechte Reform müsse zudem ermöglichen, dass der Bund seine Zuschüsse für die Rentenkasse auf die Ausgaben für versicherungsfremde Leistungen begrenzt.

Stappel und Holstein sprechen sich zudem für einen flexiblen Zeitrahmen für den Renteneintritt aus. Dieser müsse sich zunächst an den finanziellen Gegebenheiten ausrichten, könne dann aber den Menschen ermöglichen, über den Zeitpunkt des Renteneintritts ihr persönliches Rentenniveau zu bestimmen. Dies eröffne auch die Chance, durch eine höhere private Vorsorge früher in Rente gehen zu können. Und zu guter Letzt müsse die Politik bei der seit Jahren kritisierten Riester-Rente das Zulage-Verfahren verschlanken und die 100-Prozent-Garantie für Beiträge lockern. Somit erhielten die Anbieter Spielraum für höhere Kapitalanlage mit besseren Renditechancen, erläutern die beiden DZ-Bank-Ökonomen.

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