Bröckelndes Gebäude Foto: IMAGO / BildFunkMV

„Sanierungsbedürftig“

So stellt sich der BVI eine Altersvorsorge-Reform vor

Das System der Altersvorsorge hierzulande ist wie ein Haus mit drei Stockwerken – alle sanierungsbedürftig. Dieses Bild zeichnet man beim deutschen Fondsverband BVI, um den Zustand des deutschen Rentensystems zu beschreiben. Der Dreiklang aus gesetzlicher Rentenversicherung, Zusatzversorgung per Betriebs- und Riesterrente und privater Vorsorge sei in die Jahre gekommen, findet Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. Auf der Jahrespressekonferenz des Verbands stellte Richter das Thema Altersvorsorge als eines der Kernthemen des BVI für 2021 vor.

Das System der gesetzlichen Rente, eigentlich umlagefinanziert, könne sich nicht mehr selbst tragen. Angesichts einer alternden Gesellschaft müsse es zunehmend bezuschusst werden. „2019 ist über ein Drittel der Renten aus Steuermitteln getragen worden“, erinnerte Richter. Die Auszahlung der Renten habe dabei 28 Prozent des Bundeshaushalts verschlungen. Die gesetzliche Rente stehe „am Ende ihrer Leistungsfähigkeit“.

Der Vorschlag des BVI: Ein Teil des Beitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung solle in eine kapitalgedeckte Vorsorge fließen – ebenfalls staatlich organisiert. Eine Anlage an den Kapitalmärkten würde das System entlasten, denn sie brächte eine potenziell höhere Rendite. Auch wenn sich der gesetzliche Rentenbeitrag dann auf zwei unterschiedliche Kanäle aufteilte: An dessen Höhe, 18,6 Prozent vom Bruttolohn, solle sich nichts ändern.

Riester-Rente reformieren

Neben der gesetzlichen Rente müsse zudem ein neues Konzept für die geförderte private Altersvorsorge her – vor allem für Riester-Verträge. Hier stößt sich der Verband an bestehenden hohen Garantieversprechen. „Der Garantiezwang bei gleichzeitig negativen Zinsen kostet über 16 Millionen Riester-Sparer seit Jahren unnötig Rendite“, so Richter. Eine Lösung könnten flexiblere Auszahlungs-Versprechen sein. Diese würden das Anlageergebnis weniger stark belasten. Zudem sollte der Kreis der Förderberechtigten ausgeweitet werden. Insgesamt sei die Riester-Vorsorge „dringend reformbedürftig“, fasste Richter die Position seines Verbands zusammen. Mit einer Reform rechnet man vor der Bundestagswahl 2021 allerdings nicht mehr.

Nachbesserungsbedarf sieht der Verband auch bei der privaten Vorsorge. Ganz konkret ist es der Sparerpauschbetrag, der den Interessenvertretern sauer aufstößt: Mit 801 Euro pro Person und Jahr beziehungsweise 1.602 Euro bei Paaren sei der Freibetrag auf Kapitaleinkünfte zu niedrig angesetzt, so Richter. Seit 2007 verharre er auf demselben niedrigen Niveau wie heute. Die Forderung des BVI: Der Sparerpauschbetrag solle auf 1.000 beziehungsweise 2.000 Euro steigen – und zudem an Inflation und Lohnniveau gekoppelt werden. Sparer sollten nicht ausgeschöpften Freibetrag auf Folgejahre übertragen können.

Ablehnend äußerte sich Richter einmal mehr gegenüber einem sogenannten Staatsfonds in der privaten Vorsorge. Private Fondsanbieter – also jene Gesellschaften, die der BVI vertritt – hätten gegenüber einem staatlich eingerichteten Fonds-Vehikel im Wettbewerb das Nachsehen. Richter nahm damit Bezug auf Ideen wie etwa die einer „Deutschlandrente“, die drei hessische Minister 2015 ins Spiel brachten. „Ein Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge wäre ein Irrweg.“

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