Überdurchschnittlich hohe Renditen bei bestimmten Anlagestrategien sind nicht nur Zufall, wie renommierte Wissenschaftler wie Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene Fama in verschiedenen Studien herausgefunden haben. Ihre Forschung zeigt, dass es messbare Kriterien gibt, mit denen es möglich ist, den Markt über Jahrzehnte hinweg zu übertreffen. Dazu kann beispielsweise eine besonders gute Bilanzqualität bei qualitativ hochwertigen Unternehmen zählen, eine konsequente Ausrichtung des Portfolios auf Aktien mit sehr geringer Volatilität, starken Aufwärtstrends, auf Firmen, die ihre Dividende kontinuierlich erhöhen, und vieles mehr.
Faktorprämien im Fokus: Nach welchen Kriterien werden die besten Renditen erzielt?
Doch welche Faktorprämien versprechen längerfristig die höchsten Renditen? HQ-Trust, das Multi-Family-Office der Industriellenfamilie Harald Quant, wollte es genau wissen und hat diverse Smart-Beta-Faktoren eingehend untersucht. Die Analyse konzentriert sich auf den S&P 500 Index und umfasste den Zeitraum zwischen 1997 und Ende 2003. Im Rahmen der Untersuchung wurde die Performance von zwölf verschiedenen Faktor-Strategien bewertet – mit aufschlussreichen Erkenntnissen.
Erfreulich ist, dass immerhin zehn der betrachteten Faktoren im Zeitablauf eine bessere Performance aufwiesen als der S&P 500 Index. Investitionen in Unternehmen, die eigene Aktien zurückkaufen, haben sich während des untersuchten Zeitraums als besonders lohnend erwiesen. Denn während der S&P 500 in den zurückliegenden 25 Jahren um über 500 Prozent zulegte, erzielte die Aktienrückkaufstrategie ein Plus von über 1.100 Prozent, was einer jährlichen Rendite von 12,5 Prozent entspricht.
Auf den Faktor kommt es an: Buyback vor Qualität, Dividenden, Growth und Momentum:
Aktienrückkäufe sind vor allem in Nordamerika ein weit verbreitetes Instrument. Sie reduzieren die Anzahl ausstehender Aktien, erhöhen den Gewinn pro verbleibender Aktie oder helfen, die Bilanzstruktur zu optimieren. Letztlich dienen sie der Kurspflege, denn viele Investoren interpretieren Aktienrückkäufe als Vertrauensbeweis des Managements in die Zukunft des eigenen Unternehmens.
Nach Berechnungen von Goldman Sachs haben US-Unternehmen im vergangenen Jahr Aktien im Wert von über 800 Milliarden US-Dollar zurückgekauft. Für 2024 rechnen die Experten mit einem Anstieg auf 840 Milliarden US-Dollar. Die beeindruckenden Summen dieser beiden Jahre könnten theoretisch ausreichen, um den gesamten Deutschen Aktienindex (Dax) vom Markt zu nehmen.
Weltweit stiegen die Aktienrückkäufe im vergangenen Jahr um 22 Prozent auf den Rekordwert von 1,3 Billionen US-Dollar und erreichten damit fast das Niveau der Dividendenzahlungen, wie aus dem Dividendenreport von Janus Henderson hervorgeht. „Der Anstieg der Aktienrückkäufe spiegelt die starke Gewinnentwicklung und einen hohen freien Cashflow sowie die Bereitschaft wider, die Aktionäre zu belohnen“, kommentiert Ben Lofthouse, Head of Global Equity Income bei Janus Henderson.
Vorteile von Aktienrückkäufen auf einen Blick
- Erhöhung des Aktienwerts: Durch den Rückkauf eigener Aktien kann das Unternehmen die verfügbaren Aktien reduzieren, was den Wert jeder verbleibenden Aktie steigern kann. Dies geschieht, indem der Gewinn auf weniger Aktien verteilt wird, was zu einem höheren Gewinn pro Aktie führt.
- Signal positiver Zukunftsaussichten: Unternehmen führen oft Aktienrückkäufe durch, wenn sie glauben, dass ihre Aktien unterbewertet sind. Dies kann ein positives Signal an die Investoren senden, dass das Management Vertrauen in die Zukunftsaussichten des Unternehmens hat.
- Flexibilität bei der Kapitalallokation: Durch Rückkäufe können Unternehmen überschüssige liquide Mittel effizient einsetzen, insbesondere wenn sie keine attraktiven Investitionsmöglichkeiten für Wachstum sehen oder wenn die Rückkäufe im Vergleich zu Dividenden steuerlich vorteilhafter sind.
- Steuerliche Flexibilität: Aktienrückkäufe bieten den Anlegern die Möglichkeit, den Zeitpunkt und die Höhe ihrer Kapitalgewinne selbst zu bestimmen. Sie können entscheiden, ob und wann sie ihre Aktien verkaufen möchten, um Kapitalgewinne zu realisieren, was eine gewisse steuerliche Flexibilität ermöglicht.
Nachteile von Aktienrückkäufen auf einen Blick
- Missbrauch: Einige Unternehmen könnten Aktienrückkäufe nutzen, um kurzfristige Aktienkursgewinne zu erzielen, anstatt langfristige Werte für die Aktionäre zu schaffen. Dies kann zu einer übermäßigen Verschuldung oder dazu führen, dass Unternehmen ihre finanziellen Ressourcen nicht für Investitionen in langfristiges Wachstum nutzen.
- Opportunitätskosten: Das Geld, das für Aktienrückkäufe ausgegeben wird, könnte auch für andere Zwecke verwendet werden, die langfristig mehr Wert für die Aktionäre schaffen könnten, wie die Investitionen in Forschung und Entwicklung, Übernahmen oder Schuldenabbau.
- Verwässerung der Aktionärsbasis: Aktienrückkäufe können zu einer Konzentration des Aktienbesitzes führen, da weniger Aktien im Umlauf sind. Dadurch halten die verbleibenden Aktionäre womöglich einen größeren Anteil am Unternehmen und es besteht die Gafahr, dass die Kontrolle über das Unternehmen in den Händen weniger Aktionäre liegt.
Apple und Alphabet an der Spitze: Die weltweit größten Aktienrückkäufer
Die weltweit größten Aktienrückkäufer sind derzeit Apple und Alphabet. Allein zwischen 2012 und 2022 kaufte der US-Technologiekonzern Apple Aktien im Wert von 488 Milliarden US-Dollar zurück. Grund dafür sind Apples hohe Cash-Bestände und damit verbundene Steueroptimierungen. Außerhalb der Technologiewelt haben zuletzt auch Ölkonzerne viel Geld in den Rückkauf eigener Aktien gesteckt.
Das größte Programm unter den Dax-Werten läuft derzeit bei Mercedes-Benz. Der Automobilhersteller hat im Zeitraum vom 10. Juli 2023 bis zum 14. Juli 2023 insgesamt 443.388 Aktien zurückgekauft. Insgesamt will der Automobilkonzern innerhalb von zwei Jahren 4 Milliarden Euro aufwenden.
USA oder weltweit: Einfaches Investment in Buyback-Unternehmen per ETF
- Asset-Schwerpunkt: Aktien USA
- Auflegung: 31.01.2018
- Fondsgesellschaft: Amundi
- ISIN: LU1681048127
- Maximal Drawdown seit Auflage: 42,32%
- Performance YTD: 7,67%
- Performance 1 Jahr: 14,10%
- Performance 3 Jahre: 43,53%
- Performance 5 Jahre: 81,75%
- Sharpe Ratio 5 Jahre: 0,62
- Volatilität 5 Jahre: 20,11%
- Volumen in Mio. EUR: 104
Anleger können über ETFs einfach auf Buyback-Unternehmen setzen. Allerdings ist die Auswahl mit insgesamt nur zwei börsengehandelten ETFs nicht sonderlich groß. Einer davon ist der Amundi S&P 500 Buyback ETF. Er kauft die 100 Aktien aus dem S&P 500, die in den vergangenen zwölf Monaten die höchste Rückkaufquote aufwiesen. Dabei gewichtet der ETF, der den S&P 500-Buyback-Strategy-Index nachbildet, einmal pro Quartal alle 100 Aktien gleich. Besonders stark vertreten sind Aktien aus den Sektoren Finanzen, zyklische Konsumgüter und Energie.
Die Top-Holdings im Amundi S&P 500 Buyback ETF
- Meta Platforms ist ein führendes Technologieunternehmen, das soziale Netzwerke und Dienste wie Facebook, Instagram und Whatsapp betreibt: 1,27 Prozent
- Lam Research ist ein Unternehmen, das Ausrüstung und Dienstleistungen für die Herstellung von Halbleitern und anderen elektronischen Bauelementen anbietet: 1,23 Prozent
- Broadcom ist ein führender Anbieter von Halbleiter- und Infrastrukturlösungen für eine breite Palette von Anwendungen in den Bereichen Datenzentren, Netzwerke, Telekommunikation und mehr: 1,22 Prozent
- KLA Corporation ist ein weltweit führender Anbieter von Prozesskontroll- und Qualitätsüberwachungslösungen für die Halbleiter- und verwandte Industrien: 1,21 Prozent
- Ralph Lauren ist ein weltbekanntes Modeunternehmen, das eine breite Palette von Bekleidungsartikeln, Accessoires und Lifestyle-Produkten im Luxussegment entwirft, herstellt und vertreibt: 1,21 Prozent
Der ETF, der den Index synthetisch nachbildet und dessen faktorbasierter Performanceansatz historisch gesehen vielversprechend ist, hat über drei Jahre rund 44 Prozent und über fünf Jahre 82 Prozent an Wert gewonnen. Seit Auflegung im Januar 2018 hat sich der Wert des Fonds nahezu verdoppelt. Die laufenden Kosten betragen 0,15 Prozent.
Globale Variante von Invesco
- Asset-Schwerpunkt: Aktien Welt
- Auflegung: 24.10.2014
- Fondsgesellschaft: Invesco Global AM
- ISIN: IE00BLSNMW37
- Maximal Drawdown seit Auflage: 39,18%
- Performance YTD: 5,23%
- Performance 1 Jahr: 13,52%
- Performance 3 Jahre: 28,40%
- Performance 5 Jahre: 70,55%
- Sharpe Ratio 5 Jahre: 0,65
- Volatilität 5 Jahre: 19,75%
- Volumen in Mio. EUR: 43
Wer lieber global anlegen möchte, kann zum Invesco Global Buyback Achievers ETF greifen. Der ETF bündelt mehr als 400 Aktien aus aller Welt. Dabei werden der Nasdaq International- und der Nasdaq US Buyback Achievers Index nachgebildet. Die Indizes bestehen aus Unternehmen, die während der vergangenen zwölf Monate die Anzahl ihrer umlaufenden Aktien um fünf Prozent oder mehr durch Rückkäufe reduziert haben. Mit rund 60 Prozent stammen die meisten Unternehmen aus den USA. Es folgt die Schweiz und Großbritannien mit jeweils knapp 7 Prozent.
Die Top-Holdings im Invesco Global Buyback Achievers ETF:
- Shell ist ein multinationales Energieunternehmen, das sich auf die Exploration, Produktion, Raffination und den Vertrieb von Öl, Gas und petrochemischen Produkten weltweit spezialisiert hat: 4,78 Prozent
- Novartis ist ein globales Pharmaunternehmen, das sich auf die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Arzneimitteln zur Behandlung verschiedener Krankheiten konzentriert, darunter Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Augenkrankheiten und neurologische Erkrankungen: 4,55 Prozent
- Comcast ist ein führender US-amerikanischer Medien- und Technologiekonzern, der in den Bereichen Kabelnetzwerke, Internet, Fernsehen, Filmproduktion und Telekommunikation tätig ist: 3,62 Prozent
- Amgen ist ein weltweit führendes Biotechnologieunternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von innovativen Therapien für schwerwiegende Krankheiten konzentriert, darunter Krebs, Entzündungen und Stoffwechselstörungen: 2,94 Prozent
- Conoco Phillips ist ein internationales Energieunternehmen, das sich auf die Exploration, Förderung, Produktion und Vermarktung von Öl und Gas konzentriert: 2,65 Prozent
Auf Sicht von fünf Jahren erzielte der globale Buyback-ETF von Invesco ein Plus von 70,55 Prozent. Seit Auflage im Oktober 2014 steht ein Wertzuwachs von 160 Prozent zu Buche. Im Gegensatz zu Amundi verwendet Invesco die Methode der vollständigen physischen Nachbildung der Indexabbildungsstrategie. Allerdings ist die Summe der laufenden Kosten mit 0,46 Prozent deutlich höher.

