"So viele Verkaufssignale wie zuletzt 2008"

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Viele fundamentale Gründe sprechen auf lange Sicht für steigende Aktien- und Rohstoffkurse. Doch kurzfristig stehen etliche Börsenampeln auf Rot. Egal ob Aktien- oder Rohstoffbörsen: Seit einigen Wochen sendet unser Risikomanagement Signale, aus zahlreichen Märkten auszusteigen, was in dieser Vehemenz letztmals 2008 der Fall war. Ob es zu einem Einbruch kommen wird, ist damit keineswegs gesagt. Klar ist aber, dass es sinnvoll ist, „das Pulver trocken zu halten“, um eine solche Situation möglichst unbeschadet zu überstehen.

Den Markt schlägt nur, wer die kräftigen Abwärtsphasen weitestgehend vermeidet und später mit dem bewahrten Kapital auf günstige Einkaufstour geht. Um die Vermögen unserer Klienten nach diesem Prinzip zu steuern, befolgen wir ohne Wenn und Aber die technischen Kauf- und Verkaufssignale, die das von uns genutzte Trendfolge-Verfahren liefert. Zum Ende des zweiten Quartals 2011 stellt sich die Lage so dar:

Aktienmärkte: Fast alle Börsen notieren unter den jeweils optimierten Gleitenden Durchschnitten, bei deren Über- beziehungsweise Unterschreiten Ein- oder Ausstiegssignale erfolgen. Die Spannbreite der betroffenen Indizes reicht von den Emerging Markets über die US-amerikanischen Indizes bis hin zu vielen europäischen Indizes. Die einzigen Ausnahmen unter den von uns beobachteten Indizes sind der DAX sowie der MDAX. Beide zeigen mit Kursen oberhalb der relevanten Gleitenden Durchschnitte weiterhin relative Stärke gegenüber den übrigen Märkten.

Rohstoffmärkte: Industriemetalle, Energieträger und Agrarrohstoffe haben in den ersten vier Monaten deutliche Wertsteigerungen erfahren. Doch im Mai kam es im CRB-Index, der verschiedene Rohstoffgruppen zusammenfasst, zu einem scharfen Einbruch, der sich seither fortsetzt und den Index unter seinen relevanten Gleitenden Durchschnitt sinken ließ. Der Kupferpreis, wegen der vielseitigen Verwendung des roten Metalls oft als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung genutzt, erreichte schon im Februar ein Hoch und hat seither bis zu 15 Prozent verloren. Lediglich bei Gold und Silber gab es bisher keine Stoppverletzungen.

Anleihemärkte: Ausgerechnet die „Todgeweihten“ – oder besser „Todgesagten“ – der Finanzmärkte zeigen sich recht robust. So kam es bei zehnjährigen deutschen und US-amerikanischen Staatsanleihen ebenso zu Kaufsignalen nach unseren optimierten Gleitenden Durchschnitten wie beim JPM Morgan Global Government Bond Index. Die steigenden Kurse der Staatsanleihen stehen in augenfälligem Kontrast zu der Tatsache, dass mit Pimco vor kurzem einer der weltgrößten Rentenfonds US-Staatsanleihen im Wert von mehreren Milliarden Dollar aus seinem Depot verbannt hat, weil die Fondsmanager zunehmende Inflation und fallende Anleihekurse befürchten.

Fazit: Die Lage an den Finanzmärkten ist derzeit sehr unübersichtlich. In einer solchen Phase kommt der Kapitalschutz klar vor der Jagd nach dem letzten Prozentpunkt Rendite. Risikomanagement ist daher aktuell das A und O für eine erfolgreiche Geldanlage. Zum Autor: Klaus Hinkel ist Vorstand der Vermögensverwaltung Artus Direct Invest AG, Düsseldorf, und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de.

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