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Kommentar zur neuen Aktienkultur So weit, so gut – aber jetzt unbedingt einen Tipp beherzigen

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Nur brauchen sie dafür nach wie vor Geduld und zuweilen gute Nerven. Und genau dort liegt das Problem. Schon Ende der 90er Jahre gab es mal so einen Aufschwung. Damals arbeitete ich noch bei der Dresdner Bank und eröffnete fast täglich neue Depots für neue Anleger. Selbst ernannte Experten sonderten im Radio (!) ihre Tipps ab und trieben die Neulinge in zu riskante, Hightech-lastige Fonds oder gar in den Neuen Markt. Der von 2000 bis 2003 dauernde Aktiencrash fegte sie alle wieder hinfort.

Das könnte auch heute passieren. Gibt es halbseidene Experten? Jede Menge. Wird ein Aktiencrash kommen? Auf jeden Fall. Und wann? Keine Ahnung. Aber es gibt Indizien dafür, dass es diesmal anders kommt. Ein großer Unterschied zu damals ist der, dass viele Anleger per Sparplan, also über regelmäßige Beträge kaufen. Es scheint so, als würden nicht irgendwelche irrationalen Gewinne, sondern die Suche nach einer vernünftigen Alternative zum Zins die Menschen an Aktien heranführen. Nicht die schlechteste Basis, um eine dauerhafte Aktienkultur zu entwickeln.

Dabei wird jedoch ein Reflex ganz besonders wichtig, den die Sparer hoffentlich verstanden haben. Wenn es an den Aktienmärkten mal wieder kracht, dann lautet die Frage nicht: „Stoppe ich meinen Sparplan?“, sondern: „Erhöhe ich meinen Sparplan?“ Denn genau das sind dann die Situationen, in denen man sich noch mal so richtig günstig eindecken kann. Mein Bekannter hatte es schon mal kurz vor der Finanzkrise 2008 mit einem Sparplan versucht, dann aber kurz nach dem Crash entnervt aufgegeben. Das ist der falsche Ansatz.

Hoffen wir, dass die neue Anlegergeneration mit einer ausreichenden Portion Ruhe und einem Plan in ihr neues Abenteuer geht. Sie wird beides brauchen. Denn dann, und nur dann, klappt’s auch mit dem Vermögensaufbau – und meinen Party-Gesprächen.

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