IKB-Volkswirt Klaus Bauknecht So wichtig ist die US-Wahl für die Wirtschaft

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Eine bedeutende wirtschaftspolitische Neuausrichtung, die die effektive Steuerquote entscheidend beeinflusst, ist historisch betrachtet unter keinem Präsidenten zu erkennen. Dies kann empirisch durch ein Modell belegt werden, bei dem die effektive Steuerquote als Funktion der Amtszeit einzelner US-Präsidenten sowie der Konjunktur erklärt wird. Schätzungen deuten darauf hin, dass das BIP-Wachstum in der Tat ein entscheidender Treiber der Steuerlast ist.

Ein höheres Wachstum führt zu einer höheren effektiven Steuerquote. Die Berücksichtigung der verschiedenen US-Präsidenten (seit Jimmy Carter im Jahr 1977) erweist sich hingegen als statistisch nicht signifikant. Dies bedeutet nicht, dass die jeweiligen Präsidenten keine Steuergesetze verabschiedet hätten. Auch unter Trump gab es eine Steuerreform. Allerdings hatten die Steuerreformen im Gegensatz zur Konjunktur keinen messbaren Einfluss auf die gesamte Steuerquote.

So ist keine strukturelle Veränderung der Steuerlast aufgrund eines Präsidentenwechsel während der letzten 25 Jahre zu erkennen. Es ist eher so, dass alle Präsidenten die Steuern in guten Konjunkturzeiten angehoben bzw. in schwachen Jahren gesenkt haben – unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Mit Blick auf seine durchschnittliche Steuerlast war es also für Joe Average stets egal, wer im Weißen Haus sitzt.

Bei einer Erholung der US-Wirtschaft in den kommenden beiden Jahren ist sicherlich von einem erneuten Anstieg der Steuerquote auszugehen, nachdem diese im Jahr 2020 doch deutlich gesunken ist. Dies würde auch ohne die angestrebte Steuererhöhung von Biden für Einkommen über 400.000 US-Dollar pro Jahr der Fall sein. Dies würde auch ohne die geplante Steuererhöhung von Biden für Einkommen über 400.000 US-Dollar pro Jahr der Fall sein.

Wahlausgang für untere Einkommensschichten bedeutungslos

Die Steuerquote ist relativ stabil – jedoch nicht die Einkommensverteilung und vor allem das Einkommenswachstum der unteren Einkommensschichten. Schon seit Jahren wird von steigender Ungleichheit in der Einkommensverteilung berichtet. Auch diese Entwicklung scheint sich unter demokratischen Präsidenten – trotz ihrer Wahlversprechen – nicht nennenswert umgekehrt zu haben.

So steigt die Quote der Essenmarkenempfänger in den USA schon seit längerem stetig an. Es gibt also immer mehr Personen, deren Einkommen nicht zum Leben ausreicht. Das wurde häufig auf die Deregulierung Anfang der 80er Jahre und einen schrumpfenden Einfluss der Gewerkschaften in Folge von Reaganomics zurückgeführt. Doch unter Reagan ist die Quote tatsächlich eher gesunken als gestiegen.

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