Jeder 4. schläft zu Hause So will Karl Lauterbach Krankenhaus-Schließungen verhindern
„Betten auf Intensivstationen müssen gesperrt werden, Notaufnahmen werden zeitweise geschlossen, Kinderkliniken sind chronisch überlastet“, so drastisch schildert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) aus Berlin die Situation der stationären Krankenversorgung hierzulande. Ende August forderte die DKG in einer Petition die Bundesregierung auf, die Kliniken finanziell zu unterstützen. Denn nach Angaben der Gesellschaft machen rund 60 Prozent aller Krankenhäuser bereits Verluste, knapp 40 Prozent der Kliniken stehen sogar kurz vor der Insolvenz.
Neben corona-pandemiebedingten Verlusten und den bereits seit Jahren bestehenden strukturellen Problemen macht momentan auch die hohe Inflation und die massiv gestiegenen Energiekosten den Kliniken zu schaffen. Das sieht auch der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ein. In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ warnt er davor, dass in einigen Regionen Kliniken schließen müssen. Man müsse „schnell und auch wirklich drastisch reagieren“, so der SPD-Politiker.
Nun weiß er auch wie. Der Minister und die von ihm eingesetzte „Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ wollen Patienten, bei denen es möglich ist, nach OPs und anderen Behandlungen über Nacht nach Hause schicken. Sollte die Behandlung länger als einen Tag dauern, könne sie am nächsten Tag fortgesetzt werden. Die Pflegekräfte, deren Nachtschichten wegfallen, könne man an anderer Stelle effektiver einsetzen, so die Argumentation. Außerdem würde die Reduzierung der Nacht- und Wochenendschichten den Pflegeberuf attraktiver machen.
Darüber hinaus sieht das „Krankenhauspflegeentlastungsgesetz“ vor, den Personalbedarf bei einer repräsentativen Zahl von Krankenhäusern zu erfassen. Auf dieser Grundlage will das Ministerium Rechtsverordnungen mit Vorgaben zu Personalschlüsseln ausarbeiten.
Jeder 4. Patient übernachtet zu Hause
Es gebe in Deutschland viel zu viele Betten und viel zu viele stationäre Behandlungen, sagt Lauterbach. Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege gebe es keine Kapazitäten mehr, um dieses ineffiziente System zu bedienen. Tom Bschor, ein Berliner Facharzt für Psychiatrie und Koordinator der Regierungskommission Krankenhausversorgung, will „bis zu 25 Prozent“ – also jeden vierten – Patienten, der bislang vollstationär versorgt wurde, über Nacht nach Hause schicken.
Krankenhäusern sollen bereits ab dem 1. Januar 2023 sämtliche bislang vollstationär erbrachten Behandlungen als Tagesbehandlungen durchführen dürfen – soweit das medizinisch vertretbar ist, berichtet das Ärzteblatt. Allerdings müssen die Kliniken dafür die Zustimmung des Patienten einholen.


