Sven Stoll

Investmentausblick der Profis So wird das Börsenjahr 2023

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ARTIKEL-INHALT
Seite 1 - Wie wird das Börsenjahr 2023? Seite 2 - Felix Schleicher: „Schwellenländer könnten vor einer Wiederentdeckung stehen.“ Seite 3 - Alex Rauchenstein: „In unseren Augen muss man sich nicht beeilen, bei den Tech-Schwergewichten einzusteigen.“ Seite 4 - Guido Hoheisel und Christian Müller: „Aufholpotenzial sehen wir bei den stark gebeutelten Nebenwerten.“ Seite 5 - Gottfried Urban: „Das Wort des Jahres „Zeitenwende“ passt wahrscheinlich für das ganze Jahrzehnt.“
Seite 6 - Volker Schilling: „Technologieaktien werden im kommenden Jahrzehnt eher unterdurchschnittlich abschneiden.“
Seite 7 - Heiko Böhmer: „Investoren sollten in das neue Jahr mit einem ausreichenden Sicherheitspolster in Form von Cash starten.“

Volker Schilling: „Technologieaktien werden im kommenden Jahrzehnt eher unterdurchschnittlich abschneiden.“

Volker Schilling ist Gründer und Mitglied des Vorstandes der Greiff capital management AG und Fondsmanager des Zukunftsfonds. Gegründet wurde Der Zukunftsfonds von Kai Diekmann, Ex-Chefredakteur und früherer Herausgeber der Bild-Zeitung, sowie dem Finanzmanager Leonhard Fischer. Er richtet sich in erster Linie an Anleger, die eine sicherheitsorientierte Alternative zum Sparbuch suchen. Die Zielsetzung ist eine konservative Rendite im einstelligen Bereich. In den vergangenen drei Jahren konnte der Fonds diesem Anspruch mit einem durchschnittlichen Plus von knapp 3 Prozent pro Jahr gerecht werden.

Schillings Credo: Moderne Mischfonds müssen mehr als nur zwei Assetklassen beinhalten. Deshalb berücksichtigt er im Zukunftsfonds neben Aktien und Anleihen auch Edelmetalle oder alternative Investments wie Kryptowährungen und Rohstoffe. Zudem kann der Experte Derivategeschäfte tätigen, um Vermögenspositionen abzusichern oder höhere Wertzuwächse zu erzielen. Zu den größten Positionen zählen aktuell Xetra-Gold und Bundesschatzanweisungen.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

DAS INVESTMENT: Das Börsenjahr 2022 war von Unsicherheit und hohen Schwankungen geprägt. Wie sind Sie als Fondsmanager durch diese schwierige Zeit gekommen? 

Volker Schilling: Das erste Halbjahr mit Ausbruch des Krieges und der Rückkehr von hoher Inflation konnten wir sehr gut meistern. Insbesondere den Zinsanstieg haben wir perfekt antizipiert und konnten daher unsere Anleger vor Verlusten bewahren. Der von mir verantwortete Zukunftsfonds erreichte sogar im April ein neues Allzeithoch. Das zweite Halbjahr dagegen war wenig ertragreich, da Marktkorrekturen und Marktanstiege schnell wechselten. Eine klare Richtung war schwer erkennbar. Vorsicht war daher das Gebot der Stunde. Insgesamt bin ich mit dem kleinen Minus von 2,9 Prozent (Stand 14.12.2022) in einem derart schwierigen Jahr zufrieden, wenn auch nicht glücklich.

Welche Investments liefen in diesem Jahr besonders gut, wo haben sie daneben gelegen? 

Schilling: Besonders gut haben wir den Zinsanstieg gemeistert. Durch eine Anlage in den Bund Future Short konnten wir am Kursrückgang im Future von 175 bis 150 profitieren und so gegen den Trend am Anleihemarkt Geld verdienen. Richtig waren auch unsere Investitionen in Energie und Rohstoffaktien. Daneben lagen wir mit unserer kleinen Beimischung an Kryptowährungen und beim Kauf der Crédit Suisse Aktie.

Worüber haben sie sich im Jahr 2022 am meisten geärgert?

Schilling: Am meisten habe ich mich darüber geärgert, dass wir unsere Position auf den Bund Future Short zu früh aufgelöst haben. Der Kurs fiel noch bis auf unter 135. Unsere Einschätzung war richtig, es fehlte mir aber der Mut die Position mit derart großen Gewinnen weiter zu halten. Auch die schwache Entwicklung des Goldpreises in Zeiten hoher Inflation war zumindest enttäuschend.

Die Quartalsberichte, gerade einiger Tech-Schwergewichte, haben enttäuscht und die Aktien in den Renditekeller geschickt. Sind die Bewertungen nun wieder auf einem normalen Niveau angekommen oder sehen Sie hier weiteres Abwärtspotenzial?

Volker Schilling
Volker Schilling © Greiff Capital Management

Schilling: In Zeiten von Nullzinsen können sich Bewertungen weit ausdehnen. Insbesondere dann, wenn Gewinne weit in der Zukunft liegen. Wir haben ein Jahrzehnt der Wachstumsaktien hinter uns, die genau das erfahren haben. Das kommende Jahrzehnt wird im Schnitt höhere Inflationsraten haben und mehr Zinsen bieten. Technologieaktien sind daher aus meiner Sicht nur mehr eine Beimischung, denn sie werden im kommenden Jahrzehnt eher unterdurchschnittlich performen.

Worauf müssen Anleger im kommenden Jahr achten? Wie ist ihr Ausblick?

Schilling: Anlegen ist wie Weihnachtsplätzchen backen: Isst man die Zutaten einzeln, so schmeckt es ziemlich scheußlich. In der richtigen Mischung aber ergeben Sie ein wunderbares Gebäck. Dabei muss es eben auch kurz heiß hergehen, sonst wird es nichts. Das gleiche gilt für jeden Anleger: Gute Zutaten ins Depot, in der richtigen Mischung, dass es zu einem passt und Geduld und Disziplin bis es so weit ist. Dazwischen auch mal ein etwas heißes Umfeld und am Ende wird´s was. Mein Tipp: Geben Sie nichts auf Jahresausblicke, die Marktauguren irren regelmäßig. Was im kommenden Jahr passiert, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist das Sie regelmäßig in großartige Unternehmen oder Fonds investieren. 

 

 

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