Sven Stoll

Investmentausblick der Profis So wird das Börsenjahr 2023

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ARTIKEL-INHALT
Seite 1 - Wie wird das Börsenjahr 2023? Seite 2 - Felix Schleicher: „Schwellenländer könnten vor einer Wiederentdeckung stehen.“ Seite 3 - Alex Rauchenstein: „In unseren Augen muss man sich nicht beeilen, bei den Tech-Schwergewichten einzusteigen.“ Seite 4 - Guido Hoheisel und Christian Müller: „Aufholpotenzial sehen wir bei den stark gebeutelten Nebenwerten.“ Seite 5 - Gottfried Urban: „Das Wort des Jahres „Zeitenwende“ passt wahrscheinlich für das ganze Jahrzehnt.“ Seite 6 - Volker Schilling: „Technologieaktien werden im kommenden Jahrzehnt eher unterdurchschnittlich abschneiden.“
Seite 7 - Heiko Böhmer: „Investoren sollten in das neue Jahr mit einem ausreichenden Sicherheitspolster in Form von Cash starten.“

Heiko Böhmer: „Investoren sollten in das neue Jahr hinein mit einem ausreichenden Sicherheitspolster in Form von Cash starten.“

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Heiko Böhmer verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung an den Finanzmärkten. Als Kapitalmarktstratege bei Shareholder Value Management zeigt er, wie wirtschaftliche Entwicklungen und Anlagetrends zusammenhängen. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Analyse von Einzeltiteln und den Aktienstrategien der Frankfurter Fondsboutique. Bevor Heiko Böhmer Anfang 2020 zu Shareholder Value Management kam, war er über 15 Jahre als Finanzredakteur für zahlreiche Publikationen im Börsenbereich tätig und hat seit 2019 den erfolgreichen YouTube-Kanal „Du kannst Börse“ mit aufgebaut. Zudem ist er regelmäßiger Gast auf den Messebühnen in der DACH-Region und im TV zum Thema Finanzen. Das Flaggschiff von Shareholder Value Management ist der über eine Milliarde große Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen.

DAS INVESTMENT: Das Börsenjahr 2022 war von Unsicherheit und hohen Schwankungen geprägt. Wie sind Sie als Fondsmanager durch diese schwierige Zeit gekommen? 

Heiko Böhmer: Im gesamten Jahresverlauf haben wir die Aktienquote im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen stetig angepasst. Wir können die Aktienquote von mindestens 40 Prozent über eine neutrale Ausrichtung von 80 Prozent bis zu einer maximalen Quote von theoretisch 100 Prozent steuern. Mit dieser Strategie konnten wir gerade die Schwächephasen besser als der Gesamtmarkt überstehen.

Welche Investments liefen in diesem Jahr besonders gut, wo haben sie daneben gelegen? 

Böhmer: Das Jahr war für nachhaltige Stockpicker besonders herausfordernd, denn außer den für uns aus Nachhaltigkeits-Grundsätzen nicht investierbaren Energiewerten aus dem Ölsektor sind alle anderen Sektoren an den Börsen abgerutscht. Mit Montauk Renewables haben wir aber einen Wert aus dem Bereich der alternativen Energieerzeugung, hier in Form von Biogas, der zwischenzeitlich durch eine Übernahmefantasie die mit Abstand größte Position im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen war. Mit der PNE AG, einem deutschen Windpark-Projektierer mit Sitz in Cuxhaven, haben wir in unserem defensiveren Mandat, dem Frankfurter Stiftungsfonds, auch eine sehr erfreuliche Performance erzielen können.

Worüber haben sie sich im Jahr 2022 am meisten geärgert?

Böhmer: Ganz ehrlich: Ärgern ist eine unpassende Kategorie an der Börse – zumindest für professionelle Investoren. Diesen Faktor wollen wir ausblenden. Aber es ist tatsächlich nicht alles rund gelaufen. Beispiel Netflix: Hier sind wir nach einem ersten Absturz zu früh eingestiegen, denn danach gab es noch eine weitere deutliche Korrektur. Doch mittlerweile hat der Streaming-Anbieter schon fast wieder das Ausgangsniveau erreicht. Daran sieht man dann auch: Unser Investment-Case hat hier gestimmt.

Die Quartalsberichte, gerade einiger Tech-Schwergewichte, haben enttäuscht und die Aktien in den Renditekeller geschickt. Sind die Bewertungen nun wieder auf einem normalen Niveau angekommen oder sehen Sie hier weiteres Abwärtspotenzial?

Heiko Böhmer
Heiko Böhmer © Shareholder Value Management

Böhmer: Aus der massiven Übertreibung heraus haben sich die Bewertungen auch bei den Tech-Schwergewichten wieder den historischen Durchschnitten angenähert. Bei der für uns maßgeblichen Zeitspanne von fünf Jahren sehen etliche der großen Werte wie Amazon oder auch unser langjähriger Wert Alphabet wieder attraktiv aus. Wir fühlen uns mit diesen Positionen auch in der aktuellen defensiven Ausrichtung wohl. Bei Zeichen einer klaren Trendwende werden wir möglicherweise aber weiter aufstocken.

Worauf müssen Anleger im kommenden Jahr achten? Wie ist ihr Ausblick?

Das Jahr 2023 wird weiter herausfordernd bleiben. Erste Experten hatten jüngst schon den Beginn eines neuen Bullenmarktes ausgerufen. Das sehen wir nicht so, denn der Bärenmarkt ist unserer Einschätzung nach noch nicht vorbei. Zu viele Stimmungsindikatoren und technische Signale sprechen dafür, dass wir mindestens noch einmal die bisherigen Tiefstände zumindest testen oder sogar noch nach unten durchbrechen werden. Insofern sollten Investoren in das neue Jahr hinein mit einem ausreichenden Sicherheitspolster in Form von Cash starten.

 

 

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