Svetlana Kerschner (Redakteurin)

5 Versicherer, 4 Fragen zur Cyberversicherung „So wollen wir Prämienerhöhungen entgegenwirken“

Axa: „Steigende Prämien nicht ausgeschlossen"

Axa: „Steigende Prämien nicht ausgeschlossen
Sabine Träumer, Leiterin Cyberversicherung für Industriekunden bei Axa in Deutschland | Foto: Axa

Unsere Fragen beantwortet Sabine Träumer, Leiterin Cyberversicherung für Industriekunden bei Axa in Deutschland

DAS INVESTMENT: Wie hat die pandemiebedingt gestiegene Häufigkeit der Hacker-Angriffe die Schadenshäufigkeit und -höhe bei Cyber-Policen beeinflusst?
 
Sabine Träumer: Um Aussagen zu einer etwaigen höheren Schadenhäufigkeit durch vermehrtes Home-Office in Zeiten der Corona-Pandemie zu machen, ist es aus unserer Sicht zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh. Was wir aber sagen können ist, dass tatsächlich die Anzahl von Vorfällen mit starken finanziellen Folgen zugenommen hat.
 
Welchen Einfluss hatte das auf die Nachfrage nach Cyber-Versicherungen in Ihrem Haus?
 
Träumer: Auch wir bemerken ein erhöhtes Interesse und damit einhergehend auch Wachstum im Cyberversicherungsgeschäft. Dabei greift die Regel: je größer das Unternehmen und dessen Umsatz ist, desto stärker ist auch das Interesse an der Cyberversicherung.
 
Werden Sie die Prämien für Cyber-Policen kurz- bis mittelfristig erhöhen?
 
Träumer: Wir orientieren unsere Preise an den Risiko-Umständen und dem individuellen Schutzbedürfnis der Kunden – sprich, der Unternehmen. Aufgrund der zurzeit sehr dynamischen Schaden- und Marktentwicklung können dabei steigende Prämien nicht ausgeschlossen werden.
 
Welche Maßnahmen zur Vermeidung von Hacker-Angriffen bieten Sie Ihren Cyberversicherungs-Kunden an?

Träumer: Wir bieten unseren Kunden die Installation eines sogenannten „Security Operations Center“, kurz SOC. Das SOC übernimmt die aktive Überwachung und Analyse aller integrierten Systeme, erkennt IT-Schwachstellen, alarmiert bei Bedrohungen und berichtet unverzüglich an die IT-Verantwortlichen. Wir bieten außerdem Awareness-Portale für die Mitarbeitenden unserer Kunden, um im Unternehmen ein erhöhtes Bewusstsein für Cyberrisiken voranzutreiben. Wir Versicherer können somit auch beim Aufbau der notwendigen Ressourcen unterstützen, indem wir die „First Line of Defence“ ausrüsten.

Anfang Juli startete eine Hacker-Gruppe eine weltweite Cyberattacke und forderte 70 Millionen US-Dollar Lösegeld. Auch einige Tausend Computer bei mehreren deutschen Unternehmen waren betroffen. Am Wochenende legte eine Cyberattacke das IT-System des Versicherers Haftpflichtkasse lahm.

Als Grund für die steigende Häufigkeit solcher Angriffe sehen Experten die Corona-Pandemie und die damit verbundene Verlagerung der Arbeit vom Büro ins Homeoffice. Denn viele Mitarbeiter nutzen ihre privaten Geräte, die oftmals schlecht gegen Cyber-Angriffe geschützt sind, und greifen damit auf das Firmennetzwerk zu. Damit haben Kriminelle ein leichtes Spiel.

Wie hat diese Entwicklung die Schadenshäufigkeit und -höhe bei Cyber-Policen beeinflusst? Wie wirkt sich das auf die Nachfrage nach Cyber-Policen aus? Drohen bald spürbare Prämienerhöhungen? Und was unternehmen Versicherer, um die Gefahr zu bahnen? Diese vier Fragen haben wir Cyberversicherungs-Profis von fünf Versicherungsgesellschaften gestellt. Hier die Antworten.

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