bei Franklin Equity Group
Unternehmenssoftware erlebt derzeit den bedeutendsten Umbruch seit einer Generation. Künstliche Intelligenz führt zu einer Umverteilung von Werten innerhalb der Softwarebranche – sie schafft klare Gewinner und deckt Schwachstellen in Geschäftsmodellen auf, die in den letzten zwei Jahrzehnten gut funktioniert haben. Wir gehen davon aus, dass Anleger, die Software als einheitliche Anlageklasse betrachten, kostspielige Fehler begehen werden.
Was sich durch KI verändert hat
1. Die Kosten für die Softwareentwicklung sind drastisch gesunken. KI-Programmierwerkzeuge arbeiten mittlerweile auf dem Niveau der besten menschlichen Programmierer, was bedeutet, dass mehr Software als je zuvor entwickelt und eingesetzt wird.
2. KI automatisiert Wissensarbeit in großem Maßstab. Unternehmen können damit mit weniger Personal mehr erreichen, was Softwarefirmen unter Druck setzt, deren Umsatz vom stetigen Wachstum der Nutzerlizenzen abhängt.
3. Das „Software-as-a-Service“-Modell bröckelt. Die Branche spaltet sich in unterschiedliche Segmente, und die vergangene Berichtssaison hat diese Spaltung noch deutlicher gemacht.
Auswirkungen auf die Branche
- Etablierte Anbieter von lizenzbasierter Software, die ihre Geschäftsmodelle noch nicht angepasst haben, könnten unter zunehmenden Druck geraten.
- Unternehmen, die von einer KI-getriebenen Nutzungsausweitung – Infrastruktur, Sicherheit, Orchestrierung – sowie von Systemen profitieren, die tief in Unternehmensabläufe eingebettet sind, werden besser aufgestellt sein.
- Die Analyse erfordert einen strukturierten Rahmen: Preissetzungsmacht, Stabilität der Bruttomarge, nutzungsbasierte Monetarisierung und Belege dafür, dass KI das Geschäft beschleunigt.
Zwei Umwälzungen verändern den Softwaremarkt
Zwei voneinander getrennte, aber miteinander verbundene Kräfte wirken auf den Bereich der Unternehmenssoftware. Die erste ist der drastische Rückgang der Kosten für die Softwareentwicklung. Seit 2022 hat sich KI von einer Neuheit zu einem vollwertigen technischen Partner entwickelt. Bis Ende 2025 hatten führende KI-Codierungstools fast die Leistung erfahrener menschlicher Entwickler erreicht und verbessern sich weiterhin. Die Folge ist klar: Die Menge an Software, die weltweit entwickelt und genutzt wird, dürfte stark wachsen. Die Hürde für die Entwicklung ist praktisch gefallen, was Investoren im Bereich Unternehmenssoftware dazu zwingt, die Arbeitsweise dieser Unternehmen neu zu bewerten.
Die zweite Umwälzung ist weitreichender. Dieselben KI-Systeme, die Code schreiben, können nun Dokumente entwerfen, Forschungsergebnisse zusammenfassen, Arbeitsabläufe verwalten und komplexe Analysen automatisieren sowie andere eigenständige Wissensarbeiten ausführen. Unternehmen erkennen, dass KI nicht nur Entwickler produktiver macht, sondern ganze Organisationen schlanker gestalten kann. Diese Erkenntnis wirft für viele Softwareanbieter eine unangenehme Frage auf: Wenn KI die Arbeit erledigen kann, wie viele menschliche Software-Arbeitsplätze benötigt ein Unternehmenskunde dann noch?
Diese Entwicklungen verdrängen Software nicht, sondern verändern, wo künftig Wert entsteht.
