Peter Heidecker

Peter Heidecker

Solarfonds: „Vorsicht vor Last-Minute-Angeboten“

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DAS INVESTMENT.com: Hat es Sie kalt erwischt, dass der Bundesumweltminister die Einspeisevergütung für Solarfonds ab Juli um 25 Prozent kappen will? Peter Heidecker: Nicht die Tatsache als solche, wohl aber die Größenordnung. Ein gewisses politisches Rumoren gab es bereits im Vorfeld und kurz nach der Bundestagswahl. Zudem meinen manche Politiker, dass die Landschaft durch Solaranlagen verschandelt würde. Doch wenn jetzt im Raum steht, mal eben ein Viertel der Vergütung für Freilandanlagen zu kappen, kann man darüber nur den Kopf schütteln. Erst päppelt man die Solarbranche auf, dann killt man sie - wo ist da das politische Konzept? DAS INVESTMENT.com: Könnte der Röttgen-Vorstoß nicht auch damit zusammenhängen, dass sich die Stromkosten durch die Förderung der Erneuerbaren Energien erhöht haben? Heidecker: Der Aufschlag für den geförderten Strom liegt pro Kilowattstunde bei rund 2 Cent. Wenn man sich dagegen anschaut, welche Menge an Energie von Stromkunden allein durch Standby-Schaltungen ungenutzt verblasen wird, ist das eher ein Witz. Blenden wir dann noch mit ein, dass für die Bergung der Atommüllfässer aus dem maroden Lager Asse der Steuerzahler aktuell bis zu 3 Milliarden Euro berappen soll, dann gehen einem irgendwann die Argumente aus, warum der Solarstrom zu teuer sein sollte. DAS INVESTMENT.com: Was raten Sie Vertrieben und Anlegern jetzt? Heidecker: Ich wäre an ihrer Stelle äußerst vorsichtig mit Angeboten, die bis zum 30. Juni alles unter Dach und Fach bringen müssen. Und es ist absehbar, dass einige Initiatoren noch schnell auf den fahrenden Zug springen werden, bei denen nicht sichergestellt ist, ob sie genügend Erfahrung mit der Solarfonds-Materie mitbringen. Man sollte also die Fonds intensiv checken und sich in Ruhe die Alternativen anschauen. Durch den abzusehenden Hype, den wir erleben werden, sind Probleme programmiert. Schon heute ist es so, dass die Vertriebsnachfrage größer ist als das, was in Qualität geliefert werden kann. Um es drastisch auszudrücken: Es drohen Verhältnisse wie vor einem Jahr in Spanien, wo durch ganz ähnliche Torschlusspanik bei den Solarprojekten in technischer und juristischer Hinsicht Schindluder getrieben wurde. DAS INVESTMENT.com: Neben Ihrem neuen Italien-Fonds, mit dem sie aktuell gestartet sind, hatten auch Sie einen Deutschland-Fonds geplant, den sie aber angesichts der politischen Entwicklung auf Eis gelegt haben. Was heißt das für Ihre weiteres Vorgehen? Heidecker: Wir hatten in unserem Prospekt für den Cleantech Solar 4, der in Deutschland investieren sollte, eine fünf- bis zehnprozentige Vertragsstrafe für den Fall vorgesehen, dass der Generalübernehmer aus irgendeinem Grund die Inbetriebnahme nicht bis zum 30. Juni bewerkstelligt. Jetzt werden wir die Verträge nachjustieren und den Gegebenheiten anpassen. Sollte dies dazu führen, dass sich der Fonds nicht mehr rechnet, werden wir uns von ihm verabschieden. Es gab ein kleines Zeitfenster für wirtschaftlich tragfähige Solarfondsprojekte in Deutschland, dies hat sich abrupt wieder geschlossen. Und deswegen konzentrieren wir uns derzeit wieder auf die sonnenreichen Länder in Europa und hier mit unserem aktuellen in die Platzierung gegangenen Chorus Cleantech 3 auf  Italien. DAS INVESTMENT.com: In Italien gilt die aktuelle Höhe der Einspeisevergütung bis zum Ende dieses Jahres. Könnte auch dort zuvor ein politisches Bremsmanöver drohen? Heidecker: Nein, das Risiko dafür dürfte bei null Prozent liegen. Während das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz kein Laufzeitende, wohl aber jährlich reduzierte Vergütungen vorsieht, ist das italienische Recht auf den konkreten Auslaufzeitpunkt 31. Dezember 2010 bezogen. Für die danach geltende Vergütung wird bereits verhandelt, die Vergütung soll dann um rund 15 Prozent auf etwa 30 Cent pro Kilowattstunde sinken. Die Kürzung gilt allerdings nur für Anlagen, die ab dem 1. Januar 2011 in Betrieb genommen werden. Da unsere Anlagen vorher ans Netz gehen werden, gilt für uns die 20 Jahre laufende Garantie für die höhere Vergütung. DAS INVESTMENT.com: Und in Apulien, Sizilien oder Kalabrien dürfte der Vorbehalt gegenüber Photovoltaik-Anlagen als Landschaftsverschandelung wohl nicht ganz so groß sein. Heidecker: Das stimmt, eine Diskussion über die Zerstörung von Ackerflächen müssen wir vor Ort nicht führen. Allzu viele Äcker gibt es da nämlich gar nicht, sondern in erster Linie karges, ungenutztes Land. Die Kommunen in Süditalien wollen die Solaranlagen, wir schaffen Arbeitsplätze und helfen, den Strombedarf zu decken. Prüfungs- und Genehmigungsverfahren für Photovoltailanlgen sind heute auch in Süditalien überhaupt kein großes Problem mehr, diesbezüglich ist vieles einfacher geworden. Auch in technischer Hinsicht und in Bezug auf Fachpersonal für die Errichtung von Solaranlagen ist man dort mittlerweile State of the Art. Ein weiterer Aspekt ist bei Auslandsprojekten übrigens interessant: Finanzierungen können auch günstig über die KfW erfolgen, da wir hiesige Technik exportieren. DAS INVESTMENT.com: Haben Sie feste Verträge, die die Erstellung und den Betrieb der Anlagen absichern? Heidecker: Ja. Wir verfügen über einen Rahmenvertrag mit der Gildemeister-Tochter a+f, die uns neun Ein-Megawatt-Anlagen in der Region Foggia in Apulien liefert. Erst wenn die Anlagen gebaut und am Netz sind, kauft unser Fonds die Betriebsgesellschaft. Dazu haben wir eines Full-Service-Betriebsführungsvertrag und die Performancegarantie eines deutschen Großkonzerns. Mehr Sicherheit geht wohl nicht. DAS INVESTMENT: Wieso erwerben Sie die Flächen nicht, wie es andere Emissionshäuser tun? Heidecker: Gegenfrage – worin sollte der Vorteil liegen, Landbesitzer in Süditalien zu werden? Das verkompliziert den Fonds nur. DAS INVESTMENT.com: Wie viele der in Süditalien derzeit zur Genehmigung vorgelegten Projekte werden bewilligt? Heidecker: Maximal 20 Prozent. Das liegt daran, dass eine ganze Reihe weniger professionelle Marktteilnehmer dort operieren, deren Anträge gar keine Aussicht auf Genehmigung haben. Wir sind seit 2005 im Solarfondsgeschäft, sondieren den italienischen Markt seit Anfang 2008 und haben dabei eine Menge gelernt und Know-how aufgebaut. Man darf nicht die Erfahrungen, die man in Deutschland gesammelt hat, einfach so auf den süditalienischen Markt übertragen. Zum guten Teil ist der Solarfondsmarkt eben lokales Business … DAS INVESTMENT.com: …was bei Projekten in Süditalien mit einem gewissen Mafia-Beigeschmack behaftet ist. Heidecker: Das Thema ist eigentlich durch. Mittlerweile dürfte sattsam bekannt sein, dass die Mafia keine Rolle bei unseren Projekten spielt. DAS INVESTMENT.com: Sie prognostizieren für Anleger eine Rendite von rund 9 Prozent jährlich – nach Steuern. Das erscheint im Vergleich zu Projekten in Deutschland ganz schön sportlich. Heidecker: Das finde ich ganz und gar nicht. Wir haben eher konservativ auf Grundlage der gegeben Garantien kalkuliert, auch bürden wir den Anlegern keine hohen Projektentwicklungskosten auf. Bei unserem Konzept ist also eher noch Luft nach oben, was nicht nur an der höheren Vergütung in Italien und der höheren Sonneneinstrahlung liegt. Hinzu kommt wie gesagt die gute Planbarkeit der Erträge: Die Ist-Ergebnisse überschreiten regelmäßig die Gutachten-Werte zur Energieerzeugung aus Photovoltaik. DAS INVESTMENT.com: Bei den Windkraftfonds war das seinerzeit anders. Heidecker: Ja, das lag aber daran, dass die Windräder sich nicht bei jedem Wind drehen und damit Strom produzieren können. Bei Windgeschwindigkeiten unter 3 Metern in der Sekunde laufen die Turbinen erst gar nicht an, bei über 9 Metern in der Sekunde erfolgt die Zwangsabschaltung, um das Material zu schonen. Im Solarbereich gibt es dieses Problem nicht, die Sonnenstrahlung kann linear genutzt werden. Wir haben also hier eine Situation, die wir sonst nirgendwo bei geschlossenen Fonds vorfinden: Prognostizierbare Vergütungssätze, eine hohe kontinuierliche Strahlungsintensität in südlichen Regionen, politisch gewollte Förderung und praktisch kein Verschleiß bei den Bauteilen. DAS INVESTMENT.com: Portugal bietet 60 Cent Einspeisevergütung für Öko-Strom. Warum engagieren Sie sich dort nicht? Heidecker: Wir haben uns Portugal angeschaut, sind aber über erste Gespräche nicht hinausgekommen. Die Verhältnisse waren vor Ort nicht so, dass wir ernsthaft ein Fondsprojekt in Erwägung gezogen haben. DAS INVESTMENT.com: Was halten Sie von den neuen Solar-Destinationen Frankreich, Griechenland und USA? Heidecker: Die derzeitigen politischen Verhältnisse in Griechenland und die Möglichkeit, dass das Land aus dem Euroraum ausschert, bringen einen nicht gerade dazu, gute Perspektiven für Solarfondsanleger in Aussicht stellen zu können. In Frankreich sondieren wir aber, ebenfalls in den USA. Frankreich hat zwar gerade die Vergütungen leicht reduziert, hat aber schlauerweise einen Nord-Süd-Faktor eingeführt. Das heißt, dass Solaranlagen im Norden Frankreichs, die weniger Strahlungsausbeute haben, eine höhere Vergütung bekommen. In den USA gibt es noch keinen flächendeckenden Einspeisetarif, in einzelnen Staaten ist das aber anders. Und durch den Druck, den Präsident Obama macht, könnten die USA ab dem  Jahr 2011 für deutsche Solarfonds ein echtes Thema werden.

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