Komplexe Finanzprodukt sind und sollten nicht <br> jedermanns Sache sein, Quelle: Fotolia

Komplexe Finanzprodukt sind und sollten nicht
jedermanns Sache sein, Quelle: Fotolia

Sollten Privatanleger in ETFs investieren?

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Die ständig steigende Anzahl an Produkten ist ein Phänomen, das nicht nur die Anbieter von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) betrifft. Auch bei den aktiv gemanagten Investmentfonds und den Zertifikaten wird die Produktpalette immer breiter. Der Unterschied zwischen ETFs und anderen Produkten liegt allerdings darin, dass die Kreativität der ETF-Anbieter von vielen kritisch gesehen wird, während die Innovationen in anderen Bereichen nicht oder nur selten kommentiert werden.

Der Kunde als Treiber der Innovation

Dabei lautet die Antwort vieler ETF-Anbieter auf die Frage, wer sich die neuen Produkte ausgedacht hat: Unsere Kunden. Bei Betrachtung der neuen Produkte stellt man fest, dass diese im professionellen Portfoliomanagement einen echten Mehrwert liefern können. Auch die teilweise hohen Lizenzgebühren, die von den ETF-Anbietern an die Index-Produzenten zu entrichten sind, sprechen dafür, dass die Emittenten zunächst prüfen, ob überhaupt eine entsprechende Nachfrage für einen ETF besteht.

Ein beschränkender Faktor für neue Produkte ist die von den Ucits-Richtlinien vorgeschriebene Streuung. Diese war insbesondere im Bereich der klassischen Branchenindizes nicht immer gegeben. Hier haben die Index-Anbieter reagiert und in vielen Fällen die Streuung der entsprechenden Indizes erhöht, beziehungsweise die maximalen Gewichtungen einzelner Indexkomponenten den Richtlinien angepasst.

Ein Bereich, der auch mir zuweilen Kopfschmerzen bereitet, sind sowohl die gehebelten als auch die inversen und Short-Produkte. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Produkte scheinen zwar grundsätzlich klar zu sein, die Tücken liegen aber im Detail. Weniger Sorgen machen mir hingegen die oft zitierten, komplexen Währungs- oder Volatilitätsstrategien, da diese Produkte schon aufgrund ihrer teilweise sehr exotischen Produktnamen von den meisten nicht-professionellen Anlegern gemieden werden.

Unterscheidung von institutionellen und privaten Anlegern

Auch wenn es viele Marktbeobachter anders sehen: Die Mehrheit der neuaufgelegten börsengehandelten Indexfonds bietet zumindest für institutionelle Anleger viele Vorteile. Diese Investoren, die den Großteil der ETF-Nutzer in Europa darstellen, können ihre Anlagestrategien präzise und zeitnah umsetzen.

Die Tendenz zu teilweise hochkomplexen Produkten lässt aber die Frage zu, ob auch Privatanleger in solche Produkte investieren sollten. Immerhin können einige dieser Produkte mehr schaden als nutzen, wenn sie falsch eingesetzt werden. Aus dieser Perspektive erscheint eine Aufteilung in Handelssegmente für institutionelle und private Anleger eine sinnvolle Variante der Marktgestaltung zu sein.

Nachteil: Der Gesetzgeber würde sowohl erfahrenen als auch unerfahrenen Privatinvestoren den Zugang zu diesen Produkten versperren. Eine solche Regulierung würde deutlich über das Ziel hinaus schießen, auch wenn der Anlegerschutz grundsätzlich über den Interessen der Anbieter und einzelner Kundengruppen stehen sollte.

Detlef Glow schreibt regelmäßig in der Online-Community von Thomson Reuters - Lipper, die nur für professionelle Investoren (Vermögensverwalter mit §32 KWG Zulassung o.ä.) zugänglich ist.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

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