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Solvency II könnte massive Immobilienverkäufe bei Versicherungen lostreten

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Die neue Richtlinie Solvency II zwingt die Gesellschaften ab 2013 dazu, bestimmte Anlageklassen mit mehr Eigenkapital zu hinterlegen. Bei Immobilieninvestments soll die Unterlegungsquote nach derzeitigem Planungsstand bei mindestens 25 Prozent liegen.

Der GDV läuft dagegen Sturm. Es werde übersehen, dass „Immobilien in Zeiten volatiler Kapitalmärkte ein auf Kontinuität angelegtes Investment darstellen“, so der Verband gegenüber der unabhängigen Nachrichtenagentur „Pressetext“. Risiken von Immobilieninvestments würden bei Solvency II so stark überzeichnet, dass der Anreiz für die Produkte verloren ginge. Denn höhere Eigenkapitalunterlegung heiße auch geschmälerte Rendite.

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Laut GDV haben die deutschen Versicherer 3,2 Prozent ihres Bestandsvermögens von 1,04 Billionen Euro derzeit in Immobilien investiert – das sind rund 33 Milliarden Euro. Bei den Lebensversicherern ruhen 3,4 Prozent der verwalteten 727 Milliarden Euro in Wohngebäuden und Gewerbeimmobilien. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten ist dieser Anteil noch gering. Hier betrage die Immobilienquote mitunter bis zu 20 Prozent. Solvency II könnte deshalb eine heftige Verkaufswelle lostreten.

Zudem könnte das Ziel von Solvency II, die Versicherungen zu mehr Risikovorsorge zu zwingen, laut der Experten genau zum Gegenteil führen. Denn nach dem derzeitigen Stand der Richtlinie dürften die Versicherer künftig verstärkt in hoch fremdfinanzierte, opportunistische Immobilieninvestments wechseln – ohne Eigenkapital hinterlegen zu müssen. Das bedeute zwar eine mögliche höhere Rendite, aber wesentlich höhere  Risiken.

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