Karen Schmidt (Chefredakteurin)Lesedauer: 6 Minuten

Solvency II Wie gut die Lebensversicherer für Crashs gerüstet sind

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Das liegt unter anderem daran, dass die Versicherungen mit Genehmigung der Bafin bis zum Jahr 2031 Übergangsmaßnahmen in Anspruch nehmen dürfen, die die Solvenzquote nach oben pushen. Da gibt es zum einen das sogenannte Rückstellungstransitional nach Paragraf 352 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) 2016.

Was das ist, erklärt Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg: „Unter Solvency II müssen Unternehmen höhere Rückstellungen bilden als bisher, und das auch für bereits seit Jahrzehnten bestehende Verträge. Die Übergangsmaßnahme ermöglicht es den Versicherern, hierfür benötigte Eigenmittel über einen Zeitraum von 16 Jahren aufzubauen.“ Für Neuabschlüsse gilt das nicht, da müssen die Versicherer die Verträge gleich nach den vollen Solvency-II-Anforderungen bewerten.

Übergangsmaßnahmen helfen den Versicherern

Daneben gibt es noch eine weitere Übergangsmaßnahme, die Volatilitätsanpassung (Paragraf 82 VAG 2016). Was bringt sie? „Vereinfacht gesagt: Wenn Anleihen vorübergehend stark an Wert verlieren, dürfen die Unternehmen sie trotzdem höher bewerten, weil sie langfristig mit Sicherheit einen höheren Zins dafür bekommen werden“, erklärt Franke. In diesem Fall müsse der zusätzliche Zinsaufschlag von der Gesellschaft in ihrem Kapitalanlagenportfolio risikofrei erwirtschaftet werden können.

„Schlussendlich führt dies zu einer Erhöhung der Eigenmittel in der Solvenzbilanz des Versicherers“, sagt Franke. Und das macht sich deutlich bemerkbar, stellt auch Assekurata-Experte Heermann fest. „Häufig beträgt der Unterschied zwischen der Basisvariante, also ohne Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen, und dem aufsichtsrechtlichen Nachweis mehr als 200 Prozentpunkte, vereinzelt sogar noch deutlich mehr“, sagt er.

Spannweiten der Solvenzquoten sind sehr breit

Welche Versicherer auf diese Übergangsregeln setzen, zeigt die Tabelle auf der letzten Seite. Die Spannweite zwischen den einzelnen Anbietern ist beachtlich. So verteilen sich die SCR-Quoten von rund 100 bis knapp unter 1.000 Prozent.

Aber auch aus einem anderen Grund sollte man die Bedeutung der Solvenzquote für die Einordnung der Finanzstärke eines Anbieters nicht zu hoch hängen. „Eine niedrige Solvenzquote muss keinesfalls bedeuten, dass der Versicherer bereits nahe an der Insolvenz ist“, stellt Heermann klar.

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