Axel Kleinlein und Carsten Zielke (r.): Der BdV-Vorstandssprecher und der Geschäftsführer der Zielke Research Consult GmbH sehen ein Auseinanderdriften der LV-Branche. | © DAS INVESTMENT Foto: DAS INVESTMENT

Solvenzberichte 2019

Studienautor wehrt sich gegen GDV-Kritik

Für so manchen deutschen Lebensversicherer könnte es bald eng werden, lautet das Fazit einer Analyse der aktuellen Solvenzberichte, die der Bund der Versicherten (BdV) jetzt gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Zielke Research Consult veröffentlicht hat. Demnach zeigen sich große Unterschiede bei den Solvenzquoten, aber auch der Gewinnerwartung, dem Überschussfonds und der Risikomarge der 84 untersuchten Versicherer. 22 von ihnen haben demnach entweder eine zu geringe Solvenz oder eine negative Gewinnerwartung. „Die Branche driftet auseinander. Mehr als ein Viertel der untersuchten Unternehmen hat ernste Probleme“, kommentiert BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein.

Besonders negativ falle laut Assekuranz-Analyst Carsten Zielke die aus der Arag Leben entstandene Frankfurt Münchener Leben auf: „Die Solvenzquote ist alarmierend gering.“ Ausgewiesen haben die Bad Homburger mit 151 nicht nur die geringste Kennzahl aller elf Run-off-Gesellschaften in der Studie. Zielke taxiert ihre sogenannte reine – also ohne Übergangsmaßnahmen – berechnete Solvenzquote aktuell sogar mit einem Negativbetrag von -11 Prozent. Der Frankfurt Münchener empfiehlt der Aachener Unternehmensberater deshalb „dringende Eigenkapitalmaßnahmen“. Diese erscheinen ihm „notwendig, um die Kapitalanlage zu diversifizieren“. Kräftig anstrengen müssten sich aber auch 15 weitere der insgesamt 82 untersuchten Anbieter, deren reine Solvenzquote jeweils unter der Marke 100 Prozent liegen.

„Fragwürdige Untersuchung“

„Die Solvenzlage deutscher Lebensversicherer ist nachweislich besser, als vom Bund der Versicherten und von Zielke Research Consult dargestellt“, reagiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf den düsteren Zukunftsausblick der Studie. Deren „Kernaussagen und die Methodik der Untersuchung sind in wesentlichen Punkten fragwürdig“, verteidigen sie sich gegen die Kritiker. „Die Solvenzquoten liegen weit über dem von der Aufsicht geforderten Niveau.“ Zum Stichtag 31.12.2019 seien es im Mittel 387 Prozent beziehungsweise 254 Prozent ohne Übergangsmaßnahmen. „Alle deutschen Lebensversicherer haben eine Quote über 100 Prozent, kein Unternehmen ist also pleite.“

Letzteres zielt auf einen Bericht der „Bild-Zeitung“ ab, die den Inhalt der „Schock-Studie“ unter der reißerischen Überschrift „Jeder 4. Lebensversicherung droht das Aus!“ zusammenfasste. „Wir weisen den Vorwurf handwerklicher Fehler bei unserer Analyse auf das Entschiedenste zurück“, entgegnet Zielke wiederum dem GDV. Allerdings räumt er ein, die reine Solvenzquote anders zu berechnen als bisher: „In diesem Jahr haben wir die Methodik verschärft.“ Konkret gehe es dabei um die sogenannten ergänzenden Eigenmittel wie zum Beispiel nicht eingezahltes Grundkapital und Versprechen, Nachrangdarlehen gewährt zu bekommen. Diese Bilanzposten seien bei drei Versicherern von der Summe der Eigenmittel abgezogen worden.

Der aktuell vollzogene Methodenwechsel hatte bei den Betroffenen jedoch zur Folge, dass ihre reine Solvenzquote laut Zielke jeweils unter die Grenze von 100 Prozent rutschte: Bei der Concordia Oeco Leben sind es 80 Prozent nach der neuen Methodik gegenüber 110 Prozent, wenn die ergänzenden Eigenmittel berücksichtigt werden. Beim Mitbewerber Huk-Coburg Leben kommen so 94 statt 125 Prozent heraus und bei der HDI Leben 96 statt 103 Prozent. Insgesamt fallen die deutschen Lebensversicherer dennoch in punkto Finanzstabilität hinter ihren Vorjahreswerten zurück. Schwierig bleibt es vor allem für Anbieter, die umfangreiche Altbestände an klassischen Verträgen mit hohem Garantiezins in den Büchern stehen haben.

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