Matthias Fawer von Sarasin

Matthias Fawer von Sarasin

Sommer, Sonne - Solar?

DAS INVESTMENT.com: Herr Fawer, sind Solaraktien nur noch mit Lichtschutzfaktor 50 zu genießen?

Matthias Fawer: Nein, ganz und gar nicht. Das erste Halbjahr ist für die Mehrheit der Solarfirmen erstaunlich gut gelaufen. Und auch wenn es an der Kursentwicklung der Aktien nicht zu erkennen ist, 2010 ist ein Mega-Jahr für die Solarbranche. Die Firmen profitieren von Vorzieheffekten aufgrund der sinkenden Einspeisevergütungen in Deutschland und Italien. Viele wollen noch schnell eine Solaranlage ans Netz bringen, um sich die höhere Förderung zu sichern. Die Auftragsbücher sind bis Ende des Jahres voll.

DAS INVESTMENT.com: Warum spiegelt sich das an den Börsen nicht wieder?

Fawer: Investoren glauben momentan nicht mehr an die Solarbranche. Es gibt zu viele negative Meldungen. Erst die Kürzung der Förderung in Spanien, dann Deutschland und nun ab 2011 auch in Italien. Da sind viele Anleger skeptisch, ob die Firmen dem Kostendruck standhalten können.

DAS INVESTMENT.com: Können sie?

Fawer: Die Margen werden in den unteren zweistelligen Bereich sinken. Und die großen Gewinne können sicherlich erst einmal nicht mehr realisiert werden.

DAS INVESTMENT.com: Die Aussichten sind also alles andere als sonnig?

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Fawer: Investoren verkennen die enorm schnelle Entwicklung auf der Kostenseite. Die Solarindustrie ist bald unabhängig von Einspeisevergütungen. Der Solarmarkt ist mitten in der Trendwende vom Nischen- hin zum Massenmarkt. Das ist jetzt noch eine kurze Übergangsphase. In immer mehr Ländern wird Solarstrom konkurrenzfähig. In Italien beispielsweise schon 2011, in den USA 2012 und in Deutschland möglicherweise 2015. So wird es immer weitergehen. Wir sind bald in einem ganz anderen Umfeld. Der Markt wird deutlich größer.

DAS INVESTMENT.com: Sind Solaraktien derzeit also unterbewertet?

Fawer: Nein, sie sind nicht mehr ganz günstig, aber auch nicht teuer. Der Großteil ist fair bewertet, aber das hängt natürlich auch immer von den Erwartungen der Marktteilnehmer ab.

DAS INVESTMENT.com: Und die scheinen im Moment nicht besonders positiv zu sein.

Fawer: 2011 dürfte ein schwierigeres Jahr für die Solarbranche werden. Dieser Einbruch wird derzeit offensichtlich vorweg genommen. Und es gibt auch noch viele Fragezeichen. Zwar wird der Solar- zum Massenmarkt, aber das Stromnetz beispielsweise ist noch überhaupt nicht reif für so viel erneuerbare Energie.

DAS INVESTMENT.com: Sind Lösungen in Sicht?

Fawer: Wir brauchen intelligente Stromnetze, so genannte Smart Grids. Es geht vor allem um das Zusammenführen von Stromerzeugung und Speicherung. Solarworld beispielsweise will solche Systeme anbieten. Ich bin überzeugt, dass Lösungen gefunden werden.

DAS INVESTMENT.com: Ihr Fazit: Sind fallende Kurse Einstiegskurse?

Fawer: Ja.

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