Sotheby's versteigert am 14. Juli ein Tyrannosaurus-rex-Skelett. Spitzname: „Gus“, benannt nach Gary „Gus“ Licking, dem Rancher aus South Dakota, auf dessen 6.500-Acre-Farm das Tier 2021 aus dem Boden geholt wurde. Schätzwert: zwischen 20 und 30 Millionen US-Dollar. Das wäre der höchste Schätzpreis, den je ein Dinosaurierfossil erhalten hat.

Der Maßstab wurde 2024 gesetzt. Damals verkaufte Sotheby's „Apex“, einen Stegosaurus, für 44,6 Millionen Dollar an Ken Griffin, Gründer des Hedgefonds Citadel, Kunstsammler, jetzt auch Dinosaurierbesitzer. Das Pre-Auction-Estimate hatte bei vier bis sechs Millionen gelegen. Griffin zahlte das Siebenfache. Seither wissen alle Beteiligten, was möglich ist. Zwanzig Millionen als Startansatz, so sieht die neue Untergrenze des Genres aus. 

1997 war der erste Dinosaurier, der je versteigert wurde, ebenfalls ein T. rex bei Sotheby's. „Sue“ ging für 8,4 Millionen Dollar, mitfinanziert von Walt Disney und McDonald's, und lebt heute im Field Museum in Chicago. 2020 erzielte „Stan“, ein weiterer T. rex bei Christie's, 31,8 Millionen Dollar. Käufer war die Regierung von Abu Dhabi. Und jetzt „Gus“, mit einem Startpreis, den „Sue“ vor knapp dreißig Jahren nicht einmal als Endsumme kannte. 

Was „Gus" wert ist – und warum

Die Seltenheit des Objekts ergibt sich nicht aus dem Namen. T.-Rex-Skelette sind nicht häufig, aber sie sind auch nicht einmalig. Was „Gus“ aus der Masse hebt, ist Vollständigkeit und Lesbarkeit. Cassandra Hatton, Vice Chair bei Sotheby's und global zuständig für Wissenschaft und Naturgeschichte, benennt das konkret: Das Skelett trägt Bissspuren und Knochen, die gebrochen und verheilt sind. Verheilte Knochen belegen, dass das Tier überlebt hat.

Die Ausgrabung selbst dauerte fast fünf Jahre. Theropoda Expeditions, die kommerziellen Paläontologen, die das Projekt übernahmen, schlossen die Arbeit Anfang dieses Jahres ab. Thomas Heitkamp, Präsident der Firma, beschreibt den Prozess als das schwierigste Puzzle der Welt. Mit dem Unterschied, dass man die Teile erst noch finden muss, bevor man es zusammensetzen kann. 67 Millionen Jahre Lagerzeit, danach fünf Jahre Laborarbeit. Für dreißig Millionen Dollar sollte das reichen. 

Wer kauft einen Dinosaurier?

Nicht primär, wer ihn ins Wohnzimmer stellen will. Hatton beschreibt das Käuferprofil bei Sotheby's als ausgesprochen breit – und das Motiv als überraschend öffentlich: Die überwiegende Mehrheit der Fossilkäufer wolle ihre Erwerbungen Museen leihen oder in ihren Heimatländern ausstellen. „Apex“ steht heute im American Museum of Natural History in New York. „Stan“ gehört Abu Dhabi. „Sue“ gehört Chicago.

Das ist das eigentliche Geschäftsmodell hinter den Schlagzeilen: privates Kapital trifft öffentlichen Zugang. Der Käufer erwirbt Eigentum und Prestige; das Objekt bleibt sichtbar; das Museum bekommt ein Exponat, das es sich selbst nicht leisten könnte. Für alle Beteiligten eine ordentliche Lösung. Für Sotheby's ist ein Argument, mit dem dieser spezielle Markt verteidigt werden kann: Diese Verkäufe seien entscheidend, weil sie Fossilien auffindbar machen, die sonst für alle verloren wären. 

Was Sotheby's dezent ausspart: Die Kommerzialisierung von Fossilien ist in der Wissenschaft umstritten. Private Ausgrabungen, kommerzielle Paläontologen, Versteigerungen – all das passiert außerhalb des akademischen Systems. Objekte, die für Millionen verkauft werden, sind für öffentliche Forschungssammlungen strukturell unerschwinglich. Dass viele Käufer ihre Stücke verleihen, löst das Problem nicht, es mildert es nur ab. „Gus“ wurde auf privatem Ranchland gefunden. In den USA ist das legal und verbreitet. Anderswo wären dieselben Knochen staatliches Eigentum. 

Was Fossilien mit Luxusgütern verbindet, ist die dokumentierte Einmaligkeit. Eine Birkin Bag ist selten. Ein T. rex jedoch ist einmalig. Kein Haus der Welt kann dieses Skelett reproduzieren, keine Manufaktur nachbauen. Es gibt von diesem Dinosaurier kein zweites Exemplar.

Der Markt für hochwertige Fossilien hat damit eine Eigenschaft, die viele alternative Assets nicht besitzen, und das ist entscheidend: „Gus“ existiert einmal. Was das wert ist, entscheidet sich am 14. Juli.