S&P

Starke Entwicklung an US-Börsen gutes Zeichen für Weltwirtschaft

//
Der breite Standardwerte-Index Standard & Poor’s 500 hat dank einer sich ausweitenden Konjunkturerholung in den USA im laufenden Jahr etwa zwölf Prozent zugelegt, während die Finanzmärkte im Rest der Welt in Dollar berechnet um 6,5 Prozent nachgaben.

Diese überraschende Divergenz ist vor allem zurückzuführen auf die Kombination steigender Aktienkurse und eines gegen nahezu allen anderen Währungen aufwertenden US-Dollar. Damit ist der US-Aktienmarkt im Vergleich zu den anderen Finanzmärkten so stark gestiegen wie zuletzt vor 22 Jahren, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Es gibt daher durchaus Grund für Optimismus. Und zwar trotz der insbesondere im letzten Jahresquartal teilweise dramatischen Verlusten in Schwellenländern und den Schuldenkrisen in Ländern von Russland bis Venezuela, die an das Schockjahr 1998 erinnern können. Denn ein Blick in die Geschichte zeigt: Immer wenn die Divergenz zwischen der Entwicklung in den USA und dem Rest der Welt sehr groß ist, werden die anderen Länder innerhalb der folgenden zwölf Monate wesentlich aufholen.

“In der Tat ist es vor allem die starke Entwicklung in den USA, die globale Wachstumsprobleme mehr als irgendeine andere Entwicklung in Schach hält”, sagt der Marktstratege David Lafferty von Natixis Global Asset Management in Boston. Würde die Wachstumsgeschwindigkeit in den USA nicht anziehen, gäbe es wesentlich mehr Grund zur Sorge und auch die weltweite Volatilität wäre um einiges höher.

Insgesamt gab es vier Jahre seit 1970, in denen die US- Aktienmärkte auf Basis des S&P 500 in vergleichbarer Weise den internationalen Finanzmärkten vorausgelaufen waren. Jedes Mal folgte beim globalen Kursbarometer MSCI World ex-U.S. Index, der die USA ausberechnet, eine starke Erholung. Im Schnitt erreichte sie 14 Prozent.

Im Jahr 1992, als US-Aktienmärkte anzogen, während internationale Finanzmärkte um 14 Prozent korrigierten, war es vor allem der US-Dollar, der anstieg. Seinerzeit hatte George Soros das britische Pfund aus dem europäischen Wechselkurssystem herausgezwungen. Im folgenden Jahr kam der MSCI ex-U.S. auf ein Wachstum von 30 Prozent - damit war diese Rally mehr als viermal so stark wie die Erholung im S&P 500.

Beispiel Lateinamerikakrise des Jahres 1982: Investoren suchten seinerzeit sie Sicherheit amerikanischer Aktien nach und schoben den S&P 500 um 15 Prozent voran. Das Kursbarometer MSCI sank um 4,2 Prozent, erholte sich aber im folgenden Jahr 1983 um 21 Prozent.

Und im laufenden Jahr hat die Marktkapitalisierung amerikanischer Aktien um mehr als eine Billion Dollar zugenommen. Die weltweite Marktkapitalisierung erreichte gar ein Allzeithoch von 66,5 Billionen Dollar im September. Gesundheits- und Technologiewerte in den USA haben die Verluste von Rohstoffaktien mehr als ausgeglichen. Beispiel Apple Inc. und Johnson & Johnson: beide Titel vollzogen Kurssprünge von mindestens 15 Prozent.

“Die USA hat sich als die Lokomotive der Weltkonjunktur erwiesen”, stellte Stratege Sam Wardwell von Pioneer Investment Management Inc. in Boston fest. Das Gewinnwachstum nannte er “solide”, und der ökonomische Optimismus nehme zu. Wardwell brachte es so auf den Punkt: “Die USA brauchen den Rest der Welt weniger als der Rest der Welt die USA”.

Und die Lokomotive scheint derzeit voll zu beschleunigen. Im letzten Monat wurden in den USA so viele Arbeitnehmer eingestellt wie seit nahezu drei Jahren nicht mehr, und auch die Breite der Einstellungen über die Branchen hinweg war so ausgeglichen wie zuletzt 1998. Für das kommende Jahr wird den USA mit drei Prozent so viel BIP-Wachstum wie seit zehn Jahren nicht mehr vorausgesagt.

In den anderen Teilen der Welt sind die Prognosen erheblich weniger optimistisch. Der alternde Wachstumsmotor China wird voraussichtlich so gering wachsen wie seit mindestens 1990 nicht mehr, und Japan ist gerade in die vierte Rezession seit 2008 zurückgefallen. Die Europäische Zentralbank EZB kämpft mit schwindender Inflation, die wegen der niedrigen Ölpreise kurz vor dem negativen Bereich steht. Während die US-Notenbank angesichts der boomenden Konjunktur langsam wieder an steigende Leitzinsen denkt, erwarten Volkswirte in Japan und Europa zusätzliche Konjunkturmaßnahmen.

Auf Basis lokaler Währungen haben die größten Aktienmärkte außerhalb der USA 2014 im Mittel ein Wachstum von 4,9 Prozent erreicht und damit weniger als die Hälfte des S&P 500.

Dem breiten S&P 500 werden für das kommende Jahr 7,5 Prozent Wachstum vorausgesagt, wie 17 von Bloomberg befragte Analysten im Mittel in Aussicht stellten. Für Europa ergab sich in vergleichbaren Umfragen ein Wachstum von 14 Prozent. Dem südkoreanischen Kospi wird ein Plus von 13 Prozent für 2015 zugetraut und dem Topix der japanischen Börse in Tokio ein Plus von 6,9 Prozent, allerdings nur bis Ende Juni.

“Viele Anleger unterschätzen die Kraft und die Innovationsfähigkeit der US-Wirtschaft”, sagt Investmentstratege, Doug Foreman, von Kayne Anderson Rudnick Investment Management in Los Angeles. Sorgen um Rohstoffpreise oder um Russland seien zwar immer in der Lage, kurzfristig Chaos zu stiften, aber das sei niemals langfristig.

Mehr zum Thema
nach oben