Spaniens Blüten oder Spanische Grippe?
Das Staatsdefizit wird trotz ausgeprägter Sparanstrengungen bei knapp 7 Prozent liegen. Dank eines relativ moderaten Schuldenberges von etwas mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes vertrauen internationale Anleger weiter in die Zahlungsfähigkeit des spanischen Staates.
Um das Vertrauen des Kapitalmarktes zu stärken ist nicht nur der begonnene Weg der Bankensanierung, speziell der Sparkassen, konsequent zu Ende zu gehen, sondern es gilt auch, die staatlichen Sparanstrengungen so zu gestalten, dass Investition und Konsum des Privatsektors nicht substantiell in die Knie gehen.
Ausweg geht über die Qualität
Der einfache Ausweg, sich über eine Währungsabwertung Luft zu verschaffen, ist durch die europäische Einheitswährung versperrt. Und das ist auch gut so! Denn die Historie zeigt, dass exportstarke Länder, wie die Schweiz, Schweden oder die Bundesrepublik zu Deutsche-Mark-Zeiten auch mit einer zur Stärke tendierenden Währung umgehen können. Das Geheimnis liegt darin, mit Qualitätsprodukten zu überzeugen, statt nur über den Preis zu konkurrieren. Einen beschwerlichen Weg, den auch Spanien wird beschreiten müssen.
Ein anschauliches Beispiel liefert der Tourismus, der knapp 12 Prozent zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt beisteuert. Gefragt ist in Zukunft weniger der Billigtourismus in den Bettenburgen der Costa Brava – hier wird der Preiskampf gegen die Sonnenregionen in Nordafrika oder gegen die bulgarische Goldküste kaum zu gewinnen sein. Chancen dagegen verspricht der naturnahe Tourismus in den ländlichen Regionen oder der hochwertige Stadturlaub.
Starke Unternehmen sind da
Zudem kann das Land auf eine Reihe erfolgreicher, multinationaler Unternehmen aus den unterschiedlichen Sektoren bauen, die frühzeitig die Expansion in Mittel- und Südamerika gesucht haben. Unternehmen wie Banco Santander, Telefonica und ACS sind nicht zuletzt auch in Deutschland stark vertreten.
Die Voraussetzungen sind jedenfalls gegeben, dass sich Spanien ähnlich erholen kann, wie die skandinavischen Volkswirtschaften nach der Immobilienblase Anfang der 90er Jahre – solange der Vertrauen schädigende grippale Virus aus Griechenland und Portugal sich nicht zu einer Spanischen Grippe entwickelt.
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