Tristan Cooper

Tristan Cooper

„Spaniens Rating dürfte nicht auf Junk-Status fallen“

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Laut aktuellen Prognosen wird Spaniens Bruttoinlandsprodukt im dritten und vierten Quartal wieder real wachsen. Damit könnte die Talsohle durchschritten sein und es gibt wieder Anlass für Optimismus: Durch steigende Exporte hat das Land sein Leistungsbilanzdefizit in einen Überschuss verwandelt. Hinzu kam eine starke Tourismus-Saison, die ebenfalls zum derzeit positiven Erscheinungsbild beigetragen hat.

Sollte sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzen, kann Spanien auch seine Haushaltsziele für die Jahre 2013 und 2014 erreichen. Vor diesem Hintergrund erwarte ich eine Stabilisierung der negativen Ausblicke für Spaniens Ratings gegen Ende des Jahres.

Reformen zeigen Wirkung

Spaniens Banken stehen inzwischen sehr viel gesünder da als ihre Wettbewerber in anderen Euro-Peripherieländern. Von der bevorstehenden Bankenprüfung – das sogenannte EZB Asset Quality Review wird in Deutschland gern Banken-TÜV genannt und ist nicht mit den kurzlebigeren Stresstests zu verwechseln – brauchen die Institute daher nichts zu befürchten.

Auch der Arbeitsmarkt ist positiv zu beurteilen. Die erste Welle der Arbeitsmarktreformen hat bereits zu strukturellen Veränderungen geführt, durch die die spanische Wirtschaft nun auch bei wenig Wachstum mehr Jobs schaffen kann. Der deutliche Rückgang der Lohnstückkosten wurde bislang hauptsächlich durch Entlassungen erreicht, aber seit kurzem wird  auch über die Höhe des Lohnniveaus diskutiert. Zudem stehen weitere Arbeitsmarktreformen ganz oben auf der politischen Agenda.

Es bleibt viel zu tun


Aber Spanien sieht sich auch weiter erheblichen Herausforderungen ausgesetzt. Dazu zählen der Schuldenabbau im Privatsektor, sinkende Immobilienpreise und nicht zuletzt die für Arbeitgeber positiven fallenden Löhne. Sie belasten auf der anderen Seite die Inlandsnachfrage, wodurch die spanische Wirtschaft stark von der Auslandsnachfrage abhängig ist. Politische Unruhe in Portugal, Italien und Griechenland könnte die spanische Wirtschaft ebenfalls negativ beeinflussen.

Auch das Thema Haushaltsdisziplin ist eine heikle Sache: Zwar ist die spanische Regierung sicher, dass sie ihre Ziele - die Reduktion des Defizits auf 6,5 Prozent in 2013 und auf 5,8 Prozent in 2014 - erreichen wird. Ermutigend dabei ist auch die stärkere Kontrolle, die Madrid über die Regionen gewonnen hat.

Aber noch ist die Datenlage gemischt und bietet keine zuverlässige Grundlage für Prognosen. Allerdings könnten die gestiegenen Sozialversicherungsausgaben mittels Einsparungen beim Schuldendienst und leicht verbesserter Steuereinnahmen kompensiert werden. Streit über die Troika-Ziele für 2014 ist alles in allem eher unwahrscheinlich.

Kreditvergabe bereitet weiter Sorgen

Der schwierige Zugang zu und die hohen Kosten von Bankkrediten sind weiterhin ein Problem für Spaniens Mittelstand und Kleinbetriebe. Die langfristigen Refinanzierungsgeschäfte (LTROs, longer-term refinancing operations) der EZB waren nicht sehr erfolgreich darin, die Kosten für Kredite im Privatsektor zu senken.

Die Banken behaupten stets, dass es sich um ein nachfrageseitiges Problem handle. Die Arbeitgeber sagen dagegen, dass die Banken nur an Betriebe mit Top-Bonität verleihen. Allerdings gibt es nun erste Anzeichen, dass die EZB-Liquiditätsschwemme langsam bei der Realwirtschaft ankommt und die Kreditvergabe ins Positive dreht.

Fazit

Die spanische Wirtschaft erholt sich langsam und die Regierung dürfte ihre Haushaltsziele erreichen. Das macht es unwahrscheinlich, dass Spaniens Rating auf Junk-Status herabgestuft wird - sofern es zu keinen unvorhersehbaren Schocks kommt.

Die Ratingagenturen werden im Gegenteil zunehmend unter Druck stehen, ihre Bonitätsnoten zu stabilisieren oder zumindest negative Rating-Ausblicke zu neutralisieren. Das Auslaufen der ESM-Fazilität, also des Rettungsschirms durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus für Spaniens Banken gegen Jahresende könnten die Ratingagenturen zum Anlass für Neueinschätzungen nehmen.

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