Markus Michel (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Trotz Niedrigzinsen Sparer haben noch nicht massenhaft in Fonds umgeschichtet

Markus Michel, Foto: BVI

Der Fondsbesitz privater Haushalte ist nach Angaben der Bundesbank in den vergangenen zehn Jahren um 85 Prozent gestiegen. Ende 2020 hielten sie Anteile im Wert von 735 Milliarden Euro, zehn Jahre zuvor waren es noch 396 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2021 setzte sich der Aufwärtstrend fort. Mittlerweile haben Sparer mehr als 11 Prozent ihres Geldvermögens in Fonds angelegt. Davon profitieren sie, denn Fonds bieten im Niedrigzinsumfeld Renditechancen – zumal bei möglicherweise steigenden Verbraucherpreisen. Eine Anlage in Substanzwerte schützt vor Inflation. Das hilft insbesondere Kleinanlegern, für die eine risikogestreute Anlage in Aktien oder Immobilien ohne Fonds kaum möglich ist.

Der Anstieg des Vermögens ist aber noch kein Grund zum Jubeln. Denn die Bundesbank-Zahlen zeigen auch, was die Gründe dafür sind. Dabei lassen sich drei Effekte trennen:

  1. Wertentwicklung:
    Ein erheblicher Teil des höheren Fondsbesitzes folgt aus der guten Wertentwicklung von Fonds, entstammt also keiner bewussten Portfolioentscheidung der Anleger. Von dem Wachstum zwischen Ende 2010 und Ende 2020 lassen sich 134 Milliarden Euro (39 Prozent) dadurch erklären.
  1. Allgemein höhere Ersparnis der Privatanleger:
    Seit 2010 steigt die Geldvermögensbildung kräftig, allein 2020 betrug das Plus gegenüber dem Vorjahr rund 44 Prozent. Das legt folgende Überlegung nahe: Welche zusätzlichen Sparbeträge in Fonds ergeben sich allein durch das Wachstum des Kuchens? Dazu nehmen wir den Fondsanteil von 6,9 Prozent der Geldvermögensbildung, also das Niveau der Jahre 2000 bis 2010, auch für den Zeitraum von Ende 2010 bis Ende 2020 als konstant an. Selbst bei dieser niedrigen Quote wäre der Fondsbesitz um 145 Milliarden Euro gewachsen.
  1. Tatsächlich höherer Ersparnis-Anteil, der in Fonds fließt:
    In den letzten zehn Jahren bevorzugten Sparer angesichts des Niedrigzinsumfelds Fonds bei der Neuanlage immer stärker. Bis zum Jahr 2020 stieg ihr Anteil bei der Geldvermögensbildung auf 10,7 Prozent. Diese Entwicklung erklärt die restlichen 60 Milliarden Euro beim Anstieg des Fondsbesitzes.

Der positive Trend zu höheren Fondsanlagen der Privatanleger wird also vor allem durch die gute Wertentwicklung und die allgemein hohe Ersparnis getragen. Zu einem kleinen Teil spielt auch eine veränderte Gewichtung bei Neuanlagen eine Rolle. Aber: Eine echte Umstrukturierung im Geldvermögen ist noch nicht zu beobachten. Auch im Jahr 2020 flossen fast 300 Milliarden Euro, also mehr als drei Viertel der Geldvermögensbildung, in zinslose Einlagen oder Versicherungen. Insofern bleibt das Potenzial für das Fondssparen noch sehr groß.

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1 Nicht durch Geldvermögensbildung erklärte Steigerung

2 Wachstum des Fondsbesitzes durch Netto-Mittelzufluss auf dem Niveau der Jahre 2000-2010 (6,9 Prozent): Quelle. Bundesbank, BVI

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