Sparinvest-Fondsmanager Jens Rasmussen: „Es gibt wieder Superknüller“

Jens M. Rasmussen

Jens M. Rasmussen

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DAS INVESTMENT.com: Die vergangenen zehn Börsenjahre gelten als verlorene Dekade. Der Sparinvest Global Value hat besonders 2008 sehr stark gelitten. Wie ordnen Sie die Zeit zwischen 1999 und Ende 2009 ein?

Jens M. Rasmussen: Es gibt keinen Zweifel, dass es zwei schwere Krisen gab. Aber ich kann mit dem Ergebnis des Fonds zufrieden sein. Während der MSCI Welt rund 30 Prozent verloren hat, stieg der Fonds seit Zulassung 2001 um 43 Prozent.

DAS INVESTMENT.com: Die Erholung der Märkte nach der Internetblase im Frühjahr 2003 wurde von stabilen und substanziell gesunden Unternehmen angeführt. Das war im vergangenen Jahr anders.

Rasmussen: Die beiden Krisen sind nicht zu vergleichen, und die Folgeerscheinungen sind unterschiedlich. Die Tech- Blase hat nicht das Herz der Finanzwelt getroffen. Die jüngste Krise schon. Es war ein Infarkt und eine Kernschmelze des Kreditmarkts. Was im vergangenen Jahr.folgte, war eine liquiditätsgetriebene Rally, keine fundamentale. Die Welt stand näher am Abgrund, als wir uns heute eingestehen. Als klar wurde, dass der Intensivpatient überlebt, haben Banken ihr Kapital in sinkende Schiffe, also Unternehmen schlechter Qualität gepumpt. Damit haben sie kurzfristig einige Unternehmen gerettet, deren Kurse explodiert sind. Langfristig sind diese Stützungskäufe nicht haltbar, und ich rechne verstärkt mit Insolvenzen. Umso interessanter ist das derzeitige Marktumfeld für Value-Investoren. Auch Banken werden wieder interessant, wenn sie sich wieder aufs langfristige Kerngeschäft konzentrieren. „Back to Basic“ ist das Motto des derzeitigen Marktumfeldes.

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DAS INVESTMENT.com: Angenommen, jemand hätte Ihnen prophezeit, dass Sie 2008 mehr als 40 Prozent verlieren. Wie hätten Sie reagiert?

Rasmussen: Ich hätte ihm nicht geglaubt. Es war im negativen Sinn ein perfekter Sturm. Wir mögen zyklische Unternehmen, Konsumwerte, ebenso Industriewerte und Nebenwerte. Die sind vom Ausverkauf erwischt worden, obwohl sich an den Fundamentaldaten nichts geändert hat. Die Nettoverschuldung unseres Fonds beträgt im Schnitt 20 Prozent. Die der Benchmark liegt zwischen 60 und 70 Prozent. Unsere Unternehmen vertragen rote Zahlen über drei, vier Quartale, denn langfristig stimmt das Wachstum. Es ist nicht das Ende der Welt. 40 Prozent unserer Holdings haben das Portfolio verlassen, weil sie übernommen wurden. Diese Zeit bricht jetzt wieder an. Käufer sind weniger die Banken als vielmehr die großen Industriekonzerne. Es gibt wieder Superknüller. So sagen Sie es doch auf Deutsch.

DAS INVESTMENT.com: Haben Sie in den vergangenen Jahren mal an Ihrem wertorientierten Ansatz gezweifelt?

Rasmussen: Nein, kein einziges Mal. Die Krise war sicher keine Freude. Aber ich habe keinen Zweifel daran, auch künftig überdurchschnittliche Erträge zu erzielen. Wir mögen unseren disziplinierten, konservativen und langfristigen Investmentansatz und bleiben ihm treu.

DAS INVESTMENT.com: Dazu zählt seit geraumer Zeit ein sehr starkes Japan-Engagement.

Rasmussen: Es ist nicht das Land Japan, das uns reizt. Es sind die Unternehmen. Wir finden gesunde Bilanzen, niedrige Schulden und solides Wachstum besonders stark unter japanischen Unternehmen. Viele haben aus früheren japanischen Finanzkrisen gelernt.

DAS INVESTMENT.com: Übernahmen von japanischen Unternehmen sind dennoch eine Ausnahme.

Rasmussen: Es gibt sie vereinzelt, und sie werden zunehmen. Aber interessant ist, dass gesunde japanische Unternehmen den starken Yen nutzen und in chinesische Unternehmen einsteigen. Langfristig ein sehr gutes Geschäft. Und es waren ja auch japanische Banken, die sich nach dem Lehman-Schock einige Perlen gesichert haben. Das spricht für eine gesunde Finanzlage. Als Botschafter des Landes sehen wir uns aber nicht.