Die Finanz Informatik (FI), der IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe, hat den Münsteraner KI-Spezialisten Web Computing übernommen. Dieser Schritt soll den Kompetenzaufbau der FI im Bereich der Künstlichen Intelligenz beschleunigen.
Web Computing, ein 2012 gegründetes Unternehmen mit rund 70 Mitarbeitern, spezialisiert sich auf Lösungen in den Bereichen generative KI, AI-Engineering und Data Analytics. Im Jahr 2023 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von etwa fünf Millionen Euro.
Andreas Schelling, Vorsitzender der Geschäftsführung der Finanz Informatik, erklärte zur Übernahme: „Mit der Web Computing bauen wir unser Engineering-Know-how im Bereich der KI aus und sichern uns weitere Talente.“ Er betonte dabei die Bedeutung von Datenschutz und Informationssicherheit, insbesondere im Hinblick auf das „hochregulierte Sparkassengeschäft und die Verarbeitung sensibler Kundendaten“.
Sparkassenmitarbeiter bekommen KI-Pilot
Ein konkretes Projekt, das aus dieser Übernahme hervorgeht, ist die Einführung des sogenannten „Sparkassen-KI-Piloten“. Dieser KI-gestützte persönliche Assistent soll Sparkassen-Mitarbeiter bei verschiedenen Aufgaben unterstützen, darunter die Beantwortung von Fragen, die Auswertung von Texten und Dokumenten sowie die Generierung von Kundenschreiben.
Die Pläne zum KI-Piloten wurden bereits im April öffentlich. Dafür rüstete FI nach eigenen Angaben das Rechenzentrum mit Hunderten Chips des US-Konzerns Nvidia auf und ging damit einen Sonderweg. Denn üblicherweise nutzen Unternehmen, die bereits KI einsetzen, dafür große Public-Cloud-Anbieter, wie Amazon, Microsoft oder Google.
FI geht bei KI-Modellen eigenen Weg
Zudem setzen die meisten Firmen auf Sprachmodelle des US-amerikanischen Softwareunternehmens OpenAI, das den Chatbot ChatGPT entwickelt hat. Auch hier weichen die Sparkassen von der Norm ab: Die FI nutzt frei zugängliche KI-Modelle des französischen Softwareunternehmens Mistral AI und des Internetkonzerns Meta. Diese Modelle sollen in den eigenen Rechenzentren der FI mit sparkassenspezifischen Daten weitertrainiert und betrieben werden, ohne auf Public-Cloud-Dienste für vertrauliche Daten zurückzugreifen.
Die Finanz Informatik, mit Sitz in Frankfurt am Main, ist ein zentraler IT-Dienstleister für die Sparkassen-Finanzgruppe. Das Unternehmen betreut 349 Sparkassen und weitere Finanzinstitute. Ende 2023 beschäftigte die FI rund 4.650 Mitarbeiter und erzielte im selben Jahr gemeinsam mit ihren Tochterunternehmen einen Umsatz von 2,44 Milliarden Euro.

