Sie nennen sich Sparkasse, bedienen Millionen von Kunden, führen kein Börsenkürzel und gelten manchem als die langweiligste Ecke des deutschen Finanzsystems. Dabei ist kaum eine andere Bankengruppe so nah an der Wirtschaft dran: am Handwerker, der seinen Betrieb ausbauen will, an der Familie, die sich Wohneigentum traut, an der Kommune, die ihre Infrastruktur finanzieren muss. Die Kreissparkasse Köln und die Hamburger Sparkasse sind in diesem System zwei Schwergewichte – und ihre jüngsten Jahresergebnisse, zeitgleich veröffentlicht, bieten eine Gelegenheit zum Direktvergleich.

Was dabei sichtbar wird, überrascht: Zwei Häuser, die im Kern auf Regionalität, Kundennähe und langfristige Finanzierung setzen, können sich in ihrer operativen Dynamik erheblich unterscheiden. Köln wächst und investiert – und zeigt dabei alle Zeichen eines Instituts, das gerade in eine neue Größenklasse hineinreift. Hamburg hat diese Phase bereits früher durchlaufen und profitiert nun von einer entsprechend aufgebauten Struktur.

Aufstieg mit Konsequenzen

Die Kreissparkasse Köln hat 2025 eine Bilanzsumme von 30,9 Milliarden Euro erreicht – und damit erstmals ein quantitatives EZB-Kriterium erfüllt, das eine Einstufung als bedeutendes Institut und damit den Wechsel in die direkte Aufsicht wahrscheinlicher macht. Das ist mehr als ein buchhalterischer Meilenstein. Mit einer möglichen Einstufung als ‚Significant Institution‘ würden auf die KSK deutlich höhere Anforderungen an Reporting, Risikomanagement und interne Governance zukommen.

Genau das spiegelt die Ertragslage wider. Das Ergebnis vor Steuern fiel auf 269 Millionen Euro, nach 327 Millionen im Vorjahr. Nach Steuern sind es 184 Millionen (Vorjahr: 238 Millionen Euro). Vorstandsvorsitzender Thomas Pennartz nannte es das drittbeste in der Geschichte des Instituts – was stimmt, aber über die Richtung nichts sagt. Der Zinsüberschuss sank um 30 Millionen Euro auf 619 Millionen Euro, weil die EZB den Einlagesatz 2025 in vier Schritten auf 2,0 Prozent drückte und die Marge im Einlagengeschäft enger wurde. Die Personalkosten zogen um 20 Millionen Euro auf 305 Millionen Euro an – beeinflusst vom Tarifabschluss und vom steigenden organisatorischen Aufwand, den ein Haus an der Schwelle zur direkten EZB-Aufsicht schultern muss. Die Cost-Income-Ratio kletterte entsprechend von 58,75 auf 62,58 Prozent.

Das klingt nach Rückschritt. Es ist eher eine Investitionsphase: Die KSK baut die Strukturen auf, die ein Institut dieser Größenordnung dauerhaft braucht. „Das Kundengeschäft wuchs kräftig“, sagte Pennartz bei der Vorlage der Zahlen – und meinte damit unter anderem eine Neukreditvergabe von 3,8 Milliarden Euro, ein Drittel davon für private Immobilien.

Zudem legten die Kunden 1,5 Milliarden Euro neues Geld an – doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Wertpapierumsatz stieg auf 9,5 Milliarden Euro. Besonders gefragt waren Investmentfonds (4,6 Milliarden Euro), gefolgt von Anleihen und Schuldverschreibungen (3,3 Milliarden Euro) und Aktien (1,6 Milliarden Euro).

Hamburgs Effizienzgewinn

Die Hamburger Sparkasse steht an einem anderen Punkt. Als seit Jahren direkt beaufsichtigtes Institut arbeitet sie bereits in einer Struktur, die die KSK gerade erst aufbaut. Das zeigt sich in den Zahlen: Das Jahresergebnis stieg um 20 Prozent auf 150 Millionen Euro (Vorjahr: 125 Millionen); die Cost-Income-Ratio fiel von 65,2 auf 59,5 Prozent. Letzteres gelang, obwohl die Haspa gleichzeitig 200 neue Mitarbeiter und 200 Auszubildende einstellte – weil auf der anderen Seite große IT-Projekte ausgelaufen sind und weniger Sonderlasten anfielen. Das ist kein Selbstläufer; die Haspa hat dafür jahrelang an ihren Kostenstrukturen gearbeitet.

Was die Ergebnisrechnung besonders interessant macht, ist die Zusammensetzung der Erträge. Das Provisionsgeschäft brachte 415 Millionen Euro (+32 Millionen) – mehr als je zuvor. Wertpapiergeschäft, Fondssparpläne, Gold: alles gestiegen. Der Goldhandel allein legte um ein Drittel auf 165 Millionen Euro zu, weil viele Kunden in einem unsicheren geopolitischen Umfeld auf Sachwerte setzten. Der Zinsüberschuss blieb mit 892 Millionen Euro stabil (Vorjahr: 885 Millionen) – ein wichtiger Unterschied zur KSK, bei der er deutlich gesunken ist. Die Kundeneinlagen haben sich um knapp 800 Millionen Euro auf mehr als 41 Milliarden Euro erhöht.

Insgesamt konnte die Haspa ihre Erträge um rund 84 Millionen Euro auf gut 1,4 Milliarden Euro ausbauen und den Aufwand um fast 26 Millionen auf rund 836 Millionen Euro zurückfahren. Das Betriebsergebnis vor Bewertung erhöhte sich von 460 Millionen auf rund 569 Millionen Euro.

Vorstandssprecher Harald Vogelsang bringt die Strategie so auf den Punkt: „Gerade in einer komplexen Welt suchen Menschen Orientierung, die eine rein digitale Bank allein nicht bieten kann“ – also Beratung als Wettbewerbsvorteil, nicht nur Fläche.

Kredit und Kapital

Im Kreditgeschäft klingen beide Institute nahezu gleichlautend: Im privaten Immobilienmarkt hat die Nachfrage wieder angezogen. Die KSK vergab 2025 neue private Immobilienkredite von 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 21 Prozent. Die Haspa meldete beim privaten Wohnungsbau sogar ein Plus von rund 60 Prozent gegenüber dem schwachen Vorjahreswert. Gesunkene Zinsen und stabilere Preise haben Wirkung gezeigt; wer kaufen wollte, hat es getan.

Im Gesamtvolumen spiegeln sich die unterschiedlichen Größenordnungen: Die Haspa vergab Neukredite von 6,3 Milliarden Euro, die KSK 3,8 Milliarden – proportional in etwa passend zu den jeweiligen Bilanzsummen. Die KSK legte um 20 Prozent zu, was für ein Konjunkturjahr mit 0,2 Prozent BIP-Wachstum auffällig ist. Apropos auffällig: Die Kreditvergabe an öffentliche Haushalte verdoppelte sich auf 462 Millionen Euro, nach 195 Millionen im Vorjahr. Das ist kein Kölner Einzelphänomen, sondern ein Zeichen für den strukturell wachsenden Finanzierungsbedarf der Kommunen – bundesweit.

Unterschiedlich war die Entwicklung bei der Risikovorsorge. Die KSK erhöhte sie moderat auf 46 Millionen Euro. Bei der Haspa stieg der Abschreibungsbedarf im Kreditgeschäft auf 130 Millionen Euro, weil die Zahl der Unternehmensinsolvenzen anzog. Die Haspa sprach das offen an, verwies auf ein robustes Kreditportfolio und plant für 2026 erneut 100 Millionen Euro Vorsorge ein. Die starken operativen Erträge tragen das – aber der Trend bei den Insolvenzen verdient Aufmerksamkeit.

Der stille ETF-Boom

Beide Institute machen Wertpapiergeschäft zur Strategie – und beide wachsen darin. Bei der KSK stieg der ETF-Umsatz um 52 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Indexfonds werden auch bei Sparkassenkunden zur ersten Wahl; der Anteil passiver Produkte am Gesamtumsatz von 9,5 Milliarden Euro steigt spürbar. Parallel dazu wuchs die hauseigene Vermögensverwaltung auf 6.685 Mandate mit 3,3 Milliarden Euro Volumen – das entspricht einem Drittel mehr Mandate als im Vorjahr. Wer beraten werden will, kommt zur Sparkasse; wer selbst entscheiden will, soll das künftig auch digital können.

Dafür steht „S-Neo“: ein App-Depot, das die KSK im ersten Halbjahr 2026 in die Sparkassen-App integrieren will – günstiger Wertpapierhandel, rund um die Uhr, ohne Berater. Trade Republic und Scalable Capital haben den Markt längst eröffnet; die Sparkassen kommen nach. Ob das spät ist oder rechtzeitig, hängt davon ab, wie viele ihrer Kunden sie bisher gehalten haben. Die Haspa setzt derweil auf die Kombination: Wertpapierberatung in allen 100 Filialen, gleichzeitig 540.000 mobile Banking-Nutzer. Fläche und App, nicht Entweder-oder.

Zwei Wege, eine Zukunft

Der Vergleich beider Institute führt nicht zu einem Urteil über besser oder schlechter. Er zeigt zwei verschiedene Entwicklungsphasen innerhalb desselben Modells. Köln wächst, investiert, rüstet sich für eine neue Regulierungsebene. Hamburg hat diese Phase durchlaufen und ernährt sich jetzt von den Ergebnissen.

Die KSK hat die Substanz, denselben Weg zu gehen. Ein Kreditwachstum von 20 Prozent, ein kräftiger Zufluss neuer Kundengelder, ein ETF-Boom und eine wachsende Vermögensverwaltung: Das Geschäft trägt. Was jetzt zählt, ist, dass der Aufbau der EZB-tauglichen Strukturen schnell genug läuft, um die höheren Kosten nicht zur Dauerlast werden zu lassen.

Die größere Herausforderung für beide Institute dürfte am Ende weniger in der Regulierung oder im Wettbewerb durch Neobroker liegen als in einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem viele Unternehmen noch immer zögerlich investieren. Dafür braucht es mehr als stabile Kernkapitalquoten: Es braucht Unternehmen, die wieder investieren wollen. Und eine Politik, die ihnen dabei nicht im Weg steht.