Spezialitäten für 2008

Jenseits der Masse werden einzelne Spezialmärkte zu den großen Gewinnern des neuen Börsenjahres gehören. DAS INVESTMENT stellt die Trends für 2008 vor.
Der Bitte, einen kurzen Ausblick für das Börsenjahr 2008 zu liefern, kommt Josef Kaesmeier gern nach. „Es wird wie 2007“, sagt der Leiter der Vermögensverwaltung bei der Münchner Privatbank Merck Finck und stiftet damit zunächst einmal Verwirrung. Wie 2007? So gut oder so schlecht? Auch 2008, mit dieser Meinung steht Kaesmeier durchaus nicht allein, wird ein gutes Börsenjahr werden. Aber es wird auch ein schwieriges und schlechtes Jahr.
Hohe Kursgewinne im Fernen Osten dürften auch 2008 mit massiven Kurskorrekturen einhergehen. Die Immobilienkrise in den USA bleibt auch 2008 eine alles beherrschende Altlast. Eine Rezession ist in den USA eher auszuschließen. Ebenso un- wahrscheinlich ist eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft in Japan. Die europäischen Märkte und die Börsen der Schwellenländer dürften erneut ein gutes Jahr erleben. Insgesamt fehlt es allerdings ein wenig an Kraft. Die Kreditkrise lässt Banken vorsichtiger werden, sie leihen ihr Geld nur noch zögerlich aus. Das bremst das Wachstum der Unternehmen.

Korrekturen aussitzen

Wie sollen Anleger sich in diesem Umfeld verhalten? Sie sollten nach wie vor ihr Vermögen breit und über alle Anlageklassen verteilen. Je nach Risikoneigung etwas mehr oder weniger Aktien und Aktienfonds. Langfristig orientierte Anleger sollten sich von kleinen Störfeuern nicht nervös machen lassen. Eine Lehre aus 2007 liefert auch die schnelle Erholung der Märkte: Den massiven Kursverlusten im Juli und August folgte besonders in den Schwellenländern eine rasante Rally.
Beim Alten bleibt jedoch im neuen Börsenjahr nicht alles. DAS INVESTMENT hat Experten nach Spezialitäten für 2008 gefragt. Was eignet sich als lohnende Beimischung innerhalb eines breit aufgestellten Portfolios? Befragt wurden Leiter der Vermögensverwaltung renommierter deutscher Privatbanken, etablierte Finanzexperten und Fondsberater. Axel-Adrian Roestel von der Berenberg Bank, Christoph Hott von Sal. Oppenheim, Carsten Mumm von der Donner Bank, Josef Kaesmeier vom Bankhaus Merck Finck, der Fondsmanager und Vermögensverwalter Jens Ehrhardt und Fondsberater Gerd Bennewirtz von SJB Fonds Skyline haben spannende Nischenthemen für das Börsenjahr 2008 geliefert. Diese stellt DAS INVESTMENT auf den kommenden Seiten vor.

Wachstumstreiber Asien


So unterschiedlich und widersprüchlich die Spezialitäten – Kohle und Gold, Technologie und Landwirtschaft sowie Währungen – ausfallen, die fünf Trends haben eine große Schnittmenge: das enorme Tempo der Globalisierung und den Hunger Asiens nach Rohstoffen. Keine der fünf Investment-Ideen lässt sich losgelöst vom Wachstum der Schwellenländer betrachten. Die aufstrebenden Länder Asiens werden auch 2008 den Takt im weltweiten Börsengeschehen angeben; und die vorgestellten Spezialitäten werden davon profitieren. Anleger sollten nur einen Tipp von Josef Kaesmeier beherzigen: „Schnallen Sie sich fester an, auf dem Weg nach oben könnte es ruckeln.“

TREND GOLD

Die Unfallversicherung


Gold ist auch 2008 eine ideale Gegenposition zum Dollar und eine Versicherung gegen Kapriolen am Aktienmarkt. Allerdings nur in der Vollkasko-Variante
„Wenn Sie 2007 nur ein Rohstoffinvestment machen können, wählen Sie Gold.“ Vor einem Jahr erklärte Peter Richardson das Edelmetall zur absoluten Nummer 1. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Auch 2008 ist Gold „die ideale Gegenposition zum Dollar und das einzige Edeloder Basismetall, für das kein bedeutsamer Anstieg der Förderung zu erwarten ist“, sagt der leitende Volkswirt der Deutschen Bank in Melbourne. Louise Yamada, Analystin bei der Citigroup, sieht den Goldpreis in zehn Jahren sogar bei 3.000 Dollar pro Feinunze.
Seit Januar 2007 stieg der Goldpreis (Stichtag: 28. November 2007) um 25 Prozent und steht vor dem siebten Jahresgewinn in Folge. Eine solche Strähne begann zuletzt 1971, als die USA den sogenannten Goldstandard – die Verpflichtung, den Dollar gegen Gold einzutauschen – endgültig aufgaben. Seit Ende 2000 ist der Goldpreis um 191 Prozent gestiegen. Diese Größenordnung wiederum erinnert an das Jahr 1979, als Gold gegenüber dem Vorjahr von 229 Dollar auf 541 Dollar zulegte und bis Januar 1980 auf einen Rekordstand von 850 Dollar anzog. Historisch sind die positiven Erwartungen der Anlageexperten durchaus begründet. In fünf der sechs jüngsten Dollar-Schwächen von mehr als 20 Prozent verzeichnete der Goldpreis einen Anstieg. Von Januar 1971 bis Juli 1973 verteuerte sich Gold um 22 Prozent, von Juni 1976 bis Oktober 1978 gar um 95 Prozent. Von Februar 1985 bis Ende 1987 führte ein fallender Dollar dazu, dass das Edelmetall um 40 Prozent im Preis anzog, von Juni 1989 bis September 1992 um 6 Prozent und von Juli 2001 bis Dezember 2004 um 83 Prozent. „Gold ist 2008 eine Unfallversicherung gegen Kapriolen an den Aktienmärkten“, sagt Josef Kaesmeier von Merck Finck.
Anleger sollten seiner Meinung nach jedoch den Vollkaskoschutz wählen und ihr Goldinvestment gegen einen weiteren Verfall des Dollars schützen. Die in der Tabelle angeführten Quanto-Zertifikate klammern das Währungsrisiko aus. Bis zu 2,85 Prozent an Gebühren kostet dieser Schutz pro Jahr. Eine Investition, die sich für 2007 ausgezahlt hätte. Das abgesicherte Zertifikat von Société Générale ließ die ungesicherte Variante bis Ende November 2007 um 12 Prozentpunkte hinter sich. Gold ist längst nicht mehr nur eine Krisen-, sondern auch eine Konsumwährung. Der hohen Nachfrage steht kaum ein adäquates Angebot gegenüber. Gleichzeitig strömen immer mehr Investoren auf den Goldmarkt: 2008 plant die Börse Dubai das Listing eines Gold-Indexfonds. Schon 2007 stieg die Nachfrage vergleichbarer Gold-ETFs und ähnlicher Produkte von 19 auf 138 Tonnen.

Gold statt Goldminen

Von einem Gold-Investment über den Aktienmarkt und den Kauf von Minentiteln rät Kaesmeier ab: „Fällt der Dollar weiter, bekommen die Minenbetreiber weniger für ihr Gold. Gleichzeitig müssen die Unternehmen, etwa in Afrika, die Arbeiter in Lokalwährungen bezahlen, die gegenüber dem Dollar aufwerten.“

TREND AGRARWIRTSCHAFT 

Erntedankfest

Mit Fonds und Zertifikaten, die auf Unternehmen der Agrarwirtschaft setzen, können Anleger 2008 eine reiche Ernte einfahren
Die Deutsche Börse betreibt Feldforschung: Am 16. Juli gab sie den Startschuss für den Daxglobal Agribusiness. Der Feld-Wald-und-Wiesen-Index setzt auf die Aktien von 40 internationalen Unternehmen, die ihr Geld in der Landwirtschaft verdienen. Weil Traktoren-, Saatgut- und Düngemittelhersteller seit längerem unternehmerische Erntedankfeste feiern, sind inzwischen auch entsprechend ausgerichtete Fonds und Zertifikate am Markt. In der Landwirtschaft war mit Aktien in der Vergangenheit mehr zu verdienen als mit reinen Rohstoffinvestments. Der Rogers International Agriculture Commodity Index stieg zwischen 2004 und 2007 um knapp 25 Prozent. Aktien von Agrarunternehmen stiegen im gleichen Zeitraum größtenteils um über 100 Prozent.
Ein Ende dieser Entwicklung ist Experten zufolge nicht absehbar. „Die Agrarwirtschaft ist ein Megatrend, und ich rechne auch für 2008 mit weltweit drastischen Erhöhungen der Nahrungsmittelpreise“, sagt Jens Ehrhardt. Umfragen geben dem Fondsmanager und Chef der Vermögensverwaltung Dr. Jens Ehrhardt recht. Einer aktuellen Studie des Deutschen Bauernverbandes zufolge planen 45 Prozent der Befragten für 2008 Investitionen. Die Investmentbank Bear Stearns kommt in einer Erhebung unter US-Farmern zu ähnlichen Ergebnissen: Dort gaben sogar 57 Prozent an, 2008 Ausrüstung kaufen zu wollen.
Und in Osteuropa wartet ein Heer von alten, rostigen Traktoren auf Ersatz. Das freut Landmaschinenhersteller und Anleger. In den vergangenen zwölf Monaten haben beispielsweise Aktien des Traktorenkonzerns John Deere über 60 Prozent zugelegt.
Von einer Direktanlage in die Rohstoffe sollten Anleger 2008 jedoch absehen. Die erwarteten Preissteigerungen sind in den meisten Future-Kursen bereits enthalten Hintergrund ist der sogenannte Contango- Effekt: Die Rohstoffe, die heute noch gar nicht gesät sind, sind bereits teurer als die, die es heute zu kaufen gibt.

Agrar-Aktien statt Rohstoffe

„Die Wertentwicklung entsprechender Rohstoffzertifikate ist daher miserabel“. sagt Fondsmanager Ehrhardt. Er rät An le - gern, sich über Aktien der weltweiten Agrarwirtschaft zu nähern. In den entsprechenden Fonds und Zertifikaten befinden sich Unternehmen, die die gesamte Wertschöpfungskette der Landwirtschaft abdecken: Düngemittel- und Saatguthersteller, die Traktorenkonzerne, Logistikunternehmen der Lebensmittelindustrie und börsennotierte Farmen und Viehtransportunternehmen.
Ein Vorteil des sehr konzentrierten DWSGo- Zertifikats (16 Werte) ist das aktive Management. ABN Amro überprüft seinen Index vierteljährlich, HSBC sogar nur zweimal im Jahr. Eine starre Indextreue oder fehlende Managementleistungen können Anlegern auch in der Landwirtschaft schnell die Ernte verhageln.

TREND TECHNOLOGIE

Nach Stau kommt Schub


China statt Chips und Bric statt Bytes – der Technologiebereich brachte 2007 wenig Performance und kaum Schlagzeilen. Das dürfte sich 2008 ändern Aktien der großen Technologiewerte sind in den vergangenen Jahren deutlich schlechter als der breite Markt gelaufen. Diese Entwicklung dürfte 2008 ein Ende haben. „Wir rechnen für die kommenden Jahre mit einer Outperformance der Branche“, erklärt Cars - ten Mumm, Leiter des Portfoliomanagements bei der Hamburger Donner Bank. Viele Gründe sprechen dafür. So dürften Technologieunternehmen unter anderem von tendenziell steigenden Preisen für Rohstoffe und Energie profitieren. Mumm: „Dadurch fokussieren sich Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe stärker auf die Steigerung ihrer Produktivität durch technischen Fortschritt und investieren in dieses Segment.“
Steigt der Strompreis, werden Computer und Maschinen gekauft, die weniger Energie verbrauchen. Bei anderen Unternehmen wiederum haben die hohen Ausgaben für Energie und Rohstoffe zu einem Investitionsstau zulasten neuer Technologien geführt. Dieser Stau sollte sich 2008 in einen Schub umkehren. Jedoch ist das Fondsuniversum alles andere als überschaubar. Deutschen Investoren stehen über 100 Technologiefonds offen. Diese sind ebenso variantenreich wie die Branche selber.
In zwei große Gruppen lassen sie sich dennoch aufteilen. Regionale Technologiefonds haben einen klaren Länderfokus und nutzen das konzentrierte Wachstumspotenzial der Innovationszentren in den USA, Europa und Asien. Internationale Tech- Fonds sind Branchenfonds im klassischen Sinne. Sie investieren durchweg in die großen internationalen Unternehmen. Dabei reicht das Spektrum von Industrieanlagen über Mobiltelefone bis hin zur Nanotechnologie. Unter den regionalen Fonds finden Experten ihre Favoriten in Europa. Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer der Vermögensverwaltungsgesellschaft SJB Fondssykline, hat zwei klare Lieblinge: den UBS European Smaller Technology und den Nestor Euro Tec.

Kleine Fonds, große Unternehmen


Dass der Nestor-Fonds lediglich ein Volumen von knapp 5 Millionen Euro hat und auch der UBS-Fonds mit 95 Millionen kein Schwergewicht ist, stört Bennewirtz nicht; im Gegenteil: „Das geringe Volumen ist nach der Konsolidierung der Branche ein Vorteil, weil das Management nicht befürchten muss, an Investitionslimits zu stoßen.“ Positiv findet der Berater auch den hohen Deutschlandanteil von 80 (UBS) und fast 85 Prozent (Nestor). „Das Management beweist seinen bewährten Instinkt für die unterbewerteten deutschen Technologietitel.“ Weniger zu empfehlen seien die beiden Fonds jedoch Anlegern, die bereits einen hohen Deutschland-Anteil im Portfolio haben.
In diesem Fall sind internationale Produkte wie der Carmignac Innovations die bessere Wahl. Dessen Manager Rajesh Varma steigerte den Anteilspreis in den vergangenen drei Jahren um durchschnittlich 11,5 Prozent. Die Schwankungsbreite des Fonds lag in den vergangenen Jahren nur bei knapp über 10 Prozent – ein Verdienst von Varmas konsequent antizyklischem Investmentansatz.
„Diesen Fonds zeichnet ein ausgezeichnetes Risikomangement aus“, sagt Bennewirtz. „Nicht nur die breite Streuung steht im Vordergrund, sondern auch die Suche nach klar unterbewerteten Titeln.“ Ähnliches gilt für die im Drei- Jahres-Vergleich auf den Plätzen 2 und 3 folgenden Fonds Janus Global Technology und M&G Global Technology. Die drei globalen Tech-Fonds sollten vom bevorstehenden Investitionsschub profitieren.
Gleichzeitig sind US-Technologieunternehmen so günstig wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Im Angebot sind Substanzwerte zu Discountpreisen. Deshalb rät Bennewirtz, den Blick durchaus über 2008 hinaus zu richten: „Auch wer langfristig für die Altersvorsorge investiert, sollte diese Technologiefonds mit bis zu 10 Prozent des Depots gewichten.“

TREND WÄHRUNGEN

Real, Kwache und Cedi


Wirtschaft stark, Wachstum hoch, Währung hart – vom Boom in den Schwellenländern profitieren die Lokalwährungen. Entsprechende Rentenfonds sind eine attraktive Portfolio-Ergänzung
Besonders in Asien sind die Währungen stark gestiegen. Die indische Rupie hat 2007 gegenüber dem US-Dollar um 12 Prozent zugelegt (Stand: 20. November 2007). So stark ging es zuvor in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht aufwärts. Der chinesische Yuan kletterte gegenüber dem Dollar um 5 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Anstieg seit Ende der Dollar-Bindung 2005. „Die Länder haben mehr Vertrauen in ihr Wachstum bekommen“, sagt Christoph Hott. „Das erlaubt ihnen, die Kontrolle über die Wechselkurse zu lockern“, so der Leiter des Private Bankings bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim weiter.
Hott ist auch für 2008 optimistisch für die Lokalwährungen der Schwellenländer. Sein Rat: „Investitionen in Lokalwährungsanleihen sind kein Ersatz für einen Aktienfonds der Schwellenländer; wohl aber eine sehr sinnvolle Ergänzung.“
Für deutsche Renten-Anleger war ein Engagement in den brasilianischen Real, den südafrikanischen Rand, die Währungen Asiens, aber auch in noch exotischere Zahlungsmittel wie die sambische Kwache oder den Cedi aus Ghana in der Vergangenheit nur bedingt möglich. Schwellenländer- Rentenfonds investieren zwar in Anleihen entsprechender Länder; allerdings lauteten die Schuldscheine bisher größtenteils auf Euro oder Dollar. Zins- und Kursgewinne sind mit diesen Anleihen und entsprechenden Fonds möglich; eine Wette auf die Entwicklung der Lokalwährung indes nicht.
In den vergangenen Jahren sind die Staaten Osteuropas, Asiens, Lateinamerikas und Afrikas aber dazu übergegangen, Anleihen in ihrer jeweiligen Lokalwährung aufzulegen. Neben den Zinsen sind es gerade Währungsgewinne gegenüber dem Euro und besonders dem Dollar, die zu diesen Renditen beitragen. Lokalwährungsfonds aus dem Hochzinsbereich investieren in diese Papiere. Ziel der Fondsmanager ist es, die lokalen Zinsniveaus auszunutzen, um so einen Mehrertrag gegenüber einem europäischen Geldmarktinvestment zu erreichen.
Zumindest vom groben Aufbau her ähneln sich die Fonds: Investiert wird nur in Lokalanleihen mit kurzer Restlaufzeit von maximal 24 Monaten. „Die Auswahl an Anleihen ist noch recht gering, es überwiegen Papiere mit kurzer Laufzeit“, begründet Stephan Hirschbrich, Manager des Uni Wirtschaftsaspirant von Union Investment, diese Auswahl.

Das Risiko ist der Dollar

Als zweiten Grund führt Hirschbrich die Unabhängigkeit von künftigen Zinsentscheidungen an. Dabei sollen einige Anleihen einen stabilen Zinsertrag liefern, andere wählt er wegen zu erwartender Währungsgewinne aus. Hirschbrich: „Das Ägyptische Pfund etwa ist sehr stabil, die Erträge kommen durch die Zinsen der Anleihen. Papiere aus Asien liefern dagegen einen wesentlich höheren Beitrag durch die erwartete Aufwertung der Landeswährungen.“
Ein Unsicherheitsfaktor für die Lokalanleihe- Fonds kommt von außen: der Dollar. „Wir hatten die richtigen Währungen im Portfolio und haben zudem aktiv gegen den Dollar gewettet“, erläutert Fondsmanager Anton Hauser. Er sicherte das Portfolio seines Espa Cash Emerging Markets mit Termingeschäften gegen die Währungsschwankungen ab.
Auch Union-Manager Hirschbrich lässt sich durch das Euro-Dollar-Verhältnis nicht die Performance vermiesen: „Durch die Absicherung haben wir uns die auf den Dollar bezogene Aufwertung der meisten Schwellenländerwährungen nahezu eins zu eins ins Portfolio geholt.“

TREND KOHLE

King Coal

Tief im Westen ist Kohle schon fast Geschichte. Im Fernen Osten erlebt der Rohstoff dagegen eine Renaissance
Öl, Gas und Uran – die Preise für die drei Energieträger sind in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Die Preisentwicklung bestimmte die öffentliche Diskussion, und besonders die stark steigenden Rohölpreise beunruhigten Investoren und Verbraucher gleichermaßen.

Erstmals importiert China Kohle


Über einen anderen Energieträger war dagegen kaum etwas zu lesen: Kohle. Der fossile Brennstoff hat in den vergangenen 20 Jahren besonders in den Industrienationen stark an Bedeutung verloren. In den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens erlebt der Rohstoff aber eine Renaissance. „Kohlekraftwerke sind schnell und günstig zu bauen, daher ist besonders in den Schwellenländern die Nachfrage sehr hoch“, sagt Axel- Adrian Roestel, Energie-Experte bei der Berenberg Bank. In China werden über 70 Prozent des Stroms aus der Verbrennung von Kohle erzeugt. Tendenz stark steigend.
Schon heute sind China und Indien für 45 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Kohle verantwortlich. Zum ersten Mal überhaupt hat China 2007 mehr Kohle importiert als exportiert. Hintergrund ist der steigende Energiebedarf der rasant wachsenden Volkswirtschaft. Da im Sommer immer mehr Klimaanlagen benutzt werden, legte die Nachfrage nach Strom zuletzt deutlich zu. Die International Energy Agency (IEA) erwartet bis 2030 einen Anstieg der weltweiten Nachfrage um 73 Prozent. Dem Center for Strategic & International Studies ist diese Schätzung zu vorsichtig. Die Nachfrage werde sich bereits bis 2025 verdreifachen, so die US-Wissenschaftler.

Kohle wird sauberer und flüssig


Der Kohlepreis spiegelt diese Erwartungen noch nicht wider. Er liegt noch deutlich unter dem Niveau von vor drei Jahren. Mehrere Faktoren sprechen für einen Anstieg des Kohlepreises: Neben der herkömmlichen Stromerzeugung wird Kohle auch für die globale Stahlproduktion und die Herstellung von Kraftstoffen immer wichtiger. Die Kohleverflüssigung und -vergasung rentiert sich aktuell wegen des hohen Ölpreises. 2007 hat China bereits eine erste auf diese sogenannte CTL-Technologie spezialisierte Anlage in Betrieb genommen.
Gleichzeitig steigen die Transportkosten für den Rohstoff, was sich auf den Endpreis auswirken sollte. Die Verschiffung einer Tonne Kohle von Australien nach Japan kostet inzwischen mehr als 20 Dollar; 46 Prozent mehr als noch vor zwölf Monaten. Ein zusätzlicher Preisauftrieb sollte auch durch Finanzinvestoren erfolgen. Roestel: „Sobald die Bedeutung einer Ware steigt, erhöht sich auch das Interesse von Investoren.“
Da Kohle noch nicht an einer Rohstoffbörse gehandelt wird, bietet sich für Privatanleger nur ein Umweg über das Aktienparkett an. Empfehlenswert ist ein Zertifikat von ABN Amro (WKN: AA0 BWB). Es setzt auf den World Coal Index und ist derzeit das einzige Zertifikat, das alle weltweit wichtigen Kohleunternehmen in einem Korb bündelt. Der Index setzt auf 15 Unternehmen – vorwiegend aus China und den USA. Seit Auflage im Dezember 2006 hat er um 54 Prozent zugelegt.

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