Unabhängige wissenschaftliche Studien belegen, dass sich mit Spin-Offs Mehrrenditen erzielen lassen. Viele erfolgreiche Investoren – darunter Joel Greenblatt, Peter Lynch und Seth Klarman – sehen Spin-Offs als sich lohnende Anlagechancen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Anlagen handelt es sich hier nicht um einen kurzfristigen Trend, sondern um ein Marktsegment und zugleich um ein strukturelles Phänomen: Spin-Offs haben über die vergangenen fünf Jahrzehnte besser abgeschnitten als die Gesamtmärkte und in den ersten zwölf bis 36 Monaten nach Abspaltung positive und ökonomisch signifikante Überrenditen produziert (siehe Tabelle unten).
Ob Inflation oder Deflation vorherrschten, Growth oder Value en vogue waren, Large Caps gegenüber Small Caps bevorzugt wurden oder vice versa: Das Marktregime spielte bei Anlagen in Spin-Offs keine Rolle. Somit lohnt es sich, einen genaueren Blick auf das Segment der Spin-Offs zu werfen.
Zusammenfassung von diversen Studien zur Mehrrendite von Spin-Offs:
Was ist ein Spin-Off?
Als Spin-Off (Abspaltung) bezeichnet man die Ausgliederung eines Unternehmensbereichs in eine eigenständige Gesellschaft, deren Aktien anteilig an die Aktionäre der Muttergesellschaft ausgegeben werden.
Wie in der nachfolgenden Grafik ersichtlich, besitzen die Aktionäre in der Ausgangssituation ausschließlich Anteile an der Muttergesellschaft. Mit dem Vollzug der Transaktion erfolgt eine anteilige Verteilung der Aktien der Tochtergesellschaft an die bisherigen Aktionäre der Muttergesellschaft. Dadurch entstehen zwei eigenständige Unternehmen mit identischer Eigentümerstruktur.
Nach Abschluss der Abspaltung agiert das abgespaltene Unternehmen unabhängig am Markt und verfügt über eigene Organe, eine eigene Geschäftsführung, Verwaltung sowie eigenständige Berichterstattung.
Ablauf einer Abspaltung mittels Spin-Off:
Neben dem klassischen Spin-Off gibt es weitere Varianten:
- Split-Off: Aktionäre tauschen ihre bisherigen Aktien gegen Anteile der Tochtergesellschaft.
- Equity Carve-Out: Ein Teil der Anteile wird an der Börse verkauft.
- Reverse Morris Trust: Steuerneutrale Fusion mit einem anderen Unternehmen nach der Ausgliederung.
Große Konzerne wie General Electric (GE), Novartis oder ABB haben sich in den letzten Jahren für Spin-Offs entschieden. GE teilte sein Geschäft in drei unabhängige Bereiche auf: GE HealthCare Technologies (Herstellung und Wartung von Bildgebungstechnologien zur Diagnostik), GE Vernova (Herstellung von Wind- und Erdgasturbinen und anderer Energieinfrastruktur) und GE Aerospace (Produktion und Wartung von Düsen-Triebwerken und Verteidigungssystemen). Der Pharmakonzern Novartis spaltete mit Sandoz seine Generika- und Biosimilarsparte ab, während der Energie- und Automationstechnologiekonzern ABB mit Accelleron seine Turboladersparte ausgliederte. Die Ziele dahinter: Fokussierung, Wertsteigerung und effizientere Unternehmensführung.
Gründe für Spin-Offs
Spin-Offs erfolgen aus verschiedenen strategischen Motiven:
- Fokussierung aufs Kerngeschäft: Unternehmen können ihre Ressourcen gezielter einsetzen.
- Optimale Kapitalstruktur: Jede Einheit kann ihre Finanzierung unabhängig gestalten.
- Wegfall des Konglomeratsabschlags: Reine Geschäftsmodelle sind oft höher bewertet.
- Bessere Vergütungssysteme: Mitarbeiterbeteiligung lässt sich gezielter gestalten.
- Akquisitionswährung: Neue Aktien können für Zukäufe genutzt werden.
Ein Spin-Off bringt viele Chancen mit sich: bessere Transparenz für Investoren, höhere Marktbewertung beider Einheiten und mehr unternehmerische Agilität.
Es gibt auch defensive oder kritische Gründe, warum Spin-Offs durchgeführt werden, z. B. Abtrennung margenschwacher Bereiche oder juristisch belasteter Geschäftseinheiten.
Dabei ist es von großer Bedeutung, die „guten“ von den „schlechten“ Spin-Offs zu trennen. Wichtig ist dabei u.a., aus welchem Grund ein Spin-Off angestrebt wurde.
Die Dynamik von Spin-Offs
Zahlreiche Studien zeigen ein wiederkehrendes Muster in der Kursentwicklung von Spin-Offs: Während sie auf ein bis drei Jahressicht oft eine deutliche Überrendite erzielen, verzeichnen sie in den ersten drei Monaten nach der Abspaltung meist eine unterdurchschnittliche Performance (siehe Grafik).
Mehrrendite von Spin-Offs im Zeitablauf (1989 bis 2016):
Die kurzfristige Schwäche lässt sich vor allem durch Verkaufsdruck erklären, der aus drei Hauptgründen entsteht:
- Desinteresse der bestehenden Aktionäre: Viele Anleger haben kein Interesse an der neu erhaltenen Aktie, da sie ursprünglich nur in den Gesamtkonzern investieren wollten – insbesondere Kleinanleger verkaufen häufig direkt.
- Verkäufe durch indexorientierte Investoren: Da Spin-Offs meist nicht in denselben Indizes enthalten sind wie der Mutterkonzern, müssen passive Investoren wie ETFs ihre Anteile abgeben.
- Geringe Analystenabdeckung: Anders als bei Börsengängen erhält das Spin-Off keine frischen Mittel und es fehlt oft an aktiver Vermarktung an potenzielle Investoren. Ohne ein finanzielles Anreizsystem fehlt Analysten und Investmentbanken zunächst das Interesse, die Aktie zu bewerten oder zu begleiten.
Diese Phase führt oft zu unterdurchschnittlicher Performance in den ersten drei Monaten – bietet aber auch Chancen für gut informierte Anleger. Sobald sich das Unternehmen am Markt etabliert und erste Erfolge zeigt, folgen oft starke Kursanstiege.
Fazit: Spin-Offs als Nische mit Potenzial
Spin-Offs sind mehr als reine Strukturmaßnahmen, sie können wertvolle Investitionschancen darstellen. Wer versteht, warum eine Abspaltung erfolgt, welche Strategie das neue Unternehmen verfolgt und wann der richtige Einstiegszeitpunkt ist, kann überdurchschnittliche Renditen erzielen.
Wichtig bleibt: Nicht jeder Spin-Off ist ein Erfolg – eine gezielte Auswahl und Analyse sind entscheidend.
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