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SRI-Experte Constantin Lisson: Was bei nachhaltigen Geldanlagen zu beachten ist | © Liqid

SRI-Experte Constantin Lisson Was bei nachhaltigen Geldanlagen zu beachten ist

Schon seit vielen Jahren gibt es Fonds, die sich der Anlage in nachhaltige Unternehmen verpflichtet haben. Viele Anleger machen hierbei den Fehler, zu vermuten, dass ein nachhaltig agierendes Unternehmen automatisch auch wirtschaftlich attraktiv ist. Tatsache ist: Nachhaltige Unternehmen sind grundsätzlich mit denselben Wertschwankungen behaftet wie solche, die nicht anhand von Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt wurden.

Anleger sollten deshalb auch bei der nachhaltigen Kapitalanlage auf eine möglichst breite Streuung des Kapitals sowie auf die Kostenquote und die Transparenz in der Wertpapierauswahl durch den Fondsmanager achten. Hier unterscheiden sich klassische Nachhaltigkeitsfonds erheblich von den inzwischen ebenfalls verfügbaren nachhaltigen börsengehandelten Indexfonds (ETFs).

Traditionelle Nachhaltigkeitsfonds, wie es sie bereits seit vielen Jahren gibt, betreiben eine positive Auswahl von Zielunternehmen oder Emittenten. Das bedeutet oft, dass konzentriert in solche Unternehmen investiert wird, die besonders nachhaltig wirtschaften. Natürlich kann ein Fondsmanager nur eine begrenzte Anzahl von Unternehmen überhaupt näher untersuchen, um keine übermäßig hohen Kosten zu verursachen; daher fällt die Wahl häufig auf Unternehmen, bei denen sich die Nachhaltigkeit bereits aus dem Geschäftszweck ergibt, wie zum Beispiel Windparkbetreiber.

Selbst vorbildlich nachhaltig agierende Industriebetriebe, die sich nicht explizit nachhaltigen Zwecken widmen, sind hingegen oft nicht Teil solcher Portfolios. Eine solche Auswahl anhand von Positivkriterien führt zu kaum diversifizierten Portfolios und zu Konzentrationsrisiken, da Unternehmen bestimmter Branchen überrepräsentiert sind. Solche Portfolios sind womöglich sogar riskanter als solche, die ohne die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien zusammengestellt wurden.

Teilweise rückt bei klassischen Nachhaltigkeitsportfolios zudem die Prüfung der Zielunternehmen auf Wirtschaftlichkeit in den Hintergrund; es wird gleichsam angenommen, dass die Nachhaltigkeit eine hinreichende Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg sei. Zwar gibt es erste empirische Hinweise darauf, dass nachhaltig agierende Unternehmen in der Vergangenheit höhere Renditen erzielt haben als solche, die keine Nachhaltigkeitsziele verfolgen.

Da die Renditehistorien von Nachhaltigkeitsprodukten aber oft nicht ausreichend zurückreichen, sind solche Ergebnisse skeptisch zu beurteilen. Bei den historischen Überrenditen nachhaltiger Unternehmen kann es sich auch um einen stichprobenspezifischen Effekt und weniger um eine Regelmäßigkeit handeln. Die Erwartung einer Überrendite in nachhaltigen Portfolios könnte dann enttäuscht werden. Vernünftiger ist wohl die Zielsetzung, unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien ein Chance-Risiko-Profil zu erreichen, dass dem einer nicht-nachhaltigen Kapitalanlage gleichkommt.

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