Staatsanleihen – höhere Renditen verzweifelt gesucht

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Insbesondere die Bonität einiger südlicher Euro-Staaten ist nicht mehr über jeden Zweifel erhaben. Seit Ausbruch der Griechenland-Krise mehren sich die Herabstufungen durch Ratingagenturen. International agierende Rentenfondsmanager blicken deshalb vermehrt nach Übersee. Speziell US-Bonds sind aus keinem weltweit ausgerichteten Anleiheportfolio wegzudenken. Aber rechtfertigen die Dollarpapiere dieses Vertrauen? Schließlich stecken auch die USA im Schuldensumpf. Immerhin überstiegen ihre Verbindlichkeiten zum Jahreswechsel die unvorstellbare Marke von 15.000 Milliarden US-Dollar.

Führungsmacht USA

In Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) haben die Vereinigten Staaten höhere Verbindlichkeiten angehäuft als Deutschland, Frankreich oder auch Spanien. Trotzdem sind amerikanische Anleihen sehr begehrt. Denn ob ein Staat seinen Verpflichtungen nachkommen kann, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Und hier können die Vereinigten Staaten punkten. Ihre Notenbank ist autonom und handelt pragmatisch. Der große Binnenmarkt, die wachsende Bevölkerung und den Weltmarkt anführende Technologiekonzerne sichern den USA eine Vormachtstellung unter den etablierten Industriestaaten.

Dank ihrer niedrigen Steuerquote hat die größte Volkswirtschaft der Erde noch ein weiteres As im Ärmel. Eine Anhebung der Steuersätze könnte den Staatshaushalt stark entlasten. Bisher haben sich Demokraten und Republikaner jedoch nicht auf entsprechende Maßnahmen geeinigt. Steuererhöhungen sind in den USA extrem unpopulär.

Vor dem Hintergrund des Streits um eine Schuldenbremse entzog Standard and Poor´s den USA im Sommer 2011 das Triple-A-Rating. Das US-Schatzamt nahm die schlechtere Bonitätsnote gelassen hin. Amerikanische Staatsanleihen lassen sich bis heute problemlos platzieren. Das langfristige Zinsniveau ist sogar weiter gesunken. Ein Grund: Der US-Dollar erlebt als Anlagewährung derzeit eine Renaissance. Großinvestoren gehen heute mehr denn je davon aus, dass der US-Dollar seine Rolle als internationale Weltleitwährung verteidigt.    

Währungschancen für Fondsanleger

Auch für deutsche Anleger lohnt ein Blick auf andere Kontinente. Denn Staatsanleihen aus unterschiedlichen Währungsräumen stellen ein probates Mittel der Risikostreuung dar. Wer nicht alles auf die „Euro-Karte“ setzen möchte, ist daher mit internationalen Rentenfonds gut bedient. Insbesondere mit US-Papieren fuhren die Investoren dabei zuletzt sehr gut. Zum einen sank das Renditeniveau, was bei lang laufenden Zinstiteln Kurssteigerungen mit sich brachte. Je nach Einstiegszeitpunkt fielen zusätzlich auch Währungsgewinne an.

Denselben Effekt erzielten Investoren aus dem Euroraum mit japanischen Staatsanleihen, die in internationalen Rentenfonds ebenfalls prominent vertreten sind. Zwar werfen Yen-Papiere bereits seit langem kaum noch Zinsen ab. Allerdings wertete der Yen zum Euro in den zurückliegenden drei Jahren stark auf. Hieraus resultierten Währungsgewinne, die die dürftigen Zinseinkünfte mehr als wettmachten.          
 
Stellschrauben nutzen

Selbstverständlich kann das Pendel auch in die andere Richtung ausschlagen. So entstehen Einbußen, wenn eine Anlagewährung gegenüber dem Euro nachgibt oder wenn das allgemeine Zinsniveau steigt. Letzteres gleicht der Markt durch entsprechende Kursrückgänge umgehend aus.

Einem Rentenfondsmanager stehen jedoch mehrere Möglichkeiten offen, diese Schwankungen abzumildern. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei die Auswahl der richtigen Laufzeiten, auch Durationsmanagement genannt. Erwartet ein Portfoliomanager steigende Renditen, wird er Zinstitel mit vergleichsweise kurzen Restlaufzeiten wählen. Hierdurch lassen sich von Zinssteigerungen verursachte Kursschwankungen erheblich dämpfen. Gleichzeitig steht das investierte Kapital wieder früher für Neuanlagen zu Verfügung. Bei zwischenzeitlich gestiegenen Renditen wird dieses Geld dann Schritt für Schritt in höher verzinsliche Papiere umgeschichtet (hier geht´s zum Interview).

Darüber hinaus hat die Globalisierung wachstumsstarke Volkswirtschaften hervorgebracht, deren Anleihemärkte ein besonders attraktives Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen. Momentan erfreuen sich Zinspapiere aus den Schwellenländern wachsender Beliebtheit. Aber auch die rohstoffreichen Nationen lohnen ein Investment. So wachsen z. B. Australien und Brasilien teilweise deutlich stärker als die etablierten Industriestaaten. Entsprechend höher liegt auch die laufende Verzinsung, die mit den dortigen Lokalwährungsanleihen zu erzielen ist.

Boomt die Konjunktur, können andererseits steigende Inflationsraten an der Rendite nagen. Ein versierter Portfoliomanager wird daher die volkswirtschaftlichen Rahmendaten der unterschiedlichen Anlageregionen im Auge behalten und bei Bedarf in konservativere Investments umschichten.

Aus Sicht eines ertragsorientierten und sicherheitsbewussten Anlegers stehen die klassischen Anlagewährungen Dollar-Euro-Yen weiterhin im Mittelpunkt einer international diversifizierten Rentenstrategie. Allerdings nimmt der Anteil der aufstrebenden BRIC-Staaten am weltweiten Volkseinkommen von Jahr zu Jahr zu. Die Gewichtung eines international ausgerichteten Staatsanleihen-Portfolios wird sich daher in einigen Jahren wohl deutlich stärker an den Wirtschaftsmächten Asiens und Südamerikas orientieren.

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