Chris Hofmann (Gastautorin)Lesedauer: 5 Minuten

Trotz Renditen unter null „Staatsanleihen schützen – sogar jetzt“

Aktienhändler an der Börse in New York im September 2008, mitten im Crash
Aktienhändler an der Börse in New York im September 2008, mitten im Crash: In dem Jahr hätten Staatsanleihen vor Verlusten geschützt. | Foto: imago images / photothek

Jahrzehntelang galt die Aufteilung des Vermögens auf Aktien und Anleihen als Erfolgsgarant für die Kapitalanlage. Bereits seit den 50er Jahren wurde etwa für Privatanleger in den USA eine Aufteilung auf 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen als goldene Regel für den Portfolio-Mix angesehen. Andere Ansätze präzisierten die Aufteilung mit Blick auf die individuelle Risikoneigung und den Zeithorizont. Während der Aktienanteil im Depot für eine langfristig attraktive Rendite sorgen sollte, lieferten Anleihen zwar keine hohen, aber doch regelmäßige Erträge. Vor allem aber schützten sie das Depot vor hohen zwischenzeitlichen Wertverlusten.

Chris Hofmann, Vanguard

Mittlerweile stellen immer mehr Anleger die 60/40-Regel und vergleichbare Allokations-Ansätze infrage. Schließlich werfen Staatsanleihen heute deutlich niedrigere Renditen ab als noch vor fünf oder zehn Jahren. Weiterhin rentiert ein erheblicher Teil europäischer Staatsanleihen negativ. In den Augen vieler Marktteilnehmer verschärft das eine Situation, in der die Papiere ihr Diversifizierungspotenzial ohnehin bereits eingebüßt haben und Verluste durch fallende Aktienkurse nicht mehr abfedern können.

Zunehmend wenden sich Anleger daher von den traditionellen sicheren Häfen der Rentenmärkte ab und weichen und auf Segmente aus, die weiterhin akzeptable Erträge versprechen. Oft werden hier Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich ins Spiel gebracht.

Tatsächlich haben geringe oder gar negative Renditen jedoch nichts daran geändert, dass Staatsanleihen ein gemischtes Portfolio in aller Regel besser stabilisieren als Unternehmensanleihen. Eine Analyse der Korrelation zwischen unterschiedlichen Anleihesegmenten und Aktien in Deutschland sowie ihrer Wertentwicklung in Bärenmärkten und bei Kurskorrekturen am Aktienmarkt zeigt, dass Staatsanleihen auch im Niedrigzinsumfeld zur Diversifikation unverzichtbar bleiben.

Grundsätzlich ist die Stärke der Korrelation zwischen zwei Assetklassen ein wichtiger Indikator für die Diversifikationsvorteile, die Anleger durch ein entsprechendes Mischportfolio erzielen können. Besonders groß ist der Effekt, wenn Anlageklassen negativ korrelieren, Kursverluste in der einen also mit Kursgewinnen in der anderen Anlageklasse einhergehen.

Mehr zum Thema
GeldanlagenDas denken die Deutschen über Aktien
Frisch aufgelegtDas sind die Produktneuheiten der Woche
September 2021Deutschlands größte Fondsstatistik