Staatsanleihen: Short oder gar nicht

Staatsanleihen: Short oder gar nicht

Investoren haben eine sehr beeindruckende Schwäche für Blasen. Diesmal ereilt es den als sicher angesehenen Sektor der Staatsanleihen, hier vor allem die der Bundesrepublik Deutschland und der USA. Die allgemeine Panik an den Finanzmärkten ließ die Kurse der Staatspapiere kräftig steigen und den Rex-P Index, der die Entwicklung eines Portfolios aus Bundesanleihen abbildet, 2008 um mehr als 10 Prozent zulegen. Die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe sank erstmalig unter die Marke von 3 Prozent. Was soll man aber hier noch erwarten? Nichts.

Die Bundesregierung muss den Markt bald mit Anleihen fluten, wenn sie die beiden geplanten Konjunkturpakete finanzieren will. Das wird das Angebot schlagartig ausweiten und die Kurse in den Keller treiben. Hier also gilt: lieber ein klassisches Festgeld als eine Staatsanleihe.        

„Bund“-Short-Spekulation Den Rex-P zu shorten, ist mangels Angebot nicht möglich. Alternativ bieten Zertifikatehäuser diverse Short-Papiere auf den Bund Future an. Der bildet die Kurserwartung am Terminmarkt für eine theoretische Bundesanleihe mit einem Zinskupon von 6 Prozent und einer Laufzeit zwischen sieben und zehn Jahren ab. Der Bund Future notiert derzeit knapp unter 125 Euro und stand vor einem Jahr bei etwa 117 Euro. Da Anleiherenditen nicht unendlich fallen und der Bund Future deshalb nicht unendlich steigen können, lässt sich das Risiko eines Knock-out-Zertifikats recht gut einschätzen.   

Wer beispielsweise das Short-Papier von Trinkaus & Burkhardt (WKN: TB2MQ0) mit einer Knock-out-Schwelle von 147,86 Euro kauft, verliert seinen Einsatz erst, wenn die Rendite einer zehnjährigen Staatsanleihe auf 0,96 Prozent sinkt. Dafür hebelt das Papier die Bewegungen des Bund Future mit dem Faktor minus 5,4.Wer damit rechnet, dass die Rendite der Zehnjahresanleihe über 1,8 Prozent bleibt, kann bei der Commerzbank (WKN: CB17FP) einen Hebel von minus 9,8 bekommen. Die Knock-out-Schwelle liegt hier bei 137,85 Euro. Insgesamt führt die Zertifikatebörse Scoach 36 Short-Produkte auf den Bund Future mit Knock-out-Schwellen zwischen 137,85 und 159,78 Euro.    

Unternehmen statt Staat Wer trotzdem eher klassische Renteninvestments bevorzugt, findet bei Unternehmensanleihen höherer Qualität vernünftige Renditen zu einem angemessenen Risiko. Hier gefällt der börsennotierte Indexfonds (ETF für Exchange Traded Fund) I-Shares € Corporate Bond (251124) des britischen Anbieters Barclays Global Investors. Er bildet den I-Boxx € Liquid Corporate Index ab, der derzeit aus 49 europäischen Unternehmensanleihen besteht. Die Papiere werden aktuell mit 5,3 Prozent im Jahr verzinst – plusminus deren Kursbewegungen. Angesichts einer Gesamtkostenquote von 0,2 Prozent im Jahr fällt ein Engagement hier sehr günstig aus. Dieser Artikel stammt aus dem 14-tägigen Online-Magazin DAS DERIVAT. >> Aktuelle Ausgabe herunterladen >> Kostenlos abonnieren