Dierk Brandenburg, Analyst für Staatsanleihen bei Fidelity International

Dierk Brandenburg, Analyst für Staatsanleihen bei Fidelity International

Staatsanleihen-Spezialist von Fidelity

Anleihemangel: So wird EZB ihr QE-Programm retten

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Die Europäische Zentralbank wird bald an einem Scheideweg stehen. Sie wird den Markt davon überzeugen müssen, dass sie ihr Quantitative-Easing-Programm fortsetzen wird – trotz der negativen Nebenwirkungen auf das Finanzsystem. Das zentrale Problem dabei ist der Mangel an verfügbaren Anleihen. Momentan werden Staatsanleihen im Wert von 1,2 Billionen Euro unter dem Einlagezins der Europäischen Zentralbank gehandelt und kommen deshalb nicht für das Anleiheaufkaufprogramm in Betracht. In dieser Situation hat sie zwei Optionen:

Erstens kann sie den Einlagezins weiter als die aktuellen -40 Basispunkte reduzieren und mehr kurzlaufende Anleihen kaufen. Dadurch würden die Zinskurven von Staatsanleihen der europäischen Kernländer steiler werden und sich Anleihen mit langen Laufzeiten weiter in den negativen Bereich bewegen. Ich glaube nicht, dass dies von den europäischen Banken begrüßt würde, da ihre Margen bereits stark unter Druck stehen.

Die zweite und realistischere Option ist, dass die Europäische Zentralbank es den nationalen Zentralbanken der Eurozone ermöglicht, die Aufkäufe weg von knappen Assets wie deutschen Bundesanleihen zu den größeren Peripheriemärkten wie Italien zu verlagern. Politisch ist das allerdings eine heikle Entscheidung, die der EZB-Rat wohl erst nach langwierigen Beratungen Ende des Jahres treffen wird.

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