Martin Hüfner (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Staatsanleihen Warum sich US-Bonds derzeit (noch) nicht lohnen

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Gründe gegen US-Bonds

Ein Grund für das Auseinanderlaufen der Zinsen sind die unterschiedlichen konjunkturellen Gegebenheiten diesseits und jenseits des Atlantiks. Auf beiden Seiten lief es im vorigen Jahr bei voll ausgelasteten Kapazitäten und weitgehender Vollbeschäftigung gut. Die Wachstumsraten waren in etwa gleich hoch. Jetzt aber hat die US-Wirtschaft durch die Steuerreform einen neuen Push bekommen. Er führt dazu, dass das Sozialprodukt in Amerika in diesem und dem nächsten Jahr erheblich schneller wachsen wird als das in Europa. Es wäre überraschend, wenn sich das nicht auf die Zinsen auswirken würde.

Ein zweiter Grund ist die Inflation. Tatsächlich steigen die Preise in den Vereinigten Staaten aktuell mit 2,9 Prozent bei den Verbraucherpreisen schneller als im Euroraum (2,1 Prozent). Es könnte sein, dass sich die Inflation in den Vereinigten Staaten nicht zuletzt aufgrund der Handelsrestriktionen stärker erhöht als in Europa. Das würde die Zinsen dort noch stärker nach oben treiben, auch wenn es sicher richtig ist, dass die Amerikaner nicht so sensibel auf Preissteigerungen reagieren wie Europäer.

US-Zinsstruktur invers

Die Geldpolitik ist in den USA sehr viel „hawkischer“ als in Europa. So wie es jetzt aussieht, wird die Europäische Zentralbank die Leitzinsen zum ersten Mal im Sommer 2019 erhöhen. Bis dahin wird die Fed vermutlich noch vier Mal an der Zinsschraube drehen. Die Fed Funds werden dann bei knapp 3 Prozent notieren. Der Einlagenzins der EZB wird dann immer noch bei minus 0,4 Prozent liegen, die Hauptrefinanzierungsfazilität bei Null.

Das übersetzt sich natürlich nicht eins zu eins in den Kapitalmarkt. Ich würde mich aber wundern, wenn es sich nicht auch am langen Ende des Marktes zinstreibend auswirkt. Andernfalls würde die Zinsstruktur in den USA invers, was dann entsprechende Konsequenzen für die Konjunktur hätte. In jedem Fall steigen die amerikanischen Zinsen stärker als die europäischen.

Öffentliche Defizite

Weiterer Punkt: Die öffentlichen Defizite sind in den USA schon jetzt höher als in Europa. In den Vereinigten Staaten betrug allein der Fehlbetrag des Bundes im vorigen Jahr 3,4 Prozent des Sozialproduktes, verglichen mit 1,1 Prozent Fehlbetrag beim Gesamtstaat im Euroraum. Das Defizit wird in den USA wegen der Steuerreform noch weiter deutlich steigen. Es ist klar, dass dies die Renditen langfristiger Staatsanleihen in Amerika nach oben treibt.

Schließlich darf man auch die Wertpapierkäufe der Zentralbanken nicht vergessen. Die Federal Reserve ist derzeit dabei, Wertpapiere aus ihrem Portefeuille wieder zu verkaufen. Das erhöht tendenziell die Zinsen. Die EZB wird dagegen zum Jahresende nur damit aufhören, neue Papiere zu erwerben. An einen Verkauf der Wertpapiere denkt hierzulande noch niemand. Auch das müsste dazu führen, dass die langfristigen Zinsen in den USA stärker steigen.

Natürlich ist nichts ohne Risiko. Was die US-Zinsen derzeit trotz allem noch so niedrig hält, sind die politischen und wirtschaftlichen Risiken in der Welt. Fluchtgelder, die aus den Krisenherden abfließen, gehen zum überwiegenden Teil nicht in den Euro, sondern in den Dollar und drücken dort das Zinsniveau. Auch das wird weitergehen.

Für den Anleger

Im Augenblick sind die Zinsen an den europäischen Bondmärkten für erstklassige Bonitäten zu niedrig. Der Anleger verliert wegen der erheblich höheren Preissteigerung Geld. Vordergründig macht es daher für ihn Sinn, in den USA zu investieren. Ich würde es trotzdem nicht tun. Ich vermute nämlich, dass die amerikanischen Renditen weiter und schneller steigen als die europäischen.

Hinzu kommen die Wechselkursrisiken. Ein Renditevorteil von zwei, drei Prozentpunkten kann durch entsprechende Wechselkursveränderungen in wenigen Tagen verloren gehen. Niemand weiß, ob das wirklich geschieht. Es ist aber kein Fehler, sich darauf vorzubereiten. 

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