Stabiler Ölpreis würde Europa auf die Beine helfen

Ein weiter fallender oder auf aktuellem Niveau verharrender Ölpreis kann eine nicht zu unterschätzende dämpfende Wirkung auf die Inflationsraten der Eurozone haben. In einem solchen Szenario könnte die Europäische Zentralbank in den kommenden zwölf Monaten sogar zwei bis drei Zinssenkungen vornehmen und so der schwächelnden Wirtschaft wirksam unter die Arme greifen. Dies erklärt Erik F. Nielsen, Chefökonom Europa bei Goldman Sachs, in einer aktuellen Analyse.

Nach seiner Einschätzung ist der Ölpreis der entscheidende Einflussfaktor für die hohen Preissteigerungen in der Eurozone, die es wiederum der Zentralbank derzeit unmöglich machen, auf die abflauende Konjunktur mit Zinssenkungen zu reagieren. Die vom EU-Statistikamt Eurostat monatlich berechneten Verbraucherpreise sind im Mai und Juni mit 3,7 beziehungsweise 4 Prozent noch einmal kräftig angezogen. Für den Monat Juli wird sogar mit einem Wert von 4,1 Prozent gerechnet.

Sollte sich der Ölpreis in den kommenden Monaten auf einen Wert um 110 Dollar pro Barrel einpendeln, könnte Nielsen zufolge die Inflation bis Mai nächsten Jahres auf 2 Prozent zurückgehen. Im Juli wäre dann eine Rate von 1,5 Prozent denkbar. Wenn das Barrel Öl bis November nur noch 80 Dollar kosten sollte und auf diesem Niveau bleibt, könnten diese Inflationswerte bereits im November dieses Jahres beziehungsweise im März 2009 Realität werden.

Realistisch schätz Nielsen die Möglichkeit ein, dass die Europa in der zweiten Jahreshälfte 2008 in eine Rezession abdriftet. Das heißt, es gibt zwei aufeinander folgende Quartale, in denen die Wirtschaft schrumpft. Verglichen mit früheren Abschwüngen könne jedoch angesichts der historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen und anderen sozialen Indikatoren, die sich im grünen Bereich befinden, wohl eher von einer „Luxus-Rezession“ die Rede sein.

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