Edelmetallexperte Martin Siegel im Gespräch „Gold kann auf 2.000 US-Dollar pro Unze steigen“

Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer Stabilitas, und ein Goldbarren | © Stabilitas, Getty Images

Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer Stabilitas, und ein Goldbarren Foto: Stabilitas, Getty Images

Wie kam es zu dem gewaltigen Performance-Schub in den zurückliegenden zwölf Monaten?

Martin Siegel: Die außergewöhnliche Performance ist vor allem auf die Entwicklung der kanadischen RNC (Royal Nickel) zurückzuführen, die in Australien einen spektakulären Goldfund gemacht hat. Der Aktienkurs hat sich nach dem Fund im Herbst des Vorjahres etwa verfünffacht.

Können Anleger auf Wiederholungen hoffen?

Siegel: Theoretisch ist eine Wiederholung möglich, jedoch eher unwahrscheinlich. Von etwa 2.000 Explorationsgesellschaften verzeichnen jährlich vielleicht 2 bis 3 Unternehmen einen solchen Durchbruch bei der Exploration. Für den Anleger ergeben sich daraus aber zumindest auch kein besonders hohes Risiko.

Sie wollen mit ihrer Anlagestrategie insbesondere von Übernahmen profitieren. Inwieweit hilft die aktuelle Merger-Welle?

Siegel: Bislang sind von der Merger-Welle eher die großen Produzenten betroffen. Erst wenn eine Aufwärtsbewegung am Goldmarkt für längere Zeit anhält, werden die kleineren Werte als mögliche Übernahmekandidaten analysiert. „Special Situations“ steht neben interessanten Projekten in der Exploration auch für besondere Investmentmöglichkeiten in Marktbereichen, die von den Analysten den Banken vernachlässigt werden, also zum Beispiel kleinere Unternehmen in den Bereichen Eisen, Basismetallen, Seltene Erden und Nebenmetallen.

Mit welcher Wertentwicklung können Anleger künftig also rechnen?

Siegel: Sollte der Goldpreis den im Jahr 2001 begonnenen Aufwärtstrend wieder aufnehmen, dürfte der Fonds parallel mit den anderen Edelmetallfonds ansteigen. Erst zum Ende einer Goldhausse ist mit einer größeren Outperformance zu rechnen, da die Explorationswerte am spekulativen Ende der Edelmetallinvestments erst dann umfangreicher analysiert und gekauft werden.

Was könnte den Aufschwung der Kursen von Goldminenaktien stoppen?

Siegel: Die größten Gefahren für Goldminenaktien sind ein fallender Goldpreis und Eingriffe der Behörden, also zum Beispiel Enteignungen, Steuererhöhungen oder eine ausufernde Bürokratie bei den Genehmigungsverfahren.

Womit rechnen Sie persönlich?

Siegel: Wegen der fehlenden Anlagealternativen im Bereich der Anleihen und der problematischer werdenden Aktien- und Immobilienmärkte rechne ich damit, dass in den nächsten Monaten immer mehr Anleger die Edelmetalle für sich entdecken. Sollten größere Vermögensteile in den Goldbereich umgeschichtet werden, ist eine Hausse von aktuell 1.300 US-Dollar pro Unze auf neue Höchstkurse von über 2.000 US-Dollar pro Unze denkbar.