Stabilitas-Chef Martin Siegel Vieles spricht für einen Gold-Aufschwung

Kundin im Schmuckgeschäft: Als Krisenwährung findet Gold derzeit jedoch wenig Zuspruch  | © Getty Images

Kundin im Schmuckgeschäft: Als Krisenwährung findet Gold derzeit jedoch wenig Zuspruch Foto: Getty Images

Das gelbe Metall steht auf Jahressicht bei rund -5 Prozent. Vor diesem Hintergrund stellen sich Anleger die Frage, warum Gold bislang nicht recht vom Fleck kommt und wohin sich das Edelmetall entwickeln könnte. Dabei wird oftmals nicht genau genug zwischen kurz- und langfristigen Preistreibern bzw. kurz- und langfristigen Preisbewegungen unterschieden. Diesem Defizit geht der vorliegende Beitrag nach. So entsteht ein besseres Bild, wo der Goldpreis momentan liegt und was in Zukunft für Gold sprechen könnte.

Die Preistreiber: Was beeinflusst den Goldpreis?

Oftmals bemühen sich Kommentatoren um allerlei Begründungen für die kurzfristige Entwicklung des Goldpreises. Dabei ist es relativ unbedeutend, ob beispielsweise die Minenproduktion in einer bestimmten Region ein wenig wächst oder fällt oder ob eine Zentralbank einige Tonnen Gold kauft oder verkauft. Entscheidend für die Goldpreisentwicklung ist letztlich immer das Verhalten der Investoren. Marktbeobachter müssen sich vor Augen führen, welche Größenordnungen Goldinvestoren innerhalb kürzester Zeit bewegen können. Im Jahr 2013 beispielsweise verkauften Händler an einem Freitagnachmittag innerhalb von wenigen Minuten rund 150 Tonnen Gold, was den Preis um über 100 US-Dollar pro Feinunze drückte. Das entspricht ca. fünf Prozent der gesamten Jahresproduktion. An der Londoner Terminbörse liegt der tägliche Umsatz bei etwa 2000 Tonnen. Das bedeutet, jeden Tag werden knapp 50 Prozent der jährlichen Goldproduktion gehandelt. Daran wird deutlich, wie groß die Preismacht der Terminmärkte gegenüber dem Goldpreis ist.

Zugegebenermaßen sind es nicht einzig und allein Spekulanten und Terminmärkte, die den Goldpreis beeinflussen. Es gibt bestimmte Makro-Trends, die sich langfristig auf den Preis auswirken und die Anleger im Blick behalten sollten. Hier steht beispielsweise die steigende Nachfrage aus Indien und China, die durch ihr anhaltendes Wirtschaftswachstum und die wachsende Mittelschicht den Goldbedarf ankurbeln. Unterm Strich sind derlei makroökonomische Trends kurz- und mittelfristig aber in der Regel nicht preisrelevant.

Die Preisbewegung: Von wo kommt Gold?

Um die Goldpreisentwicklung zu verstehen, ist es also wichtig zu unterscheiden, über was für einen Zeithorizont sich die jeweiligen Einflussfaktoren auswirken. Viele Marktteilnehmer konzentrieren sich in der Bewertung des Goldpreises im Moment auf dessen kurzfristige Entwicklung. In der historischen Betrachtung wird aber deutlich, von welchem Niveau aus sich das gelbe Metall entwickelt hat: Im Jahr 2001 lag der Preis für eine Feinunze Gold noch bei knapp 250 US-Dollar. Innerhalb von zehn Jahren verachtfachte er sich und notierte im September 2011 bei über 1.900 US-Dollar.