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Die New York Stock Exchange mit Weihnachtsbeleuchtung: Autoren überbieten sich derzeit mit düsteren Prognosen zu einem Börsencrash, sagt Manfred Schlumberger. | © Getty Images Foto: Getty Images

Starcapital-Vorstand über Prognosen

Crash-Propheten haben wieder Konjunktur

Wer in diesen Tagen die Wühltische in den Buchhandlungen durchstöbert oder die Spiegel-Bestsellerlisten studiert, stößt unweigerlich auf eine große Zahl an Crashbüchern, die wahlweise den größten Crash aller Zeiten, den Megacrash, den Weltsystem-Crash oder die größte Wirtschaftskrise aller Zeiten prognostizieren.

Als Gründe für diese düsteren Prophezeiungen wird ein Sammelsurium von Problemfeldern wie die hohen Verschuldungen bei Staaten und Unternehmen, Negativzinsen, das Platzen der Vermögenspreisblasen angesichts dramatischer Überbewertungen an den Kapitalmärkten und politische Krisen vor dem Hintergrund des neuen „Kalten Krieges“ zwischen den USA und China herangezogen. Wahlweise wird dieser „Horror-Cocktail“ noch um den Zusammenbruch des  Euros, eine gewaltige Flüchtlingswelle oder das Ende des bestehenden Geldsystems ergänzt.

Diese Szenarien kontrastieren auffällig mit den neuen (Jahres-)Höchstständen an vielen internationalen Aktienmärkten. Den meisten „Crash-Gurus“ muss man jedoch zugutehalten, dass sie auch Rat und Hilfe anbieten: In der Regel über das Angebot eigener Fonds, deren Performance man sich allerdings besser nicht anschauen sollte, oder gar eine exquisite persönliche Honorarberatung. Viele Anleger scheinen diese Hilfsangebote gerne anzunehmen. Andere trösten sich mit dem Gedanken, dass sie als Nicht-Aktienbesitzer so wie 80 Prozent ihrer Mitbürger nicht vom Crash betroffen sein werden.

Lassen Sie uns die wichtigsten Gründe analysieren, die von den Crash-Propheten vorgebracht werden:

Länge des Börsen- und Wirtschaftszyklus

Das aktuelle Großangebot an Crash-Büchern lässt sich sicherlich ganz wesentlich mit dem fortgeschrittenen Börsen- und Wirtschaftszyklus erklären. Der aktuelle Konjunkturzyklus gilt als der längste der Nachkriegsgeschichte und auch der US-Börsenzyklus dauert im historischen Vergleich schon überdurchschnittlich lange.

Nach unserer Bullen- und Bärenmarktdefinition ist dieser Zyklus bald 11 Jahre alt, während der längste Zyklus in der Nachkriegszeit fast 15 Jahre lang angehalten hat.

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Friedrich und Weik, die beiden Autoren des aktuellen Crash-Bestsellers, haben ihr erstes Untergangsbuch bereits 2012 geschrieben, einerseits zwar zu früh, andererseits aber zumindest finanziell lukrativ. Weitere Werke folgten, aber jetzt gehen die Autoren aufs Ganze.

Früher hatten sie noch Hoffnung, dass die Politiker auf ihre Ratschläge zur Krisenbehebung hören, doch nunmehr lassen sie alle Hoffnung fahren: „Der größte Crash aller Zeiten steht uns bevor und wir können ihn nicht mehr verhindern!“ Spätestens 2023 soll der „Drops gelutscht“ sein. In drei Jahren nähern wir uns dem längsten Börsenzyklus der Geschichte – insofern scheint die Prognose gut kalkuliert zu sein.

Historisch sind die meisten Börseneinbrüche von steigenden Zinsen ausgelöst worden. 2008 ließen steigende Zinsen die US-Immobilienblase platzen, 2000 die Technologieblase, davor waren es zumeist stark steigende Inflationsraten, die die Notenbanken zwangen, die Zinsen anzuheben. In der Regel lösten also Zinsanstiege Börseneinbrüche und Rezessionen aus. Angesicht der aktuell hohen globalen Verschuldung könnte ein Zinsanstieg tatsächlich wieder solche Effekte auslösen.

Globaler Schuldenberg

Die aggregierten Schulden von Staaten, Unternehmen, Banken und privaten Haushalten stiegen in den letzten zehn Jahren weltweit um fast 40 Prozent auf über 250 Billionen US-Dollar. Dies entspricht 320 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. In den Industrieländern stieg der Schuldenberg von 360 Prozent auf 380 Prozent des BIP, während es in den Schwellenländern von 140 Prozent auf über 200 Prozent des BIP hochging. Am stärksten erhöhte sich die globale Staatverschuldung von 71 Prozent vor der Finanzmarktkrise auf heute 109 Prozent.

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