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Moderne Büroräume Foto: imago images / ingimage

Gesellschaftliche Verantwortung

Starke Unternehmen brauchen motivierte Mitarbeiter

Die Covid-19-Pandemie hat die Verwundbarkeit der globalen Lieferketten aufgezeigt, die sozialen Ungleichheiten verstärkt und die Arbeitslosigkeit sprunghaft steigen lassen: Allein im zweiten Quartal 2020 wurden weltweit 400 Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Das geht aus Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation hervor. Daher sind die Unternehmen mehr denn je gefordert, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Dazu gehört: Die Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter so zu gestalten, dass deren körperliche und geistige Gesundheit sichergestellt ist. Gleichzeitig müssen sie dafür sorgen, auch in der Zeit nach Corona gut am Markt positioniert zu sein.

Das Weltwirtschaftsforum hat in einem im August 2020 veröffentlichten Bericht das Humankapital als „einen entscheidenden Differenzierungsfaktor“ in der Post-Covid-Arbeitswelt identifiziert. Es kommt zu der Auffassung, dass, „wenn mehr Unternehmen den Menschen während der Pandemie ins Zentrum ihrer Entscheidungen gerückt hätten, dies zu besseren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und geschäftlichen Ergebnissen geführt hätte. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit wäre nicht so stark ausgefallen, die Regierungen hätten nicht so kostspielige Anreize bieten müssen, um die Unternehmen von Entlassungen abzuhalten, und die Kosten für den öffentlichen Sektor und die Steuerzahler wären deutlich geringer ausgefallen.“

Soziale Aspekte werden für Investoren wichtiger

Auf Unternehmensebene läutet die Pandemie-bedingte Gesundheits- und Wirtschaftskrise daher das Ende eines Modells ein, das zu stark auf die Aktionäre fokussiert war, den Mitarbeitern nicht genug Beachtung geschenkt hat und langfristig Kosten für die Unternehmen sowie negative Konsequenzen für die Gesellschaft verursacht hat.

Parallel dazu gewinnen bei verantwortungsbewussten Anlegern, die zuvor stark auf ökologische Themen wie die Klimakrise, die Umweltverschmutzung oder die missbräuchliche Ausbeutung von Ressourcen fokussiert waren, soziale Themen wie ein starkes Humankapital und flexible Beschaffungsketten immer mehr an Relevanz.

Für ODDO BHF Asset Management sind diese Aspekte seit jeher eine entscheidende Quelle für das nachhaltige Wachstum eines Unternehmens. Daher stehen sie im Zentrum unserer eigens entwickelten ESG-Analysemethode und machen rund 30 Prozent des ESG-Gesamtratings aus.

Bereits vor mehreren Jahren wurde damit begonnen, über die Vereinbarkeit von Umweltschutz einerseits und der kommerziellen Nutzung der natürlichen Ressourcen andererseits nachzudenken. Nun sollte die aktuelle Krise die Arbeiten zur Quantifizierung des Humankapitals beschleunigen. Daher begrüßen wir, dass sich das Weltwirtschaftsforum des Themas angenommen und einen entsprechenden methodologischen Rahmen vorgeschlagen hat. Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Ziel einer Rechnungslegung, welche die drei Formen von Kapital berücksichtigt: Finanzkapital, Naturkapital und Humankapital.

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