Dreißig Minuten vor Beginn der Nvidia-Keynote in San Jose kam die Nachricht: „Ihr seid dabei.“ Stefan Erschwendner stand kurz davor, mit dem Bierbraukessel seines Vaters auf der Hauptbühne des wertvollsten Unternehmens der Welt zu erscheinen – direkt nach Präsentationen über Neuerungen und Chip-Architekturen. Neben ihm: Lobster Lager, das Craft-Bier seines 68-jährigen Vaters Walter, pensionierter Polizist aus Österreich, frisch operierte Hüfte, null IT-Hintergrund.
Wie kommt man da hin? Erschwendner, Managing Partner der KI-Beratung Frontira, hatte den Braukessel seines Vaters mit einem KI-Agenten verbunden. Der Agent schrieb eigenständig eine Software namens „Brewers“, überwachte den Brauprozess, steuerte Temperatur und Timing – und schickte Walter nur noch eine Benachrichtigung, wenn er den Hopfen reinhängen musste. Vom Menschen brauchte man noch: zwei Hände. Den Rest erledigte der Agent.
Die Geschichte wäre vielleicht im Netz versickert, hätte sie nicht Peter Steinberger aufgegriffen – der österreichische Entwickler hinter Openclaw, dem Agenten, der einen Computer vollständig übernehmen kann. Steinberger zeigte den Use Case Jensen Huang persönlich. Innerhalb von 48 Stunden hatte Nvidia Kontakt aufgenommen. Abstimmungsrunden folgten. Und dann: die Nachricht.
Die Podcast-Episode gibt es
Für Erschwendner ist das kein PR-Stunt, sondern der Punkt. „Die Leute müssen jetzt anfangen zu experimentieren“, sagt er. „Es geht nur bottom up – du musst es selbst erlebt haben.“ Der eigentliche Flaschenhals bei der KI-Einführung sei längst nicht mehr die Technologie, sondern wie Menschen und Organisationen denken. Wer heute noch auf Trainings und Chatbots setzt, verpasse die eigentliche Welle: Agenten, die nicht nur antworten, sondern handeln.
Und das hat direkte Konsequenzen für Investoren. Erschwendners Einschätzung ist ungewohnt klar: Hardware, AI-Factories, Chips – rein, wenn man das Kapital hat. SaaS dagegen, Finger weg. „Jeder kann einen Agenten draufsetzen, der die Dokumentation liest und die Software nachbaut.“ Für viele etablierte Softwareanbieter klingt das wie ein Angriff auf das Geschäftsmodell. Seinen Grund dafür erklärt er mit der Nvidia-Vision „Bring Your Own Agent“: Jeder Mitarbeiter hat bald einen eigenen Agenten, der mit Unternehmenssoftware kommuniziert – egal über welches Interface.
Batch 2 von Lobster Lager ist gerade in der Fermentation. Der Agent braut diesmal wieder – aber es wird ein anderes Bier.
Wie genau das Projekt technisch umgesetzt wurde, warum Erschwendner SaaS für strukturell gefährdet hält, welches Produkt er überbewertet findet und was er als nächste große Welle in der Agenten-Welt erwartet, darüber spricht Stefan Erschwendner im Podcast.

