Die Brüder Stefan und Tobias Bierl haben als Quereinsteiger in der Finanzberatung klein angefangen. Tobias’ Begeisterung fürs Schreiben über sein spezielles Hobby lieferte quasi die Blaupause für die Online-Strategie des Unternehmens. Mit der Sichtbarkeit im Netz kamen die Kunden in Scharen. Heute genießen die Bierls in der Branche Kultstatus.
Stefan (r.) und Tobias Bierl vor dem Neubau ihres Firmensitzes in Kirchenrohrbach. Das Elternhaus steht nebenan.| Bildquelle: Bastian Hebbeln
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Es ist das zweite Zusammentreffen mit Tobias Bierl in dieser Woche. Und der Ort für solch zufällige Begegnungen mit ihm dürfte der wahrscheinlichste sein, den es außerhalb seiner oberpfälzischen Heimat gibt – der Flughafen München. Tobias sitzt in einem Lokal namens „Äirbräu“ und schwärmt: „Welcher Flughafen hat schon sein eigenes Brauhaus?“ Er sitzt hier öfter, denn wie angedeutet, er fliegt viel. Nur einen großen Rucksack hat er dabei. Es geht nach Barcelona, „übers Wochenende“.
Geschäftliche Grundsatzentscheidungen werden auf Reisen getroffen
Es ist eine Reise wie viele und doch nicht. Ein, zwei Mal im Jahr brauche er als Mitinhaber einer Maklerfirma Abstand und Zeit für wichtige geschäftliche Entscheidungen. Das Thema Customer-Relatonship-Management treibt ihn derzeit um. Es geht um die richtige Software für sein Unternehmen. In IT-Fragen war der 39-Jährige, einst Industriemechaniker, schon immer Vorreiter. 2015 habe er bereits auf Cloud-Lösungen gesetzt, hatte er erst zwei Tage zuvor erzählt. Dass er die Gelegenheit seines Barcelona-Aufenthalts auch für seine größte private Leidenschaft nutzen wird, hatte er eher beiläufig erwähnt.
Ein paar Tage später liefert Tobias den bildlichen Beweis seiner Passion auf Facebook. Zu sehen ist eine eher ungewöhnliche Fußballanlage. Ein Hochhaus steht so nah am Spielfeld, dass die Sicht von den Balkonen besser sein dürfte als von der gegenüberliegenden Tribüne. Es ist die Spielstätte des CE Europa, eines viertklassigen spanischen Vereins. Tobias schreibt inbrünstig von Atmosphäre, Bierständen und Expats, für die der Verein wohl so etwas wie die zweite Heimat ist. Am Abend hatte er sich auch noch ein Spiel der zweiten Mannschaft des FC Barcelona angeschaut und das „ewig weit außerhalb“. Dafür habe er ja auch schon um 6.30 Uhr angefangen zu arbeiten, schließlich war es auch ein Business-Trip.
Ohne, zumeist unterklassigen, Fußball geht für Tobias Bierl beim Reisen nicht. Hier war er Anfang des Jahres in Neapel. Quelle: Facebook
Als Groundhopper global unterwegs
Tobias Bierl ist Groundhopper. Und dass er es ist, spielt eine wichtige Rolle bei der Antwort auf die Frage, wie er gemeinsam mit seinem Bruder als Finanzberatung Bierl einer der bekanntesten Versicherungsmakler Deutschlands werden konnte. Tobias gehört zu einer Szene von Fußballfans mit einer Art Sammelleidenschaft, in der es darum geht, Spiele in möglichst vielen verschiedenen Stadien zu besuchen. In seinem Fall weltweit. 2000 Grounds, also Stadien, in über 100 Ländern hat er bereits auf seiner Liste. Groundhopper sind bekannt dafür, nicht selten viele Hundert oder sogar Tausend Kilometer zu fahren, um mehrere Spiele an einem Tag zu sehen. Es ist eine Leidenschaft, der mancher sein ganzes Leben unterordnet. Tobias, Markenzeichen Rundhals-Pullover, lässt sich dieser Spezies aber nicht so einfach zuordnen, auch wenn er sich schon Bemerkungen von Kunden wegen seiner „Freizeitorientierung“ hat anhören müssen.
Denn ohne solch eine Leidenschaft im Geschäftsleben gebe es den erfolgreichen Makler Tobias Bierl sicher nicht. Dieses Kapitel seines Lebens geht zurück bis in die Zeit Anfang der 2000er Jahre und ist eng verknüpft mit seinem Bruder. Stefan Bierl, 51 Jahre alt und gelernter Sozialpädagoge, war damals bereits 20 Jahre in der Kinder- und Jugendarbeit tätig, als er etwas Neues wagte. Auch aus Unzufriedenheit mit der eigenen Finanzberatung fing er an, nebenberuflich in einem Strukturvertrieb zu arbeiten. Er las sich ein, bildete sich weiter und fand im Kollegenkreis die ersten Kunden. Was er dann sagt, klingt wie aus einem Seminar für Ausschließlichkeitsvertreter, die die Seiten wechseln wollen: „Ich wollte freier und unabhängiger arbeiten, nicht an starre Vorgaben gebunden sein.“ Seinen jüngeren Bruder konnte er schnell von der Idee der Selbstständigkeit überzeugen. Der machte mal eben die IHK-Prüfung als Versicherungskaufmann im Selbststudium.
Ganze Familie baute Finanzberatung mit auf
Einen Business-Plan hatten die Brüder nicht. Die passenden Räumlichkeiten eigentlich auch nicht. Die Firma kam im Dachgeschoss des Elternhauses in Walderbach, 35 Kilometer nordöstlich von Regensburg, unter. Bei der Buchhaltung und den Steuern half Stefan der Onkel, auch seine Ehefrau und die Schwester der beiden arbeiteten mit. „Wenn einer mit dem Kunden telefoniert hat, konnte der andere nicht mal seinen Schreibtisch benutzen“, beschreibt der ältere Bierl-Bruder die damalige Zeit. Der Vater sagte mehr als einmal: „Buben, was machts ihr da?“ Otto Bierl, 72 Jahre alt, ist heute noch Hausmeister und Mädchen für alles im familiären Finanzclan.
Im Jahr 2024 ist die Finanzberatung Bierl eine GmbH und hat ihren Firmensitz in einem schicken Neubau. Der steht, typisch Bierl, direkt neben dem Elternhaus, in dem Tobias noch heute wohnt. Das Haus von Stefan und seiner Familie ist natürlich auch in Sichtweite. Die regionale Verwurzelung, die Bodenständigkeit, der Fleiß und das familiäre Arbeitsklima, das auch mit den ersten Mitarbeitern nie verloren ging – all das mag den damaligen Erfolg eines kleinen, regionalen Maklerunternehmens erklären. Doch die Bierls sind keine Provinzmakler, sondern mittlerweile eher so etwas wie ein bundesweites Maklerphänomen. Und sie können es sich leisten, 30 bis 40 Prozent der vor allem aus den Großstädten kommenden Neuanfragen abzulehnen.
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