Als Steffen Pauls noch bei KKR arbeitete, lief er die Sand Hill Road in Menlo Park hoch und runter und schaute die Logos an wie ein Kind das Schaufenster. Andreessen Horowitz, Founders Fund, Lightspeed, Accel, sie alle waren Tür an Tür, die Ivy League des Wagniskapitals auf einer einzigen Straße. Ein paar Jahre später klopfte er an und kam rein. Heute, sagt er, sei genau das nicht mehr möglich: „Wenn du heute anklopfst, ist die Tür zu.“

Pauls hat 2016 Moonfare gegründet, eine Plattform, die Privatanlegern Zugang zu Private Equity verschaffen soll. Rund vier Milliarden Euro verwaltet die Firma inzwischen, im ersten Businessplan hatte er einst mit 800 Millionen gerechnet. Entstanden ist alles aus Frust: Bei KKR durfte er in die eigenen Fonds investieren, machte gute Renditen, dann fiel die Tür ins Schloss. Als er sich danach das Angebot in Deutschland ansah, war er enttäuscht. Es gab mittelmäßige Fonds, versteckte Interessenkonflikte, undurchsichtige Gebühren.

Was Private Equity so brutal macht, ist die Streuung. Im liquiden Fondsmarkt liegen gut und schlecht nah beieinander. Hier nicht. Hier 1000 Prozent und woanders vielleicht zwei, ein riesiger Abstand zwischen Top- und Flop-Fonds. Einen Index, den man einfach über einen ETF kauft, gibt es nicht. Wer die falschen Manager erwischt, kann alles verlieren. Moonfare screent nach eigenen Angaben 500 Fonds im Jahr, weniger als drei Prozent schaffen es auf die Plattform.

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Jetzt drängt alles in ein neues Thema: KI. Und hier wird Pauls unbequem. Bei den gefeierten Namen sei man reichlich spät dran. SpaceX werde mit über zwei Billionen bewertet, Anthropic und OpenAI steuerten auf ähnliche Regionen zu. „Wie groß ist jetzt noch das Upside?“ Bei den KI-Agenten wittert er sogar handfesten Hype: Firmen, die 250 Millionen bei Milliardenbewertung einsammeln – und fünf Millionen Umsatz vorweisen. Wo er keinen Hype sieht: in der unsichtbaren Infrastruktur. Rechenzentren, Energie, Cybersicherheit, die Modelle selbst. In jedem Technologiezyklus, sagt er, habe am Ende die Infrastruktur überlebt.

Die härteste Ansage gilt seinem eigenen Laden. Ein Unternehmen ohne „Datenburggraben" werde in zehn Jahren nicht mehr existieren – alles andere werde zur Massenware. Also baut er Moonfare um: weg von Abteilungen, hin zu Prozessen, über die sich KI-Agenten legen. Die Praktikanten seien seine „AI-Stars", die man auch mal ins Rechtsteam schicke, „und agentifiziere". Über ein Wochenende hat er sich selbst einen Investment-Copiloten auf echten Moonfare-Daten gebaut. Als die ersten Auswertungen zurückkamen, sei das gewesen „wie Weihnachten als Kind, wenn die Tür aufgeht und du den Baum siehst".

Bleibt die Frage, ob ein Datenschatz aus zehn Jahren wirklich reicht, um in einer Welt aus Agenten vorne zu bleiben oder ob die nächste Welle die Burggräben von gestern einfach umspült. Wie genau Moonfare KI-ready werden soll, warum Zugang zu den besten Fonds heute wichtiger ist als je zuvor und worauf Pauls jetzt setzt, darüber spricht er im Podcast.