Braunkohlekraftwerk in Bergheim-Niederaußem: Im rheinischen RWE-Kraftwerk Niederaußem beginnt Ende 2020 der Kohleausstieg in Deutschland. Anleger sollten solche Entwicklungen beim Bestücken ihrer Portfolios berücksichtigen. | © imago images / Future Image Foto: imago images / Future Image

Steigende Meeresspiegel, CO2-Steuern und mehr

Diese Klimarisiken sollten Anleger in ihren Portfolios im Blick haben

Auch wenn derzeit das Corona-Virus Gedanken und Schlagzeilen beherrscht: Der Klimawandel bleibt ein drängendes Problem. Die Investmentbranche muss sich mit diesem Problem und den damit verbundenen Risiken und Chancen auseinandersetzen. Wo aber soll man beginnen?

Das große Ganze betrachten

Beginnen wir mit einer übergeordneten Betrachtung: Welche Makrotrends können die Preise von Vermögenswerten erheblich beeinflussen? Ein solcher Trend: Infolge des Klimawandels verlangsamt sich das Bevölkerungswachstum und die Produktivität nimmt ab, in Folge schrumpft das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dies betrifft vor allem ärmere Länder. Dort sind die physikalischen Veränderungen und die Folgen am gravierendsten. Zugleich fehlen Finanzmittel, um sich an den Klimawandel anzupassen.

Wenn Produktivität abnimmt und CO2-Emissionskosten steigen, entsteht Inflationsdruck. Andererseits könnte ein langsameres Wirtschaftswachstum die Inflation abmildern. Hier kommen die Notenbanken ins Spiel: Wird ihr Mandat erweitert oder weiterentwickelt, um nach einer langen Phase mit nur geringfügigen Preisänderungen einer wiederaufflammenden Geldentwertung entgegenzuwirken?

Ein niedrigeres BIP beeinflusst auch die Ertragskraft von Unternehmen, die mehr Kapital für den Schutz vor und die Anpassung an den Klimawandel einsetzen müssen. Schätzungen zufolge wird allein die Dekarbonisierung der US-Wirtschaft eine Billion US-Dollar kosten. Die Ausgaben tragen zwar zum Erhalt der wirtschaftlichen Produktion bei, könnten aber auch zulasten eines produktiveren Einsatzes von Finanzmitteln gehen. Dabei könnte die Investmentbranche Kapital zum Nachteil bestimmter Sektoren, wie etwa fossiler Brennstoffe, umverteilen. Nutznießer könnten dagegen Unternehmen sein, die neue Technologien und Dienstleistungen entwickeln, die eine Anpassung an den Klimawandel erleichtern und helfen, seine Folgen abzufedern. Analysten müssen solche Auswirkungen besser verstehen, damit sie ersehen können, wie sehr einzelne Emittenten hiervon betroffen sind.

Analyse von Emittenten: physikalische Gefahren und Übergangsrisiken

Auf der Ebene einzelner Emittenten ist es hilfreich, zwischen physikalischen Gefahren und Übergangsrisiken zu unterscheiden. Erstere sind beispielsweise steigende Meeresspiegel, die Industrieanlagen und -einrichtungen gefährden und die Nutzung von Transportwegen für Material und Arbeiter einschränken oder verhindern können. Daher lohnt ein Blick auf die geographische Ausdehnung der Geschäftstätigkeit eines Emittenten, seine Kunden, Standorte und Lieferketten, die auf der ganzen Welt verteilt sein können.

Infografik: Steigender Meeresspiegel bedroht Menschen weltweit | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Übergangsrisiken sind Faktoren, die mit dem Übergang hin zu einer CO2-neutralen Wirtschaft verbunden sind. Sie sind schwerer zu kontrollieren als physikalische Risiken und nicht minder unberechenbar. Beispielsweise können veränderte Regulierungsbestimmungen CO2-Emissionen verteuern, während neu aufkommende Technologien die Wettbewerbsbedingungen verändern. Und wenn Regierungen beim Umweltschutz zu zögerlich vorgehen, könnten Anwälte mit Haftungsansprüchen und Gerichtsverfahren auf den Plan treten.

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