Steigende Renditeaufschläge in der Peripherie – fünf potenzielle Beschleuniger

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Frankreich – Rentenreform muss dringend angepackt werden

Zwei weitere Risiken stellen zwar keine Sturmwarnungen dar, bergen aber doch die Gefahr von Turbulenzen. Betroffen sind die Kern- und nicht die Peripheriestaaten der Eurozone. In einem kürzlich von der EU-Kommission erstellten Gutachten über Frankreich wurde die Dringlichkeit einer Rentenreform hervorgehoben. Auf die Pensionsausgaben entfallen in dem Land 13,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, ein Viertel der gesamten Staatsausgaben und zwei Drittel der Sozialausgaben. In dem umlagefinanzierte System dürfte bis 2020 ein Loch von 20 Milliarden Euro klaffen, wobei dieser Betrag fast mit Sicherheit schon früher erreicht sein wird, bedingt durch den erwarteten Anstieg der Arbeitslosigkeit und die Schwäche der französischen Wirtschaft.

Francois Hollande ist nicht gerade ein Mann der Tat, und nachdem er im Wahlkampf die Entscheidung der Vorgängerregierung heftig kritisiert hatte, das Renteneintrittsalter von 60 auf 62 anzuheben, wird er nun wohl Zurückhaltung üben. Energisches Handeln wäre aber das Gebot der Stunde. Die Verhandlungen über den Haushalt für 2014 werden schwierig. Zudem werden im Herbst die Renditeaufschläge französischer Staatsanleihen steigen, bevor sie scharf zurückgehen, falls eine Senkung des Einlagesatzes verkündet wird.

Rezessionen in anderen Kernstaaten

Zu Ungemach dürften auch die Rezessionen in anderen Kernstaaten der Eurozone beitragen. In den Niederlanden dauert die wirtschaftliche Flaute an, und Finnland dürfte in diesem Jahr in die Rezession abrutschen. In der Konjunkturschwäche spiegelt sich der Rückgang der innereuropäischen Exporte wider, dessen Ursache in den merkantilistischen Forderungen der Kernländer liegt, die Peripheriestaaten sollten ihre Haushaltsdefizite reduzieren und nach Möglichkeit Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaften. An einen Ausgleich für die gestiegene Binnennachfrage in den Kernländern wurde dabei nicht gedacht. Mit Ausnahme Frankreichs, dessen Wirtschaft seit der Euro-Einführung an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat, konnten alle Kernstaaten ihre Überschüsse behaupten.

Wir erwarten zwar für die USA und Großbritannien eine positivere Konjunkturentwicklung, für Europa rechnen wir jedoch weiter mit einem enttäuschenden Wachstum. Short aufgestellt sind wir auch hinsichtlich der 5y5y (in 5 Jahre auf 5 Jahren) -Inflationsrate für Frankreich, da wir der Meinung sind, dass die aktuelle Rate mit den Wachstumsaussichten für die Eurozone nicht vereinbar ist.

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