Steigende Zinsen Darum taugen defensive Dividendenstrategien als Dauerbrenner

Die Beatles im Jahr 1963: Auch Anleger sollten ihren Assets etwas Zeit für die Entwicklung geben. | © Getty Images

Die Beatles im Jahr 1963: Auch Anleger sollten ihren Assets etwas Zeit für die Entwicklung geben. Foto: Getty Images

Daniel Roberts, Fondsmanager bei Fidelity

„Gitarrenbands will keiner mehr sehen“, begründete Dick Rowe von Decca Records seine Absage an die Beatles im Jahr 1962. Vorhersagen sind ein riskantes Geschäft, in der Musik wie in der Vermögensanlage. Dennoch ist es nachvollziehbar, dass wir von Anlegern nach unserer Einschätzung zu den möglichen Renditetreibern der kommenden zwölf Monate gefragt werden. Bei der Beantwortung dieser Frage kann es hilfreich sein, die Ertragsquellen in ihre drei Bestandteile zu zerlegen: Rendite, Wachstum und Bewertung.

Schwierig abzuschätzen ist, wie sich die Bewertungen am Markt 2019 verändern werden. Die Zuversicht der Anleger und die entgegenkommende Geldpolitik haben die Bewertungen in den vergangenen Jahren in die Höhe getrieben, vor allem in den USA. Wegen dieser hohen Ausgangsbewertungen sind einige Marktbereiche nun anfällig für einen Rückgang, wenn die Zinsen steigen. Und sollte sich die Stimmung trüben, könnte es in einigen Sektoren, die bei Anlegern in den vergangenen Jahren besonders beliebt waren, wieder kräftige Schwankungen und Kursverluste geben.

Mit nachhaltigen Dividendenstrategien den Markt übertreffen

Unser erstes Bollwerk gegen einen Bewertungsrückgang ist unsere Bewertungsdisziplin. Wir stützen unser Portfolio durch defensive Qualitätsunternehmen. Indem wir sicherstellen, dass wir nicht zu viel für solche Unternehmen zahlen, dürfte es uns gelingen, das Kapital unserer Kunden zu erhalten, wenn es am Markt rauer zugeht.

In fast jedem Kundengespräch wird die Frage gestellt, ob Dividendenstrategien in einem Umfeld, in dem mit steigenden Zinsen gerechnet wird, besser abschneiden können. Hinter dieser Frage steht die Überzeugung, dass Gewinnausschüttungen für Anleger an Reiz verlieren, wenn die Anleiherenditen steigen. Diese am Markt offenbar weit verbreitete Meinung sollte man kritisch hinterfragen.

Es gibt drei Gründe, warum wir glauben, dass unser Ansatz einer nachhaltigen Dividendenstrategie den Markt übertreffen kann:

1. Bewertungsdisziplin

Bewertungen spiegeln Erwartungen wider, die sich seit Mitte 2016, als die Niedrigzins-Phase zu Ende ging, erheblich verändert haben. Niedrigere Ausgangsbewertungen für Dividendenaktien deuten auf ein attraktives Risiko-Ertrags-Verhältnis hin und bieten Anlegern einen gewissen Sicherheitspuffer. Das ist einer der Gründe, warum sich Dividendenstrategien in einem schwierigeren Marktumfeld tendenziell besser entwickeln.

2. Reales Ertragswachstum

Anleihekupons sind unveränderlich und verlieren daher in Zeiten mit Inflation real an Wert. Dividenden hingegen können steigen und auf diese Weise mit der Inflation Schritt halten. Aber nicht alle Unternehmen sind in der Lage, höhere Preise an ihre Kunden weiterzugeben und ihre Gewinnmargen zu schützen. Einige Aktien werden mit hohen Dividendenrenditen gehandelt, weil der Markt für ihre fehlende Preissetzungsmacht einen Bewertungsabschlag einpreist. Für das Dividendenwachstum verheißt das nichts Gutes. Wir bevorzugen daher Qualitätsunternehmen mit der nötigen Wettbewerbsstärke und Widerstandskraft, die es für ein kontinuierliches Dividendenwachstum unabhängig von der Marktlage braucht.

3. Schuldenlast rückt verstärkt in den Fokus

In Zeiten des lockeren Geldes macht sich an den Märkten immer wieder eine gewisse Sorglosigkeit mit Blick auf die Verschuldung breit. In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen die niedrigen Kreditkosten genutzt, um zu günstigen Konditionen Kapital für Aktienrückkäufe oder Fusionen und Übernahmen aufzunehmen. Ganz abgesehen davon, dass die meisten großen Fusionen und Übernahmen Aktionärswert zerstören, müssen viele hoch verschuldete Unternehmen nun feststellen, dass mit den Zinsen auch ihre Kreditkosten steigen.

Management-Teams, die kontinuierlich wachsende Dividenden anstreben, gehen tendenziell konservativer an Kreditaufnahmen heran und setzen auf eine geringere Verschuldung. Denn in der Kapitalstruktur eines Unternehmens stehen Anleihen im Rang vor dem Eigenkapital. Eine hohe Schuldenlast kann demnach die Fähigkeit eines Unternehmens beeinträchtigen, in schwierigen Zeiten eine Dividende auszuschütten.

Der Rolling-Stones-Effekt

Alles in allem scheint daher die Aussage, dass Dividenden zahlende Qualitätsunternehmen in einem Umfeld steigender Zinsen tendenziell unterdurchschnittlich abschneiden, zu undifferenziert. Vielmehr müssen auch andere Faktoren wie die Ausgangsbewertung und die Gründe für einen Zinsanstieg ins Kalkül gezogen werden.

Könnte 2019 demnach das Jahr werden, in dem Anleger ihre Prognosen auf den Prüfstand stellen und wiederentdecken, wie chancenreich defensive Dividendenstrategien sind? Dick Rowe von Decca Records jedenfalls hat seine Meinung zu Gitarrenbands überdacht und die Rolling Stones bei seinem Label schließlich unter Vertrag genommen – eine Entscheidung, die sich für ihn ausgezahlt hat.

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